Profis | 08.05.2020

FC-Trainer im Gespräch

Markus Gisdol: „Wieder ein Ziel vor Augen“

Am Mittwoch hat die Bundesliga die Freigabe für den Spielbetrieb erhalten. FC-Cheftrainer Markus Gisdol sprach am Freitag über das quarantäne-ähnliche Trainingslager des FC, die Rückkehr ins Mannschaftstraining und die Vorfreude auf Spiele.

FC-Cheftrainer Markus Gisdol sagte über… 

…das quarantäne-ähnliche Trainingslager: Das Gefühl ist schon eigenartig. Du kannst nicht mehr frei entscheiden, was du machst und wo du dich hinbewegst. Du darfst dich nur im Hotel und im Geißbockheim aufhalten. Und es ist kein normaler Hotelaufenthalt. Es ist ja auch ein Geisterhotel. Man sieht nur wenige Leute. Ob man sich daran gewöhnt, weiß ich noch nicht. Ich habe da keine Erfahrungswerte. Du bist in deiner Freiheit eingeschränkt – und das viel mehr als vorher. Es ist jetzt noch einmal eine andere Dimension, die wir vollziehen.

…Zeitvertreib im Hotel: Das ist individuell. Ich will die Jungs auf keinen Fall unter einen zu engen Zeitplan setzen. Jeder muss seinen Weg finden. Wir werden viel Zeit am Geißbockheim verbringen und die Trainingszeiten ausdehnen – was Vorbereitung und Nachbereitung angeht. Besprechungen finden nicht im Besprechungsraum, sondern im Ballsaal statt. Ich habe schon überlegt, ob ich ein Megafon verwenden soll. (lacht) Das ist schon eine andere Atmosphäre. Da müssen wir uns rantasten.

…Vorfreude auf die Fortsetzung der Saison: Das ist tatsächlich so: Die Vorfreude wurde die letzten zwei Tage ausgelöst, dadurch dass wir wieder spielen dürfen und auch wieder so trainieren können, wie wir es vom Fußball gewöhnt sind. Vorher war es eher eine gewisse Art von Bewegungstherapie und es ging darum, das Fitnesslevel zu halten. Jetzt ist es wieder Mannschafts- und Wettkampftraining. Wir haben wieder ein Ziel vor Augen. Aber wir sind immer noch in einer Phase, in der wir ein bisschen hin und hergerissen sind – zwischen den Einschränkungen und der Vorfreude auf das Spiel. Wir waren uns aber alle einig, dass wir alles dafür tun wollen, damit wir wieder spielen können. Dafür nehmen wir gerne einiges in Kauf. 

…das erste Mannschaftstraining: Man kann es tatsächlich mit Kindern vergleichen. Wenn die Kinder das erste Mal wieder auf den Spielplatz gehen, freuen sie sich genauso, wie meine Spieler. Wenn sie aber das erste Mal wieder auf die Schaukel gehen, sind sie vielleicht am Anfang noch etwas vorsichtig, aber das legt sich. Wir haben uns da rangetastet, das erste Mal wieder den anderen zu spüren, einen Kontakt zu haben und vielleicht auch mal gefoult zu werden. Die Vorfreude war riesig. Jetzt spürst du wieder, dass du trainiert hast. Bisher sind sie aus jedem Training raus und sie haben nichts gespürt. Jetzt hast du auch mal wieder den einen oder anderen Schmerz. Jetzt geht es wieder darum, körperbetonte Wettkämpfe zu gewinnen. 

…die Planung bis zum Spiel: Wir müssen immer schauen, wie wir den Tag gestalten, damit der Tag im Hotel nicht zu lang wird. Normalerweise hätten wir zum Beispiel am Freitag vormittags trainiert. Aber in diesem quarantäne-ähnlichen Zustand müssen wir den Tag so gestalten, dass es am besten für die Mannschaft ist. Deswegen trainieren wir erst nachmittags. Es folgt eine intensive Nachbereitung und wir kommen erst am frühen Abend zurück ins Hotel. Wir müssen uns körperlich in einem guten Bereich befinden, Wettkampffitness entwickeln, aber gleichzeitig dürfen wir auch nicht überziehen. Wir müssen auch schauen, was passiert mit dem Kopf und was ist mit der mentalen Stärke eines Spielers. Da ist es sehr wichtig, den Tag gut zu gestalten. 

…die Reaktionen der Spieler auf die Situation: Jeder Spieler ist da anders. Ich glaube, dass wir gut daran tun, genau zu beobachten.  Es wird Spieler geben, die werden mit der Situation nicht so gut zurechtkommen. Auf der anderen Seite wird es Spieler geben, die damit sehr gut zurechtkommen. Das alles müssen wir einfließen lassen in die Überlegungen, wer die richtigen Spieler für die ersten Spiele sind. Wer kommt stabil durch diese Tage? Wer ist sehr fokussiert? Wer hat Schwierigkeiten mit der Situation? Wir müssen es genau analysieren. 

…die Vorbereitung auf die kommenden Gegner: Trainer arbeiten nicht innerhalb von acht Wochen grundsätzlich anders. Die Zeit des Mannschaftstrainings ist beschränkt. Ich gehe davon aus, dass sich bei allen Mannschaften von der Art und Weise, wie sie grundsätzlich Fußball spielen wollen, nicht viel ändern wird. Als Referenz kann man gut die letzten Spiele betrachten. Wir nehmen diese Spiele unserer Gegner als Maßstab. Ansonsten wird es eine normale Spielvorbereitung geben. 

…Anweisungen während eines Spiels im leeren Stadion: Du musst gut dosieren und die Spieler jetzt nicht überfrachten. Wenn ich jede Szene kommentieren muss, läuft irgendwas falsch. Natürlich kannst du manchmal ein bisschen Anstacheln. Aber der gegnerische Trainer hört ja auch alles.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
10FC Schalke 0437
111. FC Köln34
12Eintracht Frankfurt32