Club | 07.05.2014

„Mach et, Otze“

Auf den Tag genau

Es war ein legendäres verbales Eigentor: Vor genau 23 Jahren genehmigte der damalige FC-Trainer Erich Rutemöller seinem Spieler Frank Ordenewitz, eine Rote Karte zu provozieren. Doch wie kam es genau zu dem bekannten Zitat und was machen die Beteiligten heute?

Als der 1. FC Köln am Dienstagabend des 7. Mai im Jahr 1991 ins DFB-Pokalfinale einzog, war das Erreichen des Endspiels schon wenige Minuten nach Abpfiff nur noch nebensächlich. Vielmehr erregte eine Aussage des damaligen FC-Trainers Erich Rutemöller die Gemüter.

Zuvor hatte der FC zu Hause vor 35.000 Zuschauern gegen den MSV Duisburg gewonnen. Es war das zweite Halbfinalspiel der beiden Teams, denn das erste Aufeinandertreffen der beiden Clubs im Duisburger Wedau-Stadion hatte mit einem torlosen Remis geendet – und zu dieser Zeit gab es in den Runden vor dem Finale noch kein Elfmeterschießen, sondern ein Rückspiel. 

Otze will ins Finale

Im Müngersdorfer Stadion hatte Alfons Higl den FC in Führung gebracht und Otze, wie der seinerzeit in bestechender Form spielende Ordenewitz von allen genannt wurde, auf 2:0 erhöht. Doch dann hatte er die zweite Gelbe Karte im laufenden Pokalwettbewerb gesehen und wäre für das Finale in Berlin gesperrt gewesen. Damals gab es noch keine Gelb-Roten Karten, eine zweite Verwarnung wurde direkt mit der Roten Karte geahndet. Und eine Sperre im Anschluss an einen Platzverweis war 1991 noch nicht an einen Wettbewerb gebunden, sondern galt ab sofort. 

Mit der Hoffnung, so seine Sperre in der Bundesliga absitzen zu können und fürs Finale wieder spielberechtigt zu sein, provozierte Ordenewitz in Absprache mit Rutemöller einen Platzverweis. Der FC-Stürmer schlug in den Schlussminuten also den Ball weg – und Schiedsrichter Markus Merk schickte ihn vom Feld. In der Euphorie des Sieges verplapperte sich Rutemöller wenige Minuten nach Abpfiff vor laufenden Fernsehkameras. „Otze kam zu mir und ich finde, man sollte ihm die Chance nicht nehmen. Und da hab' ich gesagt: ‚Mach et!‘“. Daraus wurde später das geflügelte Wort „Mach et, Otze!“ 

Es kam, wie es kommen musste. Der DFB sperrte Frank Ordenewitz für das Pokalfinale und belegte Rutemöller mit einer Geldstrafe von 5.000 DM. Außerdem wurde das DFB-Reglement in der Folgesaison geändert.  

Glücklos in Berlin

Auch das anschließende Pokalfinale gegen Werden Bremen bot für den 1. FC Köln nur wenig Anlass zur Freude. Weil es nach 120 Minuten 1:1 stand, ging es ins Elfmeterschießen – dem ersten in einem DFB-Pokalfinale überhaupt. Ausgerechnet FC-Ikone Pierre Littbarski, der gebürtige Berliner, verschoss den entscheidenden Strafstoß. Wie seine Teamkollegen auf dem Platz, musste der gesperrte Frank Ordenewitz den Bremern beim Jubeln zusehen.

Heute arbeitet der ehemalige FC-Stürmer übrigens für den damaligen Finalgegner und geht für Werder als Scout auf Talentjagd. Dabei entdeckte Otze schon Spieler wie Max Kruse und Martin Harnik. Erich Rutemöller arbeitete nach seiner Zeit beim FC noch lange als Nachwuchstrainer für den DFB und betreute unter anderem die deutsche Perspektivmannschaft „Team 2006“ für die WM im eigenen Land.

Spruch wird Kult

Groll zwischen dem FC-Coach und seinem damaligen Stürmer gibt es keinen. „Ich habe mich damals wahnsinnig über mich selbst geärgert. Und mir tat der Otze leid. Er war aber nicht lange sauer und wir haben heute noch guten Kontakt“, sagte Rutemöller kürzlich in einem Interview. Als FC-Fans vor einigen Jahren eine Jubiläumsparty zu dem Zitat in der Kölner Kneipe Klapsmühle veranstalteten, ließen es sich Rutemöller, Otze und die ehemaligen FC-Spieler Olaf Janßen, Ralf Sturm und Michael Kraft nicht nehmen, dort gemeinsam anzustoßen. 

Längst können alle Beteiligten darüber lachen, denn mittlerweile hat das Zitat Kultstatus erlangt. Im Stadtteil Nippes gab es die Kneipe „Mach et“ in Anlehnung an Rutemöllers Spruch und sogar ein Kegelclub und ein Team in der Bunten Liga haben sich nach ihm benannt. Und im FC-FanShop ist das Shirt mit dem legendären Zitat bei den FC-Fans der absolute Renner.

Die Statistik des Spiels

1. FC Köln: Bodo Illgner - Henrik Andersen (88. Axel Britz), Karsten Baumann, Andreas Gielchen, Alfons Higl - Falko Götz, Frank Greiner, Horst Heldt (63. Andrzej Rudy), Pierre Littbarski - Maurice Banach †, Frank Ordenewitz
Trainer: Erich Rutemöller

MSV Duisburg: Heribert Macherey - Massimo Mariotti (51., Gyula Hajszan), Patrick Notthoff, Michael Tarnat, Lothar Woelk - Dirk Bremser, Toni Puszamszies †, Franz-Josef Steininger - Wojciech Kaluzny (80., Uwe Kober), Ewald Lienen, Michael Struckmann
Trainer: Willibert Kremer

Tore: 1:0 Higl (30.), 2:0 Ordenewitz (49.), 3:0 Banach (90.)
Schiedsrichter: Markus Merk
Gelbe Karten: Greiner | Struckmann, Notthoff, Puszamszies, Lienen
Rote Karte: Ordenewitz

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
13Hertha BSC26
141. FC Köln23
151. FSV Mainz 0522

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