• Club | 16.04.2020

    60. Geburtstag des Dribbelkönigs

    Littbarski: Herz und Körper für den FC

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    Littbarski: Herz und Körper für den FC

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    60. Geburtstag des Dribbelkönigs

    Littbarski: Herz und Körper für den FC

14 Jahre war das Geißbockheim seine zweite Heimat. In allen Statistiken gehört er zu den besten Spielern, die jemals den Geißbock auf der Brust getragen haben. Für seine Rückkehr gab „Litti“ dem FC sogar ein zinsloses Darlehen. In die Herzen der Fans hatte sich das sympathische Schlitzohr schon vorher gedribbelt. Pierre Littbarski feiert am 16. April seinen 60. Geburtstag und ist bis heute einer der beliebtesten FC-Profis aller Zeiten.

Pierre Littbarskis endgültiger Abschied aus Köln liegt mittlerweile bereits 27 Jahre zurück. Obwohl viele Fans davon geträumt haben, hat sich seither eine Rückkehr zum Geißbockheim nicht ergeben. Dennoch fällt sein Name rund um den FC in aller Regelmäßigkeit. Wenn es um die beliebtesten und erfolgreichsten FC-Protagonisten geht, ist „Litti“ in jeder Rangliste stets ganz weit oben dabei. Angesprochen auf diese ungebrochene Beliebtheit bei den Kölnern wird deutlich, dass die Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht. „Es macht mich stolz. Die Fans haben ein extrem feines Gespür für die Spieler. Ich war zum einen lange in Köln, habe aber auch immer versucht, alles zu geben. Manchmal habe ich 60 oder 70 Minuten Vollgas gegeben, dann war der Akku auch schon mal leer (lacht). Ich habe mein Herz und meinen Körper für den FC gegeben. Das wird dann auch von den Fans honoriert, und so sollte es auch sein. Ich habe das so von Hennes Weisweiler gelernt und immer auch an die jungen Spieler weitergegeben.“

Stammspieler und Weltmeister
Weisweiler war Littbarskis erster Profi-Trainer. Als 18-Jähriger kam der gebürtige Berliner zum FC. Bei Spielen um die deutsche Jugendmeisterschaft wurde FC-Manager Karl-Heinz Thielen auf das Talent von Hertha Zehlendorf aufmerksam und verpflichtete den quirligen Dribbler nahezu vom Fleck weg. Obwohl die FC-Profis als amtierende Meister und Pokalsieger hochkarätig besetzt waren, kam „Litti“ im ersten Profijahr 1978/79 auf beachtliche 21 Pflichtspieleinsätze und sechs Tore. Seinen weltweit bekannten Spitznamen bekam Littbarski von Harald „Toni“ Schumacher verpasst, wobei sich aus dem ersten Kürzel „Littski“ später „Litti“ etablierte.

Beim 1. FC Köln wurde Littbarski ab seiner zweiten Saison unumstrittener Stammspieler und er schaffte 1981 den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Nach zwei Vize-Weltmeisterschaften 1982 und 1986 war „Litti“ mit drei weiteren FC-Profis wichtiger Bestandteil der Weltmeistermannschaft von 1990. Neben Paul Steiner, Thomas Häßler und Bodo Illgner konnte Pierre Littbarski den WM-Pokal in Rom in die Höhe strecken.

DFB-Pokalsieger 1983
Auf Vereinsebene gewann der FC mit Littbarski 1983 zum bislang letzten Mal den DFB-Pokal. In einem leidenschaftlich geführten Finale gegen den Stadtrivalen Fortuna Köln erzielte „Litti“ das einzige Tor des Spiels. Ein Mitspieler war damals Stephan Engels, den Littbarski kürzlich in einem Interview mit dem Kicker als beklopptesten Mitspieler bezeichnete. „Er wird sich sicher freuen, dass ich ihn als beklopptesten Mitspieler genannt habe, weil das gerade aus meinem Mund nur als Lob aufgefasst werden kann. Jede Mannschaft braucht doch Bekloppte, denn nur mit normalen Spielern gewinnt man keine Spiele.“ Littbarski war Stimmungskanone und Führungspersönlichkeit zugleich. In der Saison 1983/84 sowie von 1987 bis 1993 führte er den FC als Kapitän auf den Platz. Die erfolgreichen Jahre unter Trainer Christoph Daum bezeichnet Littbarski als seine „schönste Zeit beim FC“. Mit zwei Vize-Meisterschaften 1989 und 1990 war diese Ära zudem erfolgreich.

Nicht nur menschlich zählt Littbarski zu den prägendsten Spielern der FC-Historie, was viele Statistiken eindrucksvoll untermauern. Mit 406 Bundesligaspielen steht er hinter Harald „Toni“ Schumacher (422) und Wolfgang Overath (409) auf Platz drei er wohl kaum noch zu überbietenden Rangliste. Seine 116 Tore in der Bundesliga wurden nur von zwei Torjägern (Hannes Löhr 166, Dieter Müller 159) übertroffen. Zudem gehört er zu den fünf Spielern (Overath 542, H. Schumacher 541, Schäfer 506, Löhr 505, Littbarski 504), die in der mehr als 72-jährigen Vereinsgeschichte die 500er-Marke von FC-Pflichtspielen knackten.

Wäre „Litti“ 1986 nicht für ein Jahr zu Racing Paris gewechselt, hätte er bestimmt an Wolfgang Overath als Führenden in dieser Rangliste heranrücken oder ihn gar überholen können. Stattdessen unterstrich Littbarski seine Zuneigung zum FC darin, dass er seine eigene Rückholaktion 1987 aus Frankreich mit einem zinslosen Darlehen mitfinanzierte. Der FC war für „Litti“ schon damals spürbar anders.

Weltenbummler
1993 trennten sich die Wege von Littbarski und dem FC. Noch vor Saisonende 1992/93 wechselte „Litti“ in die japanische J-League zu Jeff United Ichihara Chiba. Beim japanischen Brummell Sendai endete 1997 Littbarskis Spielerlaufbahn. Es folgten Trainerstationen in Japan, Deutschland, Australien, Iran und Liechtenstein. Mit dem Sydney FC gewann er 2006 die australische Meisterschaft. „Vier Mannschaften liegen mir sehr am Herzen. Klar, der FC, den ich seither immer verfolge. Der VfL Wolfsburg ist mittlerweile meine zweitlängste Station, da baut man einiges auf. Dazu kommen Sydney und Yokohama – dort habe ich mich unheimlich wohlgefühlt.“ Seit 2010 ist „Litti“ beim VfL Wolfsburg tätig. Dort war er Co- und Interimstrainer sowie Chefscout. Seit 2018 ist er Markenbotschafter und hat somit wieder mehr Zeit für Privates. „Ich konnte jetzt wieder als Fan Fußball schauen und habe mir alles reingezogen, was möglich war. Tragisch, dass das aktuell nicht möglich ist.“

Einer seiner zwei Söhne aus zweiter Ehe spielt in der U17 der Wolfsburger. Zwischen Lucien und Pierre Littbarski gab es häufig fußballerische Wettkämpfe der ganz besonderen Art. „Mit meinem Sohn habe ich regelmäßig Hin-und-her-Schießen gemacht. Da stellt man Tore etwa 25 Meter auseinander, beide tragen Torwarthandschuhe und man versucht, möglichst viele Tore zu machen. Da hatte ich zuletzt immer weniger Chancen, sodass mein Sohn tatsächlich sagte: ‚Deine Zeit ist vorbei.‘“

Die Wettkämpfe fielen in letzter Zeit gezwungenermaßen aus, da sich Pierre Littbarski an seinen markanten optischen Markenzeichen, seinen ausgeprägten O-Beinen, operieren lassen musste. „Ich habe mich kürzlich bei Doc Schäferhoff in der Mediapark Klinik in Köln am Knie operieren lassen. Ich denke, dass ich in einem halben Jahr wieder mit meinem Sohn kicken kann.“ Trotz OP wird man wird „Litti“ auch weiter an deinen Säbelbeinen erkennen können. „Mit der Zeit zwickt einfach der Meniskus. Da muss man dann eben mal etwas machen lassen.“

Millionen vermissen den Fußball
Die aktuelle Corona-Krise ändert die Geburtstags-Planungen Littbarskis nur wenig. Eine große Feier war nicht vorgesehen, und ohnehin kritisiert er Geburtstage mit einem für ihn typischen Humor. „Alle Leute, die du seit mindestens einem Jahr nicht gesehen hast, schicken dir vermeintlich lustige Gifs aufs Handy. Und man muss man ja auch noch höflich antworten. Das ist schon anstrengend (lacht).“

In der aktuellen Krise sieht Pierre Littbarski den Fußball in einer besonderen Rolle. Er hat in Australien und Japan noch viele Freunde, mit denen er regelmäßig Kontakt hält. „Bei einem sind wir uns alle einig: In der ganzen Welt wollen alle Menschen wieder Fußball spielen und Fußball sehen. Wenn sich alle an die Anordnungen halten bin ich zuversichtlich, dass wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen können, ohne die Gesellschaft zu gefährden. Man darf nicht vergessen, wie viel der Fußball den Menschen bedeutet. Der Fußball war in meiner Erinnerung immer für die Menschen da – und das fehlt momentan. Besonders durch meine Zeit in Japan bin ich großer Anhänger davon, sich an Vorschriften zu halten. Ich fühle mit den Menschen mit und weiß, dass Millionen den Fußball vermissen.“

Der 1. FC Köln gratuliert Pierre Littbarski herzlich zum 60. Geburtstag.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
10FC Schalke 0437
111. FC Köln34
12Eintracht Frankfurt32