• Club | 29.04.2018

    Double-Saison 1977/1978

    Mehr Fans als Kennedy

  • Club | 29.04.2018

    Double-Saison 1977/1978

    Mehr Fans als Kennedy

Der größte Erfolg der FC-Historie jährt sich am 29. April zum 40. Mal. Die historische Double-Saison 1977/78 begann mit einer Pleite in Düsseldorf und endete mit einem packenden Fernduell. Auch die Titelfeiern haben neue Maßstäbe gesetzt.

Das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des 1. FC Köln begann mit einer Enttäuschung: Obwohl amtierender DFB-Pokalsieger, verpatzte der FC den Start in die ­Bundesliga-Saison 1977/78. Bei Fortuna Düsseldorf verlor man trotz früher Führung durch Neuzugang Holger Willmer mit 1:5. Eine Woche später gab es dank eines 2:1-Heimsieges über den VfL Bochum den ersten doppelten Punktgewinn – allerdings begleitet von lautstarken Pfiffen der 18.000 Zuschauer, die mit dem Ergebnis, nicht aber mit der Leistung zufrieden waren. Für den von Hennes Weisweiler ­trainierten FC war es der Auftakt zu einer kleinen ­Erfolgsserie, darunter auch das legendäre 7:2-Spektakel gegen Werder Bremen, bei dem Dieter Müller mit sechs Toren einen bis heute bestehenden Bundesligarekord aufstellte. Auch die FC-Fans waren inzwischen aus ihrer Lethargie erwacht. 55.000 sahen das 6:0 gegen Eintracht Braunschweig. Schon eine Woche zuvor war der FC nach einem 3:0 bei den Bayern Tabellenführer geworden. Diese Euphorie sollte ­jedoch nach Niederlagen in Saarbrücken und Hamburg sowie ­gegen den FC Schalke 04 zunächst ein unerwartetes Ende finden.  

Krisensitzung beim Präsidenten
Die Mannschaft wirkte verunsichert, intern wurde ­sogar Trainer Weisweiler in Frage gestellt. Erst eine Krisensitzung bei FC-Präsident Peter Weiand brachte die endgültige Wende. Mit einem 4:1-Heimsieg über Borussia Dortmund wurde die Negativserie beendet. Was folgte, waren Begegnungen, die den älteren FC-Fans bis heute präsent sind. Beispielsweise das 5:2 auf dem Mönchengladbacher Bökelberg mit dem überragenden zweifachen Torschützen Dieter Prestin oder das 4:1 auf dem damals noch gefürchteten Kaisers­lauterer Betzenberg. Auch die zwischenzeitliche 0:3-Niederlage beim VfB Stuttgart brachte das Team nicht mehr aus der Erfolgsspur. Zum Rückrunden­auftakt revanchierte sich der FC mit einem 1:0-Arbeits­sieg bei der Düsseldorfer Fortuna. Als Herbstmeister ging der FC in die Winterpause, die wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Argentinien auf drei Wochen verkürzt war. Ganz nebenbei stand das Team auch im DFB-Pokal schon im Viertelfinale. In der ­Bundesliga festigte der FC seine Spitzenposition, unter anderem mit einem 2:0 gegen die Bayern, auf ­eigenem Platz vor 53.000 begeisterten Zuschauern.  

Zweikampf der alten Rivalen um die Tabellenspitze
An der Tabellenspitze hatte sich inzwischen ein ­spannender Zweikampf mit Borussia Mönchengladbach entwickelt. Fünf Punkte hatte der Vorsprung auf den Verfolger zwischenzeitlich betragen, sodass die Weisweiler-Elf auch die überraschende 0:1-Niederlage auf geschlossener Schneedecke bei Eintracht Braunschweig am 22. Spieltag halbwegs verkraften konnte. Nach einem lockeren 3:1-Heimsieg über den 1. FC Saar­brücken gab es jedoch eine 0:2-Pleite bei Schalke 04, was den Vorsprung auf Mönchengladbach bis auf zwei Punkte zusammenschmelzen ließ. Doch aller Skepsis zum Trotz war der FC zum Endspurt bereit. Dem Rückschlag auf Schalke folgte zwei Tage vor dem 30. FC-Geburtstag ein regelrecht berauschendes 6:1 gegen den Hamburger SV. In den letzten zehn Saison­spielen ging die Mannschaft um Kapitän Heinz Flohe nur noch einmal als Verlierer vom Platz. Das mit ­Spannung erwartete Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach am 25. Februar 1978 elektrisierte die Massen. 60.000 Zuschauer, die mehr als 900.000 Mark in die Kasse spülten, drängten sich im überfüllten Müngersdorfer Stadion und sahen zunächst eine ­dominante Borussia, die durch Allan Simonsen in Führung ging. Doch in der zweiten Hälfte übernahm der FC das Zepter und kam kurz vor dem Abpfiff zum verdienten Ausgleich durch Heinz Flohe. Dessen ­anschließender Jubel mit herausgestreckter Zunge ist bis heute Kult bei den FC-Fans. Das Unentschieden half den Kölnern mehr als den Gladbachern, konnten sie doch den hartnäckigen Verfolger mit vier Punkten Vorsprung auf Distanz halten.  

Showdown am letzten Spieltag
Bis zum Schluss hielt das Punktepolster jedoch nicht. Punktgleich, aber noch mit einem um zehn Tore ­besseren Torverhältnis ging der FC in den Showdown am letzten Spieltag. Ein echtes Fernduell, bei dem die Kölner in Hamburg auf den bereits feststehenden ­Absteiger FC St. Pauli trafen und Mönchengladbach im Düsseldorfer Rheinstadion gegen Borussia Dortmund spielte. Einen zusätzlichen Vorteil rechnete sich der FC aufgrund der Tatsache aus, dass er dank des Engagements von FC-Manager Karl-Heinz Thielen eine Partie im engen Millerntor-Stadion verhindert hatte. Um dem FC St. Pauli den Umzug ins ungeliebte Volksparkstadion finanziell attraktiv zu machen, ­orderte der FC selbst gut 20.000 Tickets in Hamburg. Dass zu einem Spiel mit derart großer sportlicher ­Bedeutung am Ende nur 25.000 Zuschauer kamen, ist heute kaum vorstellbar.

Der FC hatte mit dem FC St. Pauli zunächst einige ­Probleme, kam schwer ins Spiel. Erst nach 27 Minuten erzielte Heinz Flohe die erlösende Führung. Was die meisten Kölner Spieler zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten: In Düsseldorf führte Gladbach zu diesem ­Zeitpunkt bereits mit 4:0. Bis zur Halbzeit blieb es in Hamburg bei der knappen Führung der Gäste, während die Gladbacher mittlerweile auf 6:0 erhöht hatten. So fehlten ihnen lediglich noch fünf Treffer. Im Radio hörten die Kölner Verantwortlichen von den unglaublichen Ereignissen im 400 Kilometer entfernten ­Düsseldorf. Hennes Weisweiler motivierte die Mannschaft an der Seitenlinie lautstark, weitere Treffer zu erzielen – wohl ahnend, was sich in Düsseldorf noch ereignen würde. Tatsächlich sorgte die FC-Dominanz in der zweiten Hälfte endlich für die so dringend ­notwenigen Tore. Zweimal Yasuhiko Okudera, erneut Heinz Flohe und Bernd Cullmann erzielten die Treffer zum hoch verdienten 5:0-Endstand, unvergessen ­Okuderas Torpedokopfball zum 5:0, der zum „Tor des Monats“ gewählt wurde. Direkt nach Spielende wurde klar, wie wichtig dieser hohe Auswärtssieg für den FC war, hatte Mönchengladbach doch mit dem unglaublichen Ergebnis von 12:0 gegen Borussia Dortmund gewonnen. Später ermittelte der DFB in der Angelegenheit, jedoch ohne Ergebnis und so kam es nur zu einem „Verweis wegen unsportlichen Verhaltens.“ 

So oder so half der zweistellige Sieg den Gladbachern nicht. Das 5:0 reichte dem FC mit der um drei Treffer besseren Tordifferenz zum lang ersehnten Titel. 14 lange Jahre hatten die Fans warten müssen, ehe die Schale wieder nach Köln zurückkam. Als drittem deutschen Club überhaupt gelang den Kölnern das Double, denn bereits zwei Wochen zuvor war der FC nach einem 2:0-Erfolg über Fortuna Düsseldorf erneut DFB-Pokalsieger geworden. Der Jubel bei der Mannschaft, die sich nach dem Pokalsieg noch zurückhalten musste, und den mitgereisten Anhängern, die begeistert auf den Platz stürmten, kannte keine Grenzen. Mannschaft und Betreuer feierten ausgelassen in der „Störtebeker Bar“ des Hamburger „Crest Hotel“, bevor am nächsten Tag nach der Rückkehr in die Heimat die Party richtig losging. 

Meisterlicher Empfang in Köln
Köln feierte Karneval im Mai. Schon Stunden vor der Ankunft der Mannschaft drängten sich zehntausende Fans auf dem Rathausvorplatz. Nur mit Mühe gelangte der Deutsche Meister durch die rot-weiße Masse ins Innere des Gebäudes, wo das Team von Oberbürgermeister John van Nes Ziegler und DFB-Schatzmeister Egidius Braun empfangen wurde. Nach der Übergabe von Meisterschale, Ehrenwimpel und Nadeln wurden Meisterschale und Pokal der jubelnden Menge präsentiert. Auch der anschließende Autokorso durch Köln geriet zum Triumphzug, bei dem hunderttausende jubelnde Kölner die Straßen säumten, vom Rathaus über den Neumarkt bis hin zum Geißbockheim. Ähn­liche Begeisterung herrschte am und im Clubhaus, wo für die Fans Festzelte und Bierbuden errichtet worden waren. Selbst der in Sachen Meisterfeiern erfahrene Hennes Weisweiler staunte ob der kölschen Begeisterung: „So etwas wie hier habe ich in Mönchengladbach nie erlebt.“ Und ein altgedienter Ratsherr sagte fassungs­los: „Eine derartige Menschenmenge war nicht einmal beim Besuch von John F. Kennedy 1963 da.“

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 20
2 SpVgg Greuther Fürth 19
3 1. FC Union Berlin 18

FC-FANSHOP