Nachwuchs | 13.10.2018

Matthias Heidrich und Carstel Schiel

Neue NLZ-Leitung im Interview

Seit Mitte September arbeitet der ehemalige Bundesligaspieler Matthias Heidrich für den 1. FC Köln. Gemeinsam mit Carsten Schiel leitet er das Nachwuchsleistungszentrum. Im Doppelinterview geben beide einen Einblick in ihre Arbeit.

Matthias Heidrich, früher haben Sie als Spieler gegen den FC im RheinEnergieSTADION gespielt. Was ist es für ein Gefühl, jetzt für den FC zu arbeiten?
Heidrich: Es ist mir eine Ehre und ich freue mich sehr auf die kommende Zeit. Der FC ist einfach ein ganz besonderer Club. Als ich früher als Gast im RheinEnergie­STADION aufgelaufen bin, war das Gänsehautatmosphäre pur, sehr emotional und immer mit großer Vorfreude verbunden. Der FC hat eine außergewöhn­liche und besondere Strahlkraft.

Carsten Schiel, Sie sind Leiter Entwicklung des NLZs, Matthias Heidrich ist verantwortlich für den sportlichen Bereich. Ist es für Sie eine Bestätigung, dass sich der Club weiter zur Doppelspitze bekennt?
Schiel:
Ja, es ist ein Vertrauensbeweis, über den ich mich sehr freue. Es ist aber auch eine absolut zeitgemäße Entscheidung. Nur ein fußballerisches Ausnahmetalent zu sein, ist häufig nicht mehr ausreichend, sondern es spielen auch andere Faktoren eine Rolle, ob es ein Nachwuchsspieler in den Profibereich schafft. Die Anforderungen an die Nachwuchsspieler sind vielfältig, und wir haben die Aufgabe, sie neben der fußballerischen Ausbildung auch pädagogisch und psychologisch bestmöglich zu begleiten. Dazu gehört es heutzutage auch, vielfältige Kompetenzen zu vermitteln, um Leistung abrufen zu können und die Anforderungen des Sport- und Schulalltags zu meistern. Wir haben schon seit Jahren in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule jeder Nachwuchsmannschaft einen qualifizierten sportpsychologischen ­Experten zugeordnet, der Ansprechpartner für unsere Spieler ist. Außerdem schulen wir sie in Themen der Gesunderhaltung, damit sie wissen, was für ihren Körper förderlich ist und warum. Es gibt genügend Beispiele von Nachwuchsspielern, die ein atemberaubendes Talent hatten, bei denen allerdings andere Hürden eine große Karriere verhindert haben.

"Wir haben in unseren Nachwuchsmannschaften eine hohe Qualität, das kann ich bereits jetzt sagen." Matthias Heidrich Daniel Meyer hat als NLZ-Leiter Sport den FC verlassen und wurde Trainer beim FC Erzgebirge Aue. Wie haben Sie die Übergangsphase bis zum Arbeitsbeginn von Matthias Heidrich gemeistert?
Schiel: Daniel Meyer wollte die Gelegenheit nutzen, Cheftrainer bei einem Zweitligisten zu werden. Das hat uns etwas überraschend vor Herausforderungen gestellt. Wir haben aber kein Vakuum aufkommen ­lassen, sondern haben seine Aufgaben gemeinsam geschultert. Jan Schäfer hat den Job als NLZ-Leiter Sport interimsweise übernommen, Armin Veh und Frank Aehlig haben uns jederzeit unterstützt und ­unsere Trainer haben eine hervorragende Arbeit geleistet, indem sie einen großen Mehraufwand betrieben haben. Da muss man allen Beteiligten ein großes ­Dankeschön aussprechen, dass diese Übergangszeit so hervorragend funktioniert hat. Jan Schäfer hat bei uns mittlerweile den Posten des sportlichen Leiters des Grundlagen- und Aufbaubereichs übernommen und unterstützt Matthias Heidrich auch in Themen, die das gesamte NLZ betreffen. 

Matthias Heidrich, Sie waren zuvor Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim FC Energie Cottbus. Sind Ihnen schon Unterschiede zwischen der Nachwuchsarbeit bei Energie und beim FC aufgefallen?
Heidrich: In Köln ist alles eine Nummer größer. Dass alle Nachwuchsmannschaften und die Profis gemeinsam am Geißbockheim trainieren, ist ein großer Vorteil. Die Talente haben also ihr Ziel bereits täglich im Blick, für das sie kämpfen – später mal selbst zum Bundesligakader zu gehören. In Cottbus gibt es diese optimale räumliche Verbindung zwischen erster Mannschaft und den Nachwuchsteams nicht. Dennoch wird für die vorhandenen Möglichkeiten in ­Cottbus sehr gute Arbeit abgeliefert. Die über lange Jahre gewachsene Verbindung zwischen Schule und Verein stellt dort ein Umfeld für den Spieler dar, um sich sowohl schulisch als auch sportlich zu entwickeln. Mich hat allerdings nach meiner Zeit bei Energie eine neue und größere Herausforderung gereizt. Ich wurde hier in Köln sehr herzlich aufgenommen und ich treffe hier auf gewachsene Strukturen. Diese Strukturen, die handelnden Personen und Abläufe kennenzulernen, wird der Hauptbestandteil der nächsten Wochen sein. In Cottbus kannte ich nach ­einiger Zeit alle Jugendspieler von der jüngsten bis zur ältesten Mannschaft mit Namen. Das wird bei zwölf Nachwuchsteams hier etwas dauern, aber das ist mir sehr wichtig.

Wie sieht Ihre gemeinsame Zusammenarbeit in Zukunft aus?
Schiel: Jeder von uns hat seinen eigenen Bereich, aber es gibt ganz viele Schnittpunkte und wir haben darüber hinaus ein gemeinsames Ziel: die bestmög­liche Förderung unserer Nachwuchsspieler. Ich bin mir aber jetzt schon sicher, Matthias passt hervorragend zum 1. FC Köln und zu unserem Konzept. Er arbeitet strukturiert, hat klare Meinungen, ist ein Teamplayer und besitzt die Fähigkeit, Mitarbeiter einzubauen und mitzureißen. Matthias bringt frischen Wind und neue Ideen ein, von denen wir profitieren werden.“ 

Noah Katterbach ist in diesem Jahr mit der Fritz-­Walter Medaille in Gold als bester Nachwuchsspieler des Jahrgangs U17 gekürt worden – eine Bestätigung für den gesamten Club?
Schiel:
„Absolut. Er bringt ohnehin ein großes Talent mit, zeigt darüber hinaus aber auch, dass man sich in unserem Nachwuchsleistungszentrum hervorragend entwickeln kann. Er wird damit umgehen müssen, dass er durch die Auszeichnung des DFB öffentlich jetzt mehr im Fokus steht, aber das kann er. Er ist ein bodenständiger Junge mit fürsorglichen Eltern. Noah ist auf einem guten Weg, weiß aber genauso auch, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt.

Sind Ihnen bei den Trainingseinheiten im Leistungs­bereich weitere herausragende Talente aufgefallen?
Heidrich:
Ja, wir haben in unseren Nachwuchsmannschaften eine hohe Qualität, das kann ich bereits jetzt sagen. Das sieht man auch an der hohen Anzahl unserer Juniorennationalspieler. Der Sprung in den Profibereich ist allerdings groß und verlangt einen langfristigen und kontinuierlichen Entwicklungs­prozess. Deshalb ist es uns so wichtig, dass der Großteil der Spieler, der nicht im Lizenzbereich landet, trotzdem von der sportlichen Ausbildung profitiert, einen guten Schulabschluss und eine Ausbildung oder ein Studium absolviert.

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PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 27
2 1. FC Köln 24
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