Profis | 25.04.2019

Interview im GeißbockEcho

Kessler: „Ich will noch einiges erreichen“

Thomas Kessler hat nicht nur die längste Vereinszugehörigkeit aller FC-Profis, sondern auch eine besondere Rolle im Team inne. Eine Zahl verdeutlicht dies: Sollte Kessler bis Saisonende kein Spiel mehr ver­passen, wird er am letzten Spieltag zum 300. Mal auf der FC-Bank sitzen. Hinzu kommen 31 Pflichtspieleinsätze. Aktuell führt „Kess“ ergebnis­offene Gespräche mit dem FC, da sein Vertrag nach 19 FC-Jahren im Sommer ausläuft.

Thomas, du bist seit fast zwei Jahrzehnten beim FC und hast einen entsprechend großen Erfahrungsschatz. Wie beurteilst du den bisherigen Saison­verlauf?
Unterm Strich muss man sagen, dass sowohl unsere Punktausbeute als auch die Anzahl der geschossenen Tore für sich sprechen. Wir haben an nur vier der ­bisherigen 30 Spieltage nicht auf einem direkten Aufstiegsplatz gestanden und davon mehr als die Hälfte der Saison auf Platz eins. Da gibt es eigentlich nicht viel zu meckern. Die letzten drei Spiele haben wir uns natürlich alle anders vorgestellt – insbesondere das Spiel in Dresden. Da darf man nichts beschönigen. Das haben wir analysiert und unsere Lehren daraus gezogen. Dennoch spielen wir insgesamt eine gute Saison und stehen zu Recht an der Tabellenspitze.

Hast du eine Situation, wie sie derzeit in Köln herrscht, in deinen bislang zwölf Profijahren schon einmal erlebt?
Als wir vergangene Saison abgestiegen sind, war es ungewöhnlich ruhig. Die Menschen in der Stadt und rund um den Verein haben die bittere Saison außer­gewöhnlich realistisch bewertet. Dies könnte auch eine Erklärung dafür sein, dass deswegen in den letzten Wochen im Club und im Umfeld nicht die ganz große Euphorie wie bei anderen Tabellenführern ausge­brochen ist. Allerdings möchte ich hier ausdrücklich betonen, dass die Unterstützung auf unserem Weg in Richtung Bundesliga auch in dieser Saison unglaublich stark ist.

Erhöht die Europapokal-Teilnahme dennoch die Fallhöhe, was zur jetzigen Gemütslage bei manchen Fans beitragen könnte?
Natürlich war diese Fallhöhe von niemandem vorauszusehen und daher mehr als ernüchternd. Ich stelle allerdings immer wieder fest, dass die FC-Fans total dankbar sind, dass wir nach so langer Zeit mal wieder den Europapokal erreicht haben. Es war für uns alle eine Ehre, den FC auf internationaler Ebene vertreten zu dürfen. Viele Bilder, wie beispielsweise der Fanmarsch in London, werden unvergessen bleiben. Es war unbeschreiblich zu sehen, welche Euphorie der FC in ganz Europa entfachen kann. Dass wir es in der Liga – trotz großem Kampf, wie gegen Gladbach oder Leverkusen – am Ende nicht geschafft haben, hat ­unheimlich wehgetan. Ich glaube, dass die Fans das gut trennen und einordnen können. Die Intensität und Emotionalität, die unsere Fans ganz besonders ausmachen, lassen sich nicht mit anderen vergleichen. Daher wird in der Öffentlichkeit manchmal ein Raunen oder Pfeifen überbewertet. Bei aller berechtigten ­Kritik wissen alle, dass wir gemeinsam alles dafür ­geben, schnellstmöglich wieder Bundesligafußball in Müngersdorf zu spielen.

Welchen Anteil hat die Tatsache, dass viele ­Leistungsträger, wie Hector, Höger, Risse, Horn, ihren Verbleib auch in der 2. Bundesliga ange­kündigt hatten? Werden umso mehr gewisse ­Wunderdinge erwartet?
Nun, die Namen sind natürlich für die 2. Bundesliga absolut außergewöhnlich. Generell ist es außergewöhnlich, dass so viele Spieler hiergeblieben sind bei einem Abstieg. Das hat es in dieser Form sicherlich noch nie gegeben. Dennoch wird die Aufgabe dadurch nur auf dem Papier einfacher, denn in fast jedem Spiel bist du der haushohe Favorit. Für die meisten Teams ist das Spiel gegen uns das Spiel des Jahres. Die Stadien sind immer ausverkauft und auch für die gegnerischen Fans ist es DAS Highlight. Das darf natürlich keine Entschuldigung sein, ist aber bei der Einordnung der Lage nicht zu vernachlässigen. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass ein Aufstieg schwieriger ist als ein Klassenerhalt in der Bundesliga. Das bestätigt auch die aktuelle Spielzeit.

Aber die Ergebnisse der letzten drei Partien sind trotzdem schwer zu erklären.
Absolut. Das kann in weiten Teilen nicht unser Anspruch sein. Es ärgert uns alle ungemein. In Duisburg geben wir nach einem schnellen Rückstand und der darauffolgenden Aufholjagd eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand. Gegen den HSV müssen wir einfach das zweite Tor machen, dann holen wir drei Punkte. Und in Dresden hat nichts zusammengepasst. Wir ­haben jetzt noch vier Spiele und derzeit acht Punkte Vorsprung auf Platz drei. Spätestens jetzt sollten die Sinne bei allen Beteiligten geschärft sein und der ­Fokus nur auf dem Erfolg unseres Vereins liegen. ­Gerade das Spiel in Dresden hat gezeigt, dass wir von niemandem in dieser Liga etwas geschenkt ­bekommen.

Das komplette Interview mit Thomas Kessler gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 63
2 SC Paderborn 07 57
3 1. FC Union Berlin 57

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