Profis | 19.03.2021

Interview im GeißbockEcho

Marius Wolf: „Genau das ist es“

Marius Wolf kam kurz vor Transferschluss zum 1. FC Köln – und ­bereits wenige Stunden nach seiner Vorstellung am Geißbockheim zu seinem ersten Einsatz für den FC. Der 25-Jährige ist auf Anhieb Leistungsträger, stand fortan in jeder Partie in der Startelf. Nur ­einmal fehlte er an­geschlagen. Marius Wolf fällt auf – auf dem Platz und im Alltag. Ihn reizen die besonderen Aufgaben, weswegen ein alltäglicher Job nie wirklich in Frage kam.

Marius, jetzt mal ehrlich. Du bist so überhaupt nicht der Typ Bankkaufmann.
„(lacht) Stimmt. Aber ich ahne, worauf du hinauswillst.“

Als A-Jugendlicher von 1860 München hast du eine Ausbildung zum Bankkaufmann begonnen, aber nach einem Jahr wieder abgebrochen. Hätte man auch vorhersehen können, dass das nichts für dich ist, oder?
„Na ja, grundsätzlich war das schon eine gute Sache. Es hat sich das Angebot ergeben, bei der Stadtspar­kasse, die damals Sponsor der Münchner Nachwuchs­abteilung war, die Ausbildung zum Bankkaufmann zu machen. Man ist mir sehr entgegenge­kommen, als es um flexible Arbeitszeiten für Trainings­einheiten oder Spiele ging. Im Gesamtpaket ist das ein tolles Angebot. So bietet man jungen Talenten einen Plan B, falls es mit dem Fußball nicht klappen sollte. Ich bin aber schnell an den Punkt gekommen, an dem beides, ­Fußball und Ausbildung, parallel einfach zu viel war. Zudem hat sich immer mehr abgezeichnet, dass ich im Fußball den nächsten Schritt gehen kann. Ich habe die Ausbildung abgebrochen und alles auf eine Karte gesetzt. Hätte es mit dem Fußball dann nicht geklappt, wäre ich immer noch jung genug ­gewesen, um einen anderen Weg zu gehen und eine andere Ausbildung zu beginnen.“

Heute erkennt man schnell, dass ein Job in der Bank nicht zu dir passt. Warst du damals in der Jugend schon ein extrovertierter und auffälliger Typ?
„Eigentlich schon. So was entwickelt sich nicht erst mit Anfang 20, sondern oft schon im früheren Alter. Das merkt man einfach. Ich hatte damals schon ­Interesse an ausgefallenen Klamotten und auffälligen Frisuren.“

Und zu Hause gab das nie Diskussionen oder ­Probleme?
„Nein. Ich habe aber auch keine total verrückten oder krass auffälligen Dinge gemacht (lacht). Aber leider wird besonders in Deutschland vieles, was nicht der Norm entspricht, direkt in ein negatives Licht gestellt. Wenn man hier beispielsweise in einem Anzug essen geht, wird man schon mal schief angeschaut. In Italien würde man so gar nicht auffallen. Das trifft auch auf Autos zu. Ich leiste mir gerne extravagante Autos, weil ich Spaß daran habe und sie mir tierisch gefallen. Oft wird man dafür hier aber kritisiert, was ich nicht nachvollziehen kann. Ich finde es schöner, wenn man sich für andere freut und es anderen auch gönnt. Man sollte eh immer das Positive in den Vordergrund stellen.“

Wurde auf diesen Aspekt auch in deinem Elternhaus wertgelegt? Du hast schon in der Jugend maximale Unterstützung von deinen Eltern erfahren.
„Die Unterstützung meiner Familie ist bis heute riesig und ungebrochen. Anfangs haben mich meine Eltern täglich mehr als 100 Kilometer von Coburg nach Nürnberg gefahren. Später bin ich dann in ein Internat in Nürnberg gezogen und habe sehr früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Für meine Eltern war es selbstverständlich, mich bei der Verwirklichung ­meiner Träume zu unterstützen, aber gleichzeitig die Ziele, wie beispielsweise meinen Schulabschluss, im Auge zu behalten. Für den Support bin ich unendlich dankbar. Wenn ich mal Kinder habe, dann werde ich sie genauso unterstützen.“

Was sind die Vorbilder, an denen du dich orientiert hast?
„Als Kind auf jeden Fall David Beckham. Er hat auch viele Frisuren ausprobiert und war einer der besten Fußballer der Welt.“

War Beckham das Vorbild für deine unterschied­lichen Frisuren in den vergangenen Wochen?
„Nein, in diesem Fall nicht. Dass ich zuletzt einiges ausprobiert habe, liegt in erster Linie an Corona (lacht). Ich hatte vorher immer eher kurze Haare. So lang wie jetzt waren sie noch nie, und da musste ich eben mal für den Sport etwas ausprobieren. Es gab aber als Vorbilder natürlich nicht nur Beckham. Später auch Ronaldo oder andere großartige Sportler wie LeBron James. Grundsätzlich mag ich Leute, die konsequent ihren eigenen Weg gehen und es nicht immer nur anderen recht machen wollen. Keiner hat zu entscheiden, wie du zu sein hast, außer dir selbst. Ich finde es sehr schade, wenn sich Menschen ver­stellen, um Kritik aus dem Weg zu gehen.“

Kritik formt ja auch den Charakter.
„Absolut. Ich bin ein großer Freund von offenem ­Umgang untereinander. Von den Leuten aus meinem nahen Umfeld erwarte ich auch, dass sie mir gegenüber ehrlich ihre Meinung äußern. Wenn mir aber fremde Personen irgendwelche Dinge an den Kopf werfen, kann ich damit nichts anfangen. Das passiert leider auch.“

Du hast dir mit deinen erst 25 Jahren bereits eine klare Haltung und ein dickes Fell zugelegt. Welche Rolle spielt es dabei, dass du beim 1. FC Köln bereits in deinem sechsten Club im Profibereich spielst?
„Für mich ist das im Fußball heutzutage nichts außergewöhnliches mehr. Es gibt natürlich Spieler, die fünf oder sogar zehn Jahre für einen Club spielen. Aber das wird immer mehr zur Ausnahme. Der Fußball hat sich in diese Richtung aus ganz unterschiedlichen Gründen entwickelt. Aber auch hier ziehe ich die positiven ­Dinge für mich raus und nehme von jeder Station ­etwas mit. Ich habe viele Städte und viele Menschen kennengelernt – das sind Erfahrungen, auf die ich ­ungern verzichtet hätte.“

Verspürst du nicht den Drang, auch irgendwo mal richtig anzukommen?
„Meine gefühlte Heimat ist München, wo ich auch ein Haus gebaut habe. Dort habe ich zu meiner Zeit bei 1860 einen großen Freundeskreis aufgebaut und dort werde ich nach meiner Fußballer-Laufbahn auch meinen Lebensmittelpunkt haben. Bis dahin lebe ich gerne in der Stadt, in der ich grade Fußball spiele. Ich habe hier in Köln eine schöne Wohnung gefunden, in der ich mich sehr wohl fühle. Manchmal bekomme ich auch Besuch von Freunden oder meinen Eltern, aber leider lässt es Corona nicht zu, dass ich Köln noch besser kennenlerne.“

Bist du durch deine bisherigen Stationen und häufigen Wechsel schneller erwachsen geworden?
„Ich denke schon. Aber ich habe ja auch keinen Vergleich, wie es mir ansonsten ergangen wäre. Mir haben die Vereinswechsel nie große Probleme bereitet, denn im Fußball wird überall die gleiche Sprache gesprochen und ich habe mich in jeder neuen Umgebung bisher gut und schnell zurechtgefunden. Ich kann sagen, dass ich keine Entscheidung bereue. Ich habe schon früh die Erfahrung gemacht, dass es enorm wichtig ist, aus Fehlern zu lernen. Im Fußball wird man immer früher und immer jünger ins kalte Wasser geworfen. Selbstverständlich macht man als junger Mensch auch Fehler. Da ist es eben besonders wichtig, dass man daraus die richtigen Schlüsse zieht und Fehler nicht wiederholt.“

Erwarten in diesem Zusammenhang vielleicht ­manche, dass du Überdinge leistest? Eben weil du schon so viel erlebt hast?
„Wenn viel von einem erwartet wird, ist das für mich eher ein gutes Zeichen. Denn hohe Erwartungen beziehen sich meist auf das, was man schon mal gezeigt hat. Wenn dann mal ein paar Spiele schlecht laufen, oder man, wie es bei mir der Fall war, an Gegentoren direkt beteiligt war, dann kann die Kritik schon mal heftiger ausfallen und es wird härter ins Gericht ­gegangen. Aber ich kann damit umgehen.“

Das komplette Interview mit Marius Wolf gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld26
171. FC Köln23
18FC Schalke 0413

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