Frauen | 11.03.2021

Porträt über FC-Torhüterin Manon Klett

Nur Fliegen ist schöner

Manon Klett hütet das Tor bei den FC-Frauen in der 2. Bundesliga Süd. Der Spaß an der Torwartposition musste allerdings erst über die Jahre wachsen.

Mit einem weiten Hechtsprung segelt Manon Klett durch den Strafraum. Den Ball, der im Winkel einzuschlagen droht, erwischt sie noch mit den Fingerspitzen und dreht ihn um den Pfosten. „Manon ist ein starker Rückhalt für uns“, lobt Trainer Sascha Glass. „Sie hält auch mal die sogenannten Unhaltbaren. Deswegen haben wir sie im vergangenen Sommer zu uns geholt.“ In dieser Saison konnten die FC-Frauen aufgrund der Corona-Pandemie erst drei Ligaspiel absolvieren, am 21. März wird die Saison der 2. Bundesliga Süd unter strengen Hygieneauflagen fortgesetzt. „Wir freuen uns sehr, dass wir endlich wieder loslegen dürfen. Es war nicht immer einfach ohne festes Ziel trainieren zu müssen, weil keiner absehen konnte, wann wir wieder Ligaspiele bestreiten können. Jetzt sind alle fokussiert auf den Restart in Würzburg“, sagt Klett. Das Ziel Aufstieg in die Bundesliga ist klar formuliert, bislang gewannen die FC-Frauen alle drei Ligaspiele. „Ich möchte meiner Mannschaft im Tor durch gute Leistungen helfen, damit wir unsere Ziele erreichen“, sagt die 24-Jährige. Obwohl diese Position ihr nicht immer Freude bereitet hat.

Als die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea stattfand, war Manon Klett fünf Jahre alt. „Ich durfte mir ein paar Spiele im Fernsehen mitanschauen und wollte dann selbst einmal ausprobieren zu kicken“, erzählt Klett. Ihr erster Verein wurde der SSV Kästorf/Warmenau. Es war eine gemischte Mannschaft von Jungs und Mädchen. „Der Trainer meinte, der Größte muss ins Tor und das war zu der Zeit leider ich. Das hat mir anfangs gar nicht gefallen. Ich war nicht gut, habe einige Gegentore kassiert und dann wurde manchmal auch darüber gemeckert, dass ich die Bälle nicht gehalten habe“, erinnert sie sich. Doch Klett biss sich durch und wurde in den folgenden Monaten und Jahren immer besser. „Es gab keinen bestimmten Zeitpunkt, aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich große Fortschritte gemacht und Talent für die Torhüterposition hatte. Es hat ein wenig gedauert, aber danach hatte ich Freude am Torwartspiel.“


Klett wechselte im Alter von zehn Jahren zum VfL Wolfsburg. Sie durchlief die Nachwuchsteams, spielte mit der U17 von Wolfsburg in der Bundesliga der Juniorinnen und stand in der Rückrunde ihres letzten B-Junioren-Jahres bereits zwischen den Pfosten des VfL Wolfsburg II. Mit der zweiten Mannschaft stieg sie in die 2. Bundesliga auf. Zwölf Jahre spielte sie beim VfL und suchte danach eine neue Herausforderung. „Ich habe eine Ausbildung als Industriekauffrau gemacht, wollte studieren und in eine andere Stadt ziehen. Ich wollte einfach etwas Neues sehen“, erzählt Klett.

Vertrauen als Basis

Es entstand der Kontakt zum FSV Gütersloh und sie wechselte zum Zweitligisten. Dort überzeugte sie und Bundesligist SC Sand wurde auf Klett aufmerksam. Ein neues Abenteuer begann, 600 Kilometer von ihrer Heimat Wolfsburg entfernt. Klett sammelte Bundesligaerfahrung, eine Daumenverletzung verhinderte allerdings, dass sie mehr als 13 Ligaspiele für Sand bestritt. FC-Trainer Sascha Glass kannte Klett bereits aus Wolfsburger Zeiten und hatte auch in Sand mit ihr zusammengearbeitet. Glass sagt: „Ich wusste, dass sie eine große Verstärkung für uns sein wird. Deswegen haben wir sie gefragt, ob sie sich vorstellen kann für den FC zu spielen und zum Glück konnten wir Manon von uns überzeugen.“ Klett, die ihre Stärken besonders auf der Linie und im Eins-gegen-Eins hat, sagte zu. Wohlwissend, dass der FC möglicherweise erst einmal durch die zweite Liga muss, bevor sie erneut die Chance hat, wieder in der höchsten Spielklasse zwischen den Pfosten zu stehen. „Ich spüre hier das Vertrauen in mich. Das ist für mich eine sehr gute Basis, um mich weiterzuentwickeln“, sagt Klett. „Dafür nehme ich auch die zweite Liga in Kauf.“

Mit den Besten messen

Dreimal in der Woche hat sie ein spezifisches Torwarttraining, mittwochs stehen Krafteinheiten auf dem Programm, hinzu kommen noch die Trainingseinheiten mit der kompletten Mannschaft. Mit der talentierten Junioren-Nationaltorhüterin Pauline Nelles bildet Klett ein gutes Torwartgespann. Die spezifischen Torhütereinheiten leitet Dennis Fabian. „Dennis gestaltet das Torwarttraining sehr abwechslungsreich und fordert uns in den Einheiten richtig. Das gefällt mir.“ Ihre neue Heimat konnte sie außerhalb des Platzes allerdings aufgrund der Corona-Beschränkungen bisher noch nicht richtig kennenlernen. „Ich habe mich sehr darauf gefreut, mal in einer Großstadt zu wohnen, in der man viel unternehmen kann. Stattdessen war ich in den vergangenen Monaten viel spazieren mit meinem Hund. Aber so sind die Zeiten aktuell und die gehen ja auch vorbei“, sagt Klett.

Langweilig wurde ihr auch in der Phase nicht. Vor über zwei Jahren begann sie mit einem Studium an der Fern-Universität Hagen. Sie macht ihren Bachelor in Wirtschaftswissenschaften und bereitet ihr zweites Standbein neben dem Fußball vor – auch wenn ihre Fußballkarriere zunächst noch hoch hinausgehen soll. „Ich möchte mit dem FC zurück in die Bundesliga und mich auf höchstem Niveau messen“, sagt Klett. Denn die Bälle aus dem Winkel zu fischen, macht ihr mittlerweile riesig Spaß. 

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PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld26
171. FC Köln23
18FC Schalke 0413

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