Club | 04.09.2018

Platzverweis von Toni Polster

Missglückter Videobeweis

Nicht erst seit der vergangenen Saison hat der 1. FC Köln ein besonderes Verhältnis zu Entscheidungen, die per nachträglichem Video neu bewertet werden. Bereits vor 25 Jahren sorgte eine solche Aufzeichnung für eine unvergessene Anekdote.

„Dä ein säät su, dä andre su“, heißt ein Lied der legendären Bläck Fööss. Um die im Lied thematisierte Ungewissheit bei Meinungsverschiedenheiten aus der Welt zu räumen, werden neuerdings im Fußball technische Hilfsmittel herangezogen. „Der eine sagt so, der andere so“ soll in den meisten Fällen vermieden beziehungsweise aufgeklärt werden. Dass technische Hilfsmittel jedoch kein Garant für lückenlose Aufklärung sind, musste der FC bereits vor 25 Jahren erfahren.

Acht Spiele Sperre
Am Samstag, 4. September 1993, gastierte der FC am sechsten Spieltag der Bundesliga bei Bayer Leverkusen. Nicht nur die 1:2-Niederlage sorgte für schlechte Laune, auch der Platzverweis des FC-Neuzugangs Toni Polster wenige Minuten vor Abpfiff der Partie ärgerte den FC. Polster wurde wegen Nachtretens bei einem Zweikampf mit dem Leverkusener Paulo Sergio von Schiedsrichter Hans-Peter Best vom Platz gestellt. Danach rief der DFB eine Sperre für acht Spiele auf.

Diese Strafe war aus Sicht des 1. FC Köln zu hoch. Als Beweis sollte eine Videoaufnahme dienen, die bei der Verhandlung vor dem Sportgericht in Frankfurt gezeigt wurde. Der FC-Tross um Geschäftsführer Wolfgang Schänzler hatte vor der Abfahrt jedoch nicht mehr die Gelegenheit, das Videoband zu prüfen, das ihnen in den Wagen gereicht worden war – ein folgenschwerer Fehler.

Fünf statt acht
So war beim Abspielen der Aufnahme statt des Zweikampfs unter anderem ein Konzert der Bläck Fööss zu sehen. Über die Reaktion der Sportgerichtbarkeit liegen keine Zeugenaussagen vor. Dennoch scheint der Auftritt der FC-Verantwortlichen einen gewissen Eindruck hinterlassen zu haben. Die Sperre Polsters wurde von acht auf fünf Spiele reduziert. In diesen fünf Partien holte die Mannschaft ohne den österreichischen Stürmer nur einen Sieg.

Die Saison 1993/94 beendete der FC auf Platz elf. Im Laufe der Rückrunde war kurzzeitig sogar ein Europapokalplatz in Reichweite. In seiner ersten Saison beim FC erzielte Polster in 25 Bundesligaspielen 17 Tore. Ob die Saison mit der richtigen Kassette beim DFB-Sportgericht besser verlaufen wäre? Dä ein säät su, der andre su...

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