Profis | 28.02.2020

Interview im GeißbockEcho

Mark Uth: „Es musste passieren“

Achteinhalb Jahre nach seiner ersten Berufung in das Bundesligaaufgebot kam Mark Uth 2020 zu seinen ersten Pflichtspielen als FC-Profi. In der Zwischenzeit sammelte er internationale Erfahrungen mit Höhen und Tiefen. Der von Schalke geliehene Stürmer ist auf Anhieb eine Verstärkung des FC-Teams – im kommenden Heimspiel muss die Mannschaft aber auf ihn verzichten.

Mark, zunächst die wichtigste Frage: Wie war ­Karneval?
„Es hätte nicht viel besser laufen können (lacht). Nach der Niederlage gegen Bayern München haben wir das Spiel richtig eingeordnet und analysiert, sodass wir zwei Tage danach ein paar schöne Stunden auf der FC-Sitzung verbringen konnten. In Berlin hat dann einfach alles gepasst. Wir haben uns die ideale Vorlage für einen überragenden Rosenmontag erarbeitet.“

Dabei musste in Berlin personell einiges umgestellt werden – nicht zuletzt aufgrund der muskulären Probleme von Kapitän Jonas Hector kurz vor Spielbeginn.
„Das zeigt, dass unser Kader sehr gut aufgestellt ist und jeder gebraucht wird. Als Spieler muss man immer ­bereit sein. Wir waren von Beginn an hellwach und sind schnell in Führung gegangen – das war wichtig. Die Vorgaben des Trainerteams haben wir über das ­gesamte Spiel gut umgesetzt. Man muss im Fußball immer konzentriert bei der Sache bleiben – es kann alles sehr schnell gehen.“

Wie schnell sich Dinge verändern, da kannst du ein Lied von singen.
„Ja, Geduld ist eine Tugend. Bei meinen bisherigen Stationen lief es nicht immer von Beginn an optimal.“

In der Jugend warst du beim FC und hast nach einer zweijährigen Unterbrechung dann über die U21 den Schritt zu den Profis geschafft. 2011/12 hast du viermal im Profikader auf der Bank gesessen. Wie nah dran warst du damals?
„Allein im Kader zu sein, war etwas Besonderes. ­Natürlich hätte ich mir gewünscht, zu spielen, aber dazu wäre es so schnell nicht gekommen. FC-Trainer Stale Solbakken hat damals Mikael Ishak den Vorzug gegeben und mir klar kommuniziert, dass ein Einsatz nicht wahrscheinlich ist. Ich hatte schon während der gesamten Zeit Probleme mit dem Schambein und hätte unter anderen Umständen die Saison auch zu Ende gespielt. Aber nach der Aussage von Solbakken habe ich mich entschieden, schon während der Rückrunde in Behandlung zu gehen, um die Probleme auszu­kurieren.“

Später wurde dann Frank Schaefer zum zweiten Mal Profitrainer, der bekanntlich einige Nachwuchsspieler ins kalte Wasser geworfen hat – in der Saison 2010/11 beispielsweise Simon Terodde. War das schlechtes Timing?
„Die Entwicklung war nicht vorhersehbar – wie so vieles im Fußball. Als Frank Schaefer übernahm, war ich ja schon komplett aus dem Trainingsbetrieb raus und habe meine Verletzung auskuriert. Wer weiß, was hätte passieren können. Aber es ist ja trotzdem noch was aus mir geworden (lacht).“

Beim TuS Langel im rechtsrheinischen Süden Kölns hast du mit drei Jahren das Fußballspielen begonnen. Wie betrachtest du rückblickend deine Karriere?
„Vor meinem ersten Wechsel zum FC hatte ich sogar ein paar Probetrainings in Leverkusen absolviert, weil mein älterer Bruder damals dort gespielt hat. Aber als der FC dann auf mich beziehungsweise auf meine ­Eltern zukam, musste ich nicht lange überlegen. Für den größten Verein der Stadt zu spielen, war ein Traum. Dass es für mehr reichen könnte, hat sich so richtig erst in der A-Jugend gezeigt. Ich habe viele Tore geschossen und meinen ersten Profivertrag bekommen.“

Über Stationen in den Niederlanden hast du in der Bundesliga Fuß gefasst und mit 27 Jahren dein erstes A-Länderspiel bestritten. Keine kontinuierliche Karriere, wie sie im Buche steht – eher eine mit Höhen und Tiefen, oder?
„Berg- und Talfahrt trifft es schon ganz gut. Das erste Jahr in Holland war sehr schwer. Auch die ersten ­Phasen in Hoffenheim und auf Schalke waren für mich nicht ganz einfach. Trotzdem habe ich mich ­immer durchgebissen und bin auf meine Einsätze ­gekommen. Die erste Saison in Heerenveen war die für mich persönlich prägendste Zeit. Ich war zum ­ersten Mal von zu Hause weg und auf mich alleine gestellt. Hinzu kam, dass ich anfangs noch nicht mal im Profikader stand. Ab November habe ich auch fast nur auf der Bank gesessen. Marco van Basten war damals mein Trainer in Heerenveen und hat mir gesagt, dass ich nur spielen werde, wenn der gesetzte Stürmer verletzt ist. Das motiviert einen jungen Spieler nicht wirklich (lacht). Montags habe ich dann oft in der 2. Mannschaft gespielt, um überhaupt Spielpraxis zu sammeln.“

Hattest du Gedanken, alles hinzuschmeißen?
„Nein. Ich habe nie den Kopf hängen lassen. Wie ich schon gesagt habe: Es können sich im Fußball die Vorzeichen sehr schnell ändern. Der Trainer, der damals die 2. Mannschaft von Heerenveen trainiert hat, ist dann zu Heracles Almelo gegangen. Er hieß Jan de Jonge und hat mich auf Leihbasis nach Almelo geholt. Im zweiten Jahr lief es deutlich besser. Das zeigt doch, dass man nie den Kopf hängen lassen, nie den Glauben an sich verlieren darf und immer weiter hart arbeiten muss. Man weiß nie, welche Gelegenheit sich irgendwann mal ergibt. Hätte ich in der 2. Mannschaft von Heerenveen nicht Gas gegeben, warum hätte mich der Trainer am letzten Tag des Transferfensters nach Almelo holen sollen?“

Markus Gisdol war die ersten Spieltage der Saison 2015/16 bis zu seiner Beurlaubung dein Trainer in Hoffenheim. Welche Rolle spielte er bei deiner Rückkehr zum FC?
„Ich wäre 2017 schon beinahe zum 1. FC Köln zurückgekehrt. Die Clubs waren sich im Grunde einig, aber Julian Nagelsmann hat damals sein Veto eingelegt, soweit ich weiß. Gewisse lose Kontakte bestanden zum FC schon immer. Dass Markus Gisdol dann hier Trainer geworden ist, der meine Eigenschaften als Spieler kennt, kann durchaus hilfreich gewesen sein. Trotzdem hatte ich ja hier keinen Freifahrtschein. Die Mannschaft hat vor Weihnachten drei Spiele in Folge gewonnen. Da hätte der Trainer auch bei seiner Aufstellung bleiben können. Aber grundsätzlich sind Vertrauen und das Gefühl, gebraucht zu werden, für jeden Fußballer essenziell. Das geht nicht nur mir so. Das ist das Wichtigste für jeden Spieler. Wenn man das Vertrauen der Mitspieler und des Trainers spürt, kann man seine beste Leistung abrufen.“

Das komplette Interview mit Mark Uth gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
131. FSV Mainz 0537
141. FC Köln36
15FC Augsburg36