Profis | 17.09.2021

Hüben wie drüben

Lagerblom: „Ich bekomme immer noch Gänsehaut“

Pekka Lagerblom wurde Doublesieger und spielte Champions League. Beim 1. FC Köln suchte er 2006 einen sportlichen Neuanfang. In den Schlagzeilen aber stand er wegen seiner Liebe zu Sarah Connors Schwester. Von der Bundesliga führte der Weg des Finnen nach einigen Schlenkern in die Regionalliga zu RB Leipzig. Mittlerweile trainiert Lagerblom die Talente des FC Honka, ist studierter Journalist und steht regelmäßig im Kameralicht.

400 Zuschauer, keine 40.000. Görlitz, Plauen, Meppen. Nicht Paris, Manchester und Lissabon. Regionalliga Nord statt Champions League. Vom Glamour der europäischen Fußballbühne ist RB Leipzig im Jahr 2011 so weit entfernt wie die Liebesgeschichten in Rosamunde Pilcher von der Realität. Die Spielstätten der Gegner sind mitunter von Moos und Unkraut befallen, Fans nehmen auf Holzbretter-Tribünen und ausgebleichten Sitzschalen Platz. In den Kabinentrakten gibt es Toiletten und Duschvorkehrungen, die diesen Namen nicht verdienen. „Es war ein bisschen kurios, zu sehen, unter welchen Bedingungen andere Mannschaften spielen mussten“, sagt Pekka Lagerblom. „Wir dagegen haben in einem riesigen WM-Stadion gespielt.“

Im Alter von 28 Jahren wechselt Lagerblom im Sommer 2011 in die Regionalliga zu RB Leipzig. In den Jahren zuvor sammelte er reichlich Erst- und Zweitligaerfahrung, dennoch entschließt er sich zu diesem Schritt. Leipzigs Trainer ist damals Peter Pacult, der zuvor den österreichischen Bundesligisten Rapid Wien trainiert hatte. „Er wollte mich ein paar Jahre zuvor schon zu Rapid holen“, sagt Lagerblom. „Klar, die Regionalliga war nicht das Schönste für einen Fußballer, aber Leipzig hatte einen Trainer, der mich unbedingt wollte.“  

Zwei Jahre zuvor, im Sommer 2009, wird RB Leipzig gegründet. Am Westufer des Elsterbeckens in Leipzig entsteht eines der modernstes Trainingszentren Europas. Nach der Verpflichtung Lagerbloms bezieht der Regionalligist sein bis dahin halb-fertiggestelltes Trainingsgelände. Ein auf 6.800 Quadratmetern geplanter Gebäudetrakt mit Geschäftsstelle, Umkleidekabinen und Wellnesszentrum wird damals noch gebaut.

Umkleide in Containern 

Begleitet von rumpelnden Baggergeräuschen trainiert die Leipziger Mannschaft auf frisch ausgerollten Rasenplätzen. „Für einen Regionalligisten waren es tolle Bedingungen“, sagt Lagerblom. „Zwar mussten wir uns noch in Containern umziehen, aber das Projekt stand auch erst am Anfang. Das haben alle verstanden. Das Trainingsgelände konnte nicht von heute auf morgen fertig sein.“   

Zur Saison Saison 2011/12 verpflichten die Leipziger neben Lagerblom weitere Spieler mit Bundesliga-Erfahrung. Pascal Borel, Tim Sebastian, Timo Rost. „Wir hatten richtig gute Spieler, eine richtig gute Stimmung im Team.“ In der ersten DFB-Pokalrunde besiegen die Leipziger Bundesligist VfL Wolfsburg. Die Hinrunde in der Regionalliga Nord beendet RB als Spitzenreiter. Lagerblom ist zu Saisonbeginn Stammspieler, ehe ihn eine Entzündung in der Fußsohle monatelang außer Gefecht setzt. Am vorletzten Spieltag sitzt er auf der Bank, als Leipzig alle Chancen auf den Drittligaaufstieg durch ein 2:2 gegen die U23 des VfL Wolfsburg verspielt. Vier Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Hallescher FC machen die Aufstiegsträume vor dem letzten Spieltag zunichte. „Das war sehr enttäuschend.“ 

Alexaner Zorniger folgt zur neuen Saison als Trainer auf Peter Pacult und sortiert Lagerblom aus. „Einige erfahrene Spieler sollten gehen. Wir haben einfach den Laufpass bekommen.“ Lagerblom wird aus dem Kader gestrichen, obwohl er einen Zweijahresvertrag besitzt. Im Oktober 2012 einigt sich der Finne auf eine Vertragsauflösung. Es ist das letzte Kapitel seiner Zeit in Deutschland, die acht Jahre zuvor an der Weser beginnt.

„Der bissige Hund“

Im Januar 2004 wechselt der 21-jährige Lagerblom zu Werder Bremen. Ein Jahr zuvor war er zum besten U21-Spieler seines Landes gewählt worden. Zum Zeitpunkt seines Wechsels ist er A-Nationalspieler. Siebenmal kommt der Finne in der Rückrunde der Saison 2003/04 zum Einsatz, debütiert in der Champions League und wird mit Werder Deutscher Meister. Über die Rolle als Einwechselspieler kommt er zumeist nicht hinaus. Nach zwischenzeitlicher Leihe zum 1. FC Nürnberg muss Lagerblom in der Spielzeit 2005/06 mitunter sogar in Werders U23 aushelfen. Eine nicht zufriedenstellende Situation. „Es lief nicht gut bei mir“, sagt Lagerblom. Umso mehr freut er sich über das Interesse des 1. FC Köln. „Der FC hat früh begonnen, Gespräche mit mir zu führen. Präsident Herr Overath und Trainer Hanspeter Latour haben mich mir ihrer Art überzeugt.“

Im Frühling 2006 unterzeichnet Lagerblom beim FC einen Dreijahresvertrag, der für beide Ligen gilt. Der FC kämpft zu diesem Zeitpunkt um den Klassenerhalt – erfolglos. „Leider hat die Mannschaft die Wende nicht mehr geschafft. Trotzdem habe ich mich auf meinen persönlichen Neustart in Köln gefreut.“ Bereut hat Lagerblom den Wechsel nicht. „Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich an die FC-Hymne höre. Die Fans waren überragend.“ Schnell findet Lagerblom Anschluss in der Stadt. „Ich habe viele Freunde in Köln, die ich bis heute immer wieder gerne besuche.“ Auch an Karneval findet er Gefallen. „Bei uns in Finnland gibt es das nicht. Aber es war richtig lustig. Die ganze Stadt war bunt. Wenn ich heute in den sozialen Medien Bilder von Kölner Freunden in Kostümen sehe, weiß ich, es ist der 11.11. Halligalli geht wieder los.“ 

Beim FC fühlt sich „der bissige Hund“, wie Lagerblom wegen seiner kampfbetonten Spielweise wertschätzend genannt wird, ebenfalls gut aufgehoben. „Wir hatten tolle Persönlichkeiten. Helmes, Wessels im Tor, Scherz – die Legende. Eine gute Mischung.“ Sportlich läuft es in der Zweitligasaison 2006/07 zunächst auch gut. Lagerblom ist unangefochtener Stammspieler und der FC nach dem fünften Spieltag Erster. Danach bleibt der FC sechs Spiele am Stück sieglos und rutscht auf den fünften Platz ab. Trainer Latour wird entlassen und Christoph Daum als Nachfolger am Geißbockheim präsentiert.

Verheiratet mit Sarah Connors Schwester

„Latours Entlassung kam sehr überraschend für viele Spieler. Wir haben nicht schlecht gespielt. In der zweiten Liga besiegt man halt auch nicht alle Teams mal eben.“ Die weitere Saison unter Daum verläuft enttäuschend. Am Ende wird der FC Neunter. „In der Winterpause kamen viele neue Spieler dazu. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir Daums Philosophie richtig umgesetzt haben und waren nicht konstant.“

Lagerbloms Einsatzzeiten nehmen unter Daum ab, mehrfach muss er auf der Bank schmoren. Abseits des Platzes stürzen sich die Boulevard-Medien auf ihn, was aber eher an seiner Frau Anna-Maria liegt, die Schwester von Pop-Sängerin Sarah Connor. Von „Miss FC“ ist die Rede. Der damalige FC-Geschäftsführer Claus Horstmann sagte in einem früheren Interview: „Sie begleitete Pekka zu den Verhandlungen und hatte leider vergessen, zu ihrem Shirt auch einen Rock anzuziehen.“ Die vielen privaten Geschichten über sich, seine Frau und seinen damals vierjährigen Sohn sind Lagerblom unangenehm. „Es hat genervt. Ich wollte Fußball spielen und mir dadurch einen Namen machen. Anna-Marias Partyleben war nicht einfach für mich. Als Spieler konnte ich nicht immer rausgehen. Für mich war es besser, zu Hause zu bleiben und mich auf das nächste Spiel zu konzentrieren.“ Nach vier Jahren endet die Ehe. Später ist Anna-Maria mit Mesut Özil zusammen, mittlerweile ist sie mit Rapper Bushido verheiratet. Auch Lagerblom ist neu liiert.

Fernsehexperte und Nachwuchstrainer

Nach dem verpassten Wiederaufstieg mit dem FC erfährt er im Sommer 2007 in einem offenen Gespräch mit Daum, dass der FC nicht mehr mit ihm plant. Lagerblom wechselt zu Zweitligist Alemannia Aachen. „Aaachen war nicht weit weg. So konnten wir in Köln wohnen bleiben.“ Richtig glücklich wird er bei der Alemannia aber nicht. „Ich habe mich ein paar Mal gefragt, was passiert wäre, wenn ich doch länger beim FC geblieben wäre.“ Von Aachen wechselt er zum FSV Frankfurt, danach spielt er für die U23 des VfB Stuttgart.

2013 kehrt Lagerblom zurück in die Heimat. Sechs Jahre später beendet er seine Karriere beim FC Lahti. Lagerblom hat ein Journalismus-Studium abgeschlossen und arbeitet als Fußballexperte für den Fernsehsender Canal 4. Zudem hat er eine Ausbildung zum Spielanalysten absolviert und trainiert die U11 des finnischen Erstligisten FC Honka. Den FC verfolgt Lagerblom intensiv und drückt die Daumen. „Ich schaue die Spiele in Finnland im Pay-TV. Die Saison für den FC hat gut angefangen. Die wichtigsten Mannschaftsteile sind gut bestückt. Ich hoffe, dass die Mannschaft in der oberen Tabellenhälfte bleibt und ich einige Spiele live im Stadion erleben kann.“

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
71. FSV Mainz 0513
81. FC Köln13
9VfL Wolfsburg13

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