Profis | 01.10.2019

Interview

Ostrowski: „Im Radio lasse ich alles raus“

Guido Ostrowski ist der FC-Reporter von Radio Köln und begleitet den 1. FC Köln seit mehr als einem Jahrzehnt zu allen Heim- und Auswärtsspielen. Er hat schon viel erlebt und lässt die FC-Fans mit seinen emotionalen Reportagen über die vollen 90 Minuten daran teilhaben.

Guido, du begleitest den FC seit rund zwölf Jahren als FC-Reporter zu jedem Spiel. Bist du schon immer FC-Fan?

Ja, zumindestens so lange ich denken kann und mich mit Fußball beschäftige. Mit sieben Jahren war ich zum ersten Mal im Stadion, damals noch im Müngersdorfer Stadion, mit meinem Vater und meinem Bruder. Seitdem kam ich nicht mehr vom FC weg.

Bist du gebürtiger Kölner?

Gebürtig bin ich Berliner, da habe ich allerdings nur meine ersten anderthalb Jahre verbracht, danach sind wir wieder ins Rheinland gezogen. Mein Vater ist hier in Köln aufgewachsen, meine Mutter kommt aus Niedersachsen.

Wie bist du beim Radio gelandet?

Ich habe Abitur gemacht und dann bis 2004 an der Deutschen Sporthochschule Medien und Kommunikation studiert, damals noch auf Diplom. Zu der Zeit habe ich viele Praktika gemacht und viel gejobbt, unter anderem für die Sendung „Geld oder Liebe“ mit Jürgen von der Lippe. Nach meinem Studium habe ich dann direkt ein Volontariat absolviert als Hörfunkredakteur und danach für verschiedene Radiosender moderiert. Im Januar 2007 habe ich dann als FC-Reporter angefangen. Zu der Zeit war Christoph Daum Cheftrainer beim FC. Es war gleich ein guter Einstand, denn da ging es direkt in die Vollen, da war schon viel los beim FC und man hatte wenige ruhige Tage.

War es immer dein Traum, FC-Reporter zu werden?

Mit Sport wollte ich auf jeden Fall was machen. Ich hatte unfassbar Glück, Fußballreporter zu werden und dann noch für meinen Verein. Diesen Job gibt es nur einmal auf der Welt und ich habe es noch nie bereut, mich für ihn entschieden zu haben.

Wann war das erste Mal, dass du ein Fußballspiel live kommentiert hast?

Mein erstes Live-Spiel war Ende Januar 2007 auswärts in Burghausen. Es war völlig verrückt. Es waren acht Autostunden Anreise bei tiefstem Winter, es hat geschneit und ich bin mit einem kleinen Renault Twingo dahin gebrettert. Zudem hatten wir damals nur drei Minuten live, mehr durften wir nicht machen. Es war ein ganz furchtbares Spiel, Endstand 3:1 und es war bitterkalt.

Wie bereitest du dich auf die Spiele vor?

Das Wichtigste ist, viel am Geißbockheim zu sein und selbst mit den Menschen zu sprechen, über die ich während des Spiels rede. Ich schaue mir viele Trainingseinheiten an, bin bei jeder Presskonferenz und den Trainingslagern dabei. Es wäre schlecht, wenn man alles aus zweiter Hand erfahren würde. Natürlich kann man das bei der gegnerischen Mannschaft nicht so umsetzen. Da muss man sich viele Spielberichte anschauen. Ich suche mir auch immer ein paar Statistiken raus, wobei ich bewusst gar nicht so viele Zahlen verwende, da bin ich kein Freund von. Das stört die Hörer eher. Sie wollen wissen, was gerade auf dem Platz passiert, und mir ist vor allem das Emotionale wichtig. Die Zuhörer sollen das Gefühl haben, dass sie neben mir sitzen und das Spiel selbst sehen. So wie ich es in der Situation empfinde, möchte ich es auch den Zuhörern rüberbringen. Ich habe es schon als Kind geliebt, vor dem Radio zu sitzen und habe es am liebsten gehört, wenn die Reporter emotional mitgegangen sind.

Was sind die Herausforderungen bei einer Live-Reportage über volle 90 Minuten?

Beim Radio hat man die Schwierigkeit, dass man immer was erzählen muss und keine Pause machen kann, sonst denken die Zuhörer, die Verbindung wäre weg. Man muss die Leute mitnehmen, erklären, was auf dem Spielfeld los ist und die Situationen einordnen. Das 90 Minuten durchzuziehen ist nicht leicht und definitiv auch anstrengend.

Der FC veröffentlicht auf seinen Social-Media-Kanälen nach den Spielen oft die Highlights, die sehr großen Anklang finden und positiv kommentiert werden. Wie ist das direkte Feedback dir gegenüber?

Ich bekomme viel Feedback über Facebook. Viele, die mir zuhören finden genau das Emotionale gut, aber natürlich gibt es auch welche, die sagen: Jetzt schreit er schon wieder rum, das ist nicht authentisch. Damit muss man leben, jeder hat das Recht, kritisch zu sein. Ich kann nur sagen, es ist alles echt und definitiv authentisch. Ich könnte es gar nicht so spielen, da ich der schlechteste Schauspieler der Welt bin. Privat bin ich zwar nicht der Typ, der laut rumbrüllt und die große Show macht, aber beim Radio lasse ich dann alles einfach raus.

Du kommentierst die Spiele ja hauptsächlich alleine. Hättest du gerne einen Kollegen an deiner Seite?

Nein, permanent lieber nicht. Mit einem festen Zweitmann, mit dem ich mich ständig abwechsle, würde ich mich schwertun. Ich bin so glücklich, die 90 Minuten durchziehen zu können, dass mich jemand anderes nur ausbremsen würde. Interessant wäre vielleicht mal, mit einem FC-Profi gemeinsam zu kommentieren. Vielleicht ergibt sich das mal.

Was waren deine Highlights beim FC?

Highlights waren auf jeden Fall die Derby-Siege. Unvergessen ist der Freistoß von Marcel Risse 2017 in der 94. Minute, als wir 2:1 in Gladbach gewonnen haben. Am meisten in Erinnerung geblieben ist das 2:0 gegen Mainz, womit wir in den Europapokal eingezogen sind – das war sehr emotional. Auch das erste Europa-League-Spiel in London beim FC Arsenal werde ich sicher nie vergessen.

Was war für dich der dunkelste Moment mit dem FC?

Eigentlich die ganze Saison 2017/18, bis auf den Derby-Sieg gegen Gladbach und den Sieg gegen Leverkusen. Die Saison war mit Abstand die härteste, auch für mich als Reporter. Da ist einfach alles schiefgelaufen. Ich saß da Spieltag um Spieltag und konnte nur Negatives erzählen. Dennoch muss man Profi bleiben. Man erwartet ja auch von den Spielern, dass sie ihr Bestes geben und das erwarte ich von mir selbst eben auch. Nach der Saison war ich dennoch echt fertig, vor allem emotional. Da brauchte ich erstmal ein paar Wochen Ruhe vom FC.

Gibt es ein Wunschspiel, das du unbedingt mal kommentieren wollen würdest?

Ich habe den großen Wunsch, einmal das Pokalfinale mit dem FC in Berlin zu kommentieren. Ich war beim letzten Endspiel des FC gegen Werder Bremen 1991 als junger Fan in der FC-Fankurve dabei und habe Rotz und Wasser geheult, als Pierre Littbarski den Elfer verschossen hat. Da hätte ich gerne nochmal eine zweite Chance.

Mit Guido Ostrowski den FC live verfolgen über:

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
14 1. FC Union Berlin 7
15 1. FC Köln 7
16 FC Augsburg 6

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