Profis | 03.05.2018

FC-Spieler im Porträt

Marcel Risse: Köln, Karneval und der FC

Marcel Risse bleibt dem 1. FC Köln treu. Er geht für den Verein in die 2. Bundesliga – zum zweiten Mal. fc.de wirft einen Blick auf Risses Werdegang vom Nachwuchsspieler bei der Werkself zum umjubelten Derbyhelden beim FC.

Drei Dinge gehören in Köln unweigerlich zusammen. Immer wieder werden sie in einem Atemzug genannt: der Dom, Karneval und der 1. FC Köln. FC-Profi Marcel Risse ist der Inbegriff eines kölschen Jung. Köln ist seine Heimat. Hier ist er geboren. Hier hat er einst mit dem Fußballspielen angefangen. Den Arm des 28-Jährigen ziert Artikel 2 des kölschen Grundgesetzes – einem Lebensleitfaden für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt. In verschnörkelter Schrift hat sich Risse „Et kütt wie et kütt“ unter die Haut stechen lassen. Es kommt wie es kommt. Darüber prangt das Wappen des Stadtteils Kalk, dem Stadtteil, in dem Risse aufgewachsen ist.

Schon als kleiner Panz feiert Marcel Risse mit seiner Familie Karneval. Er verkleidet sich, schaut Karnevalsumzüge an und kennt die gängigen Lieder in- und auswendig. Früh wird Risse auch FC-Fan. Sein erstes Trikot ist von Toni Polster. Regelmäßig ist er bei den Heimspielen im Stadion. Er stellt sich vor, wie es wäre, selbst dort unten auf dem Rasen zu stehen. Eine Fantasie, die zu seinem Ziel wird. Doch das Ziel soll er erst über Umwege erreichen.

Marcel Risse wird im Dezember 1989 geboren. Er wächst rechtsrheinisch auf und beginnt unweit seines Elternhauses mit dem Fußballspielen. Beim TuS Höhenhaus tritt er mit gerade einmal vier Jahren gegen den Ball. Schon damals an seiner Seite: Marco Höger. Die beiden werden von Marcel Risses Vater trainiert. Schon damals fällt Risses Talent auf – auch über die Stadtgrenzen hinaus.

Die Scouts von Bayer 04 Leverkusen werden auf den kölschen Jung aufmerksam und lotsen ihn im Alter von sechs Jahren zum Werksklub. Risse trägt fortan die Leverkusener Löwen auf dem Trikot, während sein Traum der Geißbock auf der Brust bleibt. Bei Bayer 04 steigert sich der Nachwuchsspieler von Jahrgang zu Jahrgang. Er reift zum Leistungsträger seiner Mannschaften und feiert 2007 mit der Leverkusener U19 die Deutsche Meisterschaft. Mit sechs Toren hat er maßgeblichen Anteil am Titelgewinn. Seine Leistungen werden belohnt: Er wird in die erste Mannschaft hochgezogen und steht in der Saison 2007/08 erstmals bei einem Bundesliga-Spiel im Kader.

Auf sein Debüt muss Risse fast bis zum Saisonende warten. Erst am 32. Spieltag ist es soweit. Gegen Hertha BSC spielt er erstmals in der Bundesliga. Es ist insgesamt ein erfolgreiches Jahr für Risse, denn auch mit der deutschen U19-Nationalmannschaft feiert er einen Titel. In Tschechien wird er U19-Europameister und steuert zwei Treffer bei. Die Karriere des gebürtigen Kölners scheint Fahrt aufzunehmen, gerät dann aber überraschend ins Stocken. Die Konkurrenz in Leverkusen ist groß. Risse steht hinten an. Um genügend Spielpraxis zu sammeln, wird er an den 1. FC Nürnberg in die 2. Bundesliga ausgeliehen.

Nachdem Risse mit Nürnberg den Klassenerhalt schafft, wechselt er auf Leihbasis weiter zum 1. FSV Mainz 05. Eine vorübergehende Option, die sich schnell zur längerfristigen Lösung entwickelt. Denn unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel wird Risse mit dem FSV in der ersten Saison gleich Fünfter. Der Rechtsaußen überzeugt Fans und Trainer im Zusammenspiel mit Lewis Holtby, Adam Szalai und André Schürrle. Die logische Konsequenz: Die Mainzer wollen Risse halten und verpflichten ihn fest.

Zwei Jahre später, im Sommer 2013, ist Marcel Risse seinem Traum nahe. Der FC will ihn in die Heimat holen. Risse hat zu diesem Zeitpunkt auch Angebote von Erstligisten, doch für den FC geht er zurück in die zweite Liga. Er wechselt von Mainz nach Köln – und das mit einem erklärten Ziel. „Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass der 1. FC Köln und die Stadt in die Bundesliga gehören. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass das so schnell wie möglich Realität wird“, sagt Risse in den ersten Wochen seines FC-Abenteuers. Worte, denen er Taten folgen lässt. In seiner ersten FC-Saison steht er in beinahe allen Partien auf dem Platz. Er erzielt neun Tore in der zweithöchsten Spielklasse. Vier weitere Treffer bereitet er vor. Am 31. Spieltag ist das Ziel erreicht. Der FC besiegelt nach einem 3:1-Sieg gegen Bochum vorzeitig den Bundesliga-Aufstieg. Risse und seine Mannschaftskollegen strecken am Saisonende die Meisterschale der 2. Bundesliga in die Luft.

Auch in den Bundesliga-Spielzeiten nach dem Wiederaufstieg bleibt Marcel Risse ein wichtiger Faktor im Team. Die Saison 2016/17 startet nahezu perfekt. Die Mannschaft bleibt bis zum achten Spieltag ungeschlagen und steht nach dem zehnten Spieltag auf dem sechsten Tabellenplatz vor deutlich höher gehandelten Teams wie Leverkusen, Gladbach und Schalke. Am elften Spieltag reist der FC nach Mönchengladbach. Bis zur 90. Spielminute deutet alles auf eine Punkteteilung hin. Es steht 1:1, als Marcel Risse in der ersten Minute der Nachspielzeit zum Freistoß anläuft. Sein Mannschaftskollege Salih Özcan tippt den Ball kurz an, Risse jagt das Leder aus 35 Metern mit einem satten Schuss in den Winkel. Ein Traumtor, das ihm später die Auszeichnung zum Tor des Monats beschert – zum zweiten Mal in Folge. Bereits für seinen Treffer im Pokalspiel gegen Hoffenheim, einem ähnlichen Freistoßtor, erhält er die Auszeichnung zum Tor des Monats Oktober.

Durch sein Tor gegen Gladbach wird Marcel Risse nicht nur zum umjubelten Derbyhelden sondern auch zum Torschützen des Jahres. Sein Freistoßhammer setzt sich bei der Wahl der ARD Sportschau durch. Doch die Freude über die Auszeichnung ist beim FC-Mittelfeldspieler getrübt. Risse ist zu diesem Zeitpunkt bereits verletzt. Er hat sich Anfang Dezember 2016 einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt für mehr als ein halbes Jahr aus. Beim Rennen um Europa kann er nur zuschauen. Risse fokussiert sich stattdessen auf die Reha, um schnellstmöglich zurückzukommen. Sein Ziel: Wieder fit werden und in der Saison 2017/18 für den FC im Europapokal spielen. Risse schafft es. Im Hinspiel gegen Arsenal kommt er zum Einsatz. Doch danach wird er wieder zurückgeworfen. Er spürt Probleme am Knie. Diagnose: Meniskusverletzung. Immer wieder schwillt sein Knie an. Anders als beim Kreuzbandriss kann ihm dieses Mal niemand sagen, wie lange er ausfallen wird. Risse bekommt Angst. Angst um seine Karriere. Angst vor der Zukunft. Angst, dass seine kleine Tochter ihn niemals mehr auf dem Platz spielen sehen wird.

Risse versucht alles, um das drohende Karriereende abzuwenden. Er sucht verschiedene Ärzte auf. Zwischenzeitlich steht sogar eine dritte Operation im Raum, doch der Mittelfeldspieler entscheidet sich dagegen. Schritt für Schritt arbeitet er sich im Rehatraining zurück. Ganz langsam. „Wir haben ganz kleine Schritte gemacht, bis das Knie irgendwann akzeptiert hat, dass es zu einem Profifußballer gehört“, erinnert sich Risse an die für ihn schwierigste Zeit seiner Karriere. Mit Geduld schafft Risse das, was fast unmöglich schien. Er wird wieder fit und gibt Mitte Februar im Spiel gegen Eintracht Frankfurt sein Comeback. Mit einer Ausnahme steht er seitdem bislang immer in der Startelf des FC.

Und Risse will auch in der kommenden Saison weiter für den 1. FC Köln auflaufen. Er geht mit dem FC durch et füer und bekennt sich zum Verein. Im Januar 2017 hatte Risse seinen Vertrag beim FC bis 2022 verlängert. In einer Zeit, in der er gerade verletzt war. „Dass wir während meiner Reha nach meinem Kreuzbandriss verlängert haben, ist für mich ein großes Zeichen der Wertschätzung, für die ich dankbar bin“, sagte Risse damals. Seinen Dank zahlt er jetzt damit zurück, dass er seinen Vertrag erfüllt. Wieder geht er mit dem FC in die zweite Liga. Risses Worte von einst, dass der FC in die Bundesliga gehört und dass er dabei helfen will, ihn dorthin zurückzubringen, gelten noch heute. Für Marcel Risse gilt nicht nur „Et kütt, wie et kütt“ sondern auch „Et es wie et es“. Es ist, wie es ist: Der FC ist in die zweite Bundesliga abgestiegen. Zum sechsten Mal in der Vereinsgeschichte. Risse sieht den Tatsachen ins Auge und er fasst einen Entschluss: „Ich laufe nicht davon, nur weil es eine Saison nicht gelaufen ist.“ Marcel Risse liebt und lebt Köln, Karneval und den FC.

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