Frauen | 02.04.2021

FC-Spielerin im Interview

Meike Meßmer: „Wie ein Traum“

Durch ihren fulminanten Treffer in der 87. Minute hat Meiße Meßmer den FC-Frauen am vergangenen Sonntag den 1:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt II beschert. Dabei zählt sie eigentlich zum Kader der 2. Frauenmannschaft und wurde nur aufgrund der vielen Verletzten hochgezogen. Im Interview spricht die 25-Jährige über ihre Gefühle nach dem Tor – und erzählt, wieso ihr ein Parkplatzerlebnis die Rückkehr zu den FC-Frauen erleichtert hat.

Meike, Gratulation zu deinem Siegtreffer! Was ging in dir vor, als der Ball im Netz zappelte?
Erst einmal vielen Dank für die Glückwünsche. Ich war extrem erleichtert. Wenn ich einen Ball direkt nehme, ist es bei mir so, dass das Ding entweder voll drüber geht oder der Schuss genau passt. Gegen Frankfurt hat er glücklicherweise gepasst. So wie wahrscheinlich einmal in tausend Fällen (lacht). Dass ich nach meiner Einwechslung und kurz vor Schluss den 1:0-Siegtreffer erzielt habe, tat sehr gut und war ein unglaublich schönes Gefühl. Ich kam nach dem Spiel richtig glücklich nach Hause und habe erstmal die Musik laut aufgedreht. Mir haben sehr viele Menschen geschrieben und gratuliert. Das hat mich sehr gefreut. 

Was ging dir in den Sekunden vor deinem Schuss durch den Kopf, als du gesehen hast, dass der Ball im Sechzehner auf dich zukommt?
Der Spielzug hat ungefähr auf Höhe der Mittellinie mit einem Einwurf begonnen. Es war ein richtig starker Spielzug. Das wurde mir erst im Nachhinein richtig bewusst, als ich mir den Treffer nochmal angeschaut habe. Ich bin eine Stürmerin, die im Strafraum gerne auf lange und hohe Bälle spekuliert. Deshalb hatte ich eigentlich gehofft, dass Sharon (Anm. d. Red.: Sharon Beck, FC-Spielerin) eine hohe Flanke in den Sechzehner schlägt. Der Ball kam dann aber flach. Ich hatte gar nicht viel Zeit, um mir großartig Gedanken darüber zu machen, wie ich den Ball verwerte. Zum Glück nicht. Bei mir ist es nämlich so, dass ich manchmal zu viel darüber nachdenke, wohin ich schießen soll – ob mit der Innenseite oder mit dem Vollspann. Als der Ball im Netz lag, war es wie ein Traum.

Ist dieser Treffer auch so etwas Besonderes für dich, weil du in dieser Saison eigentlich zum Kader der zweiten Mannschaft zählst und erst vor einigen Wochen hochgezogen wurdest?
Auf jeden Fall. Es war sehr hart für mich, im vergangenen Sommer gesagt zu bekommen, nicht mehr Teil der ersten Mannschaft zu sein. Das ist jetzt meine sechste Saison für den FC, in den vergangenen vier Spielzeiten habe ich für die Erste gespielt. In dieser Zeit haben sich gute Freundschaften gebildet. Da war es schwierig für mich, diese Nachricht zu verdauen. Umso schöner ist es, wieder dabei zu sein. Auch wenn der Grund dafür kein schöner ist. Ich helfe ja aus, weil viele Spielerinnen verletzungsbedingt fehlen. Das tut mir für die Mädels extrem leid. Ich wünsche ihnen, dass sie schnell auf den Platz zurückkehren.

Du hast gerade erwähnt, dass du mit einigen Spielerinnen aus der ersten Mannschaft befreundet bist. Wie wurdest du nach deiner Rückkehr allgemein vom Team aufgenommen?
Da ich viele aus der ersten Mannschaft seit vielen Jahren kenne und wir auch abseits des Platzes schon einiges unternommen haben, verstehen wir uns nach wie vor sehr gut. Trotzdem war es vor dem ersten Training ein komisches Gefühl. Auf der einen Seite habe ich mich riesig gefreut, wieder auf den Platz zu dürfen, auf der anderen Seite habe ich mich gefragt, ob die Stimmung in der Mannschaft noch so ist wie früher. Diese Sorge ist aber schnell verflogen. Als ich vor dem ersten Training auf den Parkplatz gefahren bin, haben Karo Kohr, Sabi Horvat und Cesca Calo mein Auto direkt erkannt und sich mit mir gefreut, dass ich wieder da bin. Da war das Eis schon gebrochen. 

Und du fühlst dich nach wie vor wohl im Team? 
Total. Mit Karo Kohr bin ich schon sehr lange gut befreundet. Wir machen auch neben dem Platz viel zusammen. Auch der Kontakt zu Peggy Kuznik ist nie abgebrochen. Ich habe einfach Spaß am Fußballspielen und freue mich über jedes Training, das ich mitmachen darf. Ich genieße die Zeit . Auch wenn ich nur eingewechselt werde, bin ich jedes Mal aufs Neue glücklich darüber, das Vertrauen zu bekommen.

Gegen Würzburg und Frankfurt habt ihr zuletzt jeweils knapp 1:0 gewonnen. Fünf Siege aus fünf Spielen stehen zu Buche. Tabellenführer Andernach ist punktgleich, hat zwar ein Spiel mehr absolviert, dafür aber das deutlich bessere Torverhältnis. Wie bewertest du die Situation mit Blick auf das große Ziel – den Aufstieg?
Die Erwartung der Mannschaft an sich selbst ist sehr hoch. Aber das muss auch so sein, weil wir eine gute Mannschaft haben. Die knappen Siege zeigen, dass es in der Liga gegen kein Team leicht ist. Gegen uns haut jeder alles rein. Unsere Gegner wollen schließlich auch zeigen, dass sie etwas können. Wir müssen immer voll dagegenhalten – und das machen wir auch. Zuletzt waren die Platzverhältnisse nicht immer gut. Das darf niemals eine Ausrede sein, weil auch die Gegner mit diesen Umständen leben müssen. Aber wir versuchen natürlich, viele Situationen fußballerisch zu lösen. Auf einem unebenen Rasen ist es dann logischerweise schwieriger, saubere Pässe zu spielen. Gegen Frankfurt haben wir in der ersten Hälfte zu viel mit langen Bällen agiert. Man muss aber auch anerkennen, dass es die Frankfurterinnen gut gemacht haben. Im zweiten Durchgang waren wir besser in der Partie und haben letztlich auch verdient gewonnen.

Am Sonntag seid ihr zu Gast in Niederkirchen beim Tabellenletzten. Was erwartest du für ein Spiel? 
Niederkirchen wird körperlich alles reinhauen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es über den Kampfgeist gehen wird. Ob der Gegner den Bus vor dem Tor parken wird, weiß ich nicht. Aber sie werden gegen uns wahrscheinlich kein Angriffspressing spielen, sondern eher abwarten und uns den Ball überlassen. Für uns wird es darum gehen, gegen einen tief stehenden Gegner Lösungen zu finden. Einige aus unserer Mannschaft – auch ich – haben noch schöne Erinnerungen an Niederkirchen, weil wir dort 2017 den Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht haben.

Die FC-Frauen sind in der 2. Frauen Bundesliga-Süd am Sonntag um 14 Uhr zu Gast beim 1. FFC Niederkirchen. FC-Fans können das Auswärtsspiel hier im Livestream verfolgen.

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld26
171. FC Köln23
18FC Schalke 0413

FC-FANSHOP