Profis | 08.06.2018

FC-Neuzugang

Rafael Czichos: Schritt für Schritt nach oben

Mit Rafael Czichos hat der 1. FC Köln einen weiteren Neuzugang präsentiert. Der Innenverteidiger hat mit dem FC ein klares Ziel: den Aufstieg – als Team und auch persönlich.

Wer als Profifußballer den Durchbruch schafft, hat normalerweise bereits im Kindesalter in einem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) eines großen Clubs trainiert. Normalerweise. Nicht jedoch im Fall von Rafael Czichos. Denn nach einem NLZ sucht man im Lebenslauf des FC-Neuzugangs vergeblich. „Meinen Weg gehen heute nicht mehr viele Spieler. Ich habe kein Nachwuchsleistungszentrum besucht und wurde erst spät Profi. Irgendwann hat es aber „Klick“ gemacht bei mir und ich habe mich immer weiterentwickelt“, sagt Czichos rückblickend.  

Rafael Czichos wird am 14. Mai 1990 in Dschidda geboren. Seine Eltern leben damals in Saudi-Arabien am Roten Meer. Als Rafael zwei Jahre als ist, zieht die Familie zurück nach Deutschland. Mit dem Fußballspielen beginnt Rafa, wie sein Spitzname lautet, in der Jugend beim niedersächsischen TSV Ottersberg. Zwischenzeitlich geht er zum FC Verden 04, kehrt dann aber zum TSV zurück. Mit 20 Jahren spielt er noch immer in Ottersberg rund 50 Kilometer von Bremen entfernt und läuft in der Oberliga Niedersachsen-Ost auf.

2010 bietet sich Czichos die Chance, einen großen Karriereschritt zu machen. Er ergreift sie und wechselt zum VfL Wolfsburg. Er kommt allerdings nicht in der ersten Mannschaft, sondern bei den Amateuren des VfL zum Einsatz. Regionalliga Nord statt Bundesliga. Insgesamt 22 Mal steht er für die zweite Mannschaft des VfL auf dem Platz. Nach zwei Spielzeiten endet seine Zeit bei den Wölfen.

Eine neue Aufgabe findet der damalige Linksverteidiger beim FC Rot-Weiß Erfurt. Mit seinem Wechsel schafft er den Sprung von der vierten in die dritte Liga. Czichos Ambitionen mit RWE sind klar. In der Saison vor seinem Wechsel haben die Erfurter knapp die Relegation zur zweiten Liga verpasst. Das Potential, weit nach oben zu kommen, ist da. Doch in den Folgesaisons schafft es Rot-Weiß nicht mehr, an die oberen Tabellenränge heranzukommen. Das Tabellenmittelfeld wird die Regel.

Nach drei Spielzeiten in Erfurt sucht Czichos am Ende der Saison 2014/15 eine neue Herausforderung und einigt sich mit Holstein Kiel auf einen Zweijahres-Vertrag. Der Verein steht fest, doch in welcher Liga Czichos zum Einsatz kommen wird, ist noch fraglich. Denn die Störche beenden die Spielzeit auf dem dritten Tabellenplatz und stehen damit in der Relegation zur 2. Bundesliga. Das Hinspiel gegen 1860 München in Kiel endet mit einem torlosen Unentschieden.

Am 2. Juni 2015 findet das Rückspiel statt. Rafael Czichos ist zu diesem Zeitpunkt im Urlaub. Das entscheidende Relegationsspiel sieht er im Livestream. Er sieht ein gutes Spiel seines neuen Vereins. Kiel ist bereits in der Anfangsphase das aktivere Team und geht in der 16. Spielminute verdient in Führung. Kurz vor Schluss, beim Stand von 1:1, bricht die Übertragung ab. Czichos verpasst, wie der Traum von der zweithöchsten Spielklasse in der 91. Spielminute platzt. Erst durch Nachrichten von Freunden aus Deutschland erfährt er, was passiert ist.

In seiner ersten Saison in Kiel steht Czichos von Beginn an in der Startelf. In den ersten sechs Spielen kommt er noch auf seiner gewohnten Position als Linksverteidiger zum Einsatz. Doch aus einer personellen Not heraus wird er schließlich in die Innenverteidigung beordert – mit Erfolg. Fortan kommt er die gesamte Saison innen zum Einsatz. Am 22. Spieltag führt er die Kieler erstmals als Kapitän aufs Feld. Er ist angekommen in seinem neuen Verein, doch insgesamt läuft die Spielzeit verhalten. Holstein landet am Saisonende im unteren Mittelfeld. Doch ab der folgenden Saison geht es beinahe unaufhaltsam bergauf. Fußballmärchen bahnt sich an. Für Czichos und für Kiel.

Kiel schafft am Ende der Saison 2016/17 den ersehnten Aufstieg. Erstmals nach 36 Jahren spielen die Störche wieder in der 2. Bundesliga und erstmals in seiner Karriere schafft Rafael Czichos den Sprung in zweithöchste Spielklasse. Die erste Zweitliga-Saison 2017/18 verläuft ohne Anpassungsschwierigkeiten. Im Gegenteil: Die Kieler spielen direkt oben mit, beenden die Hinrunde als Herbstmeister und qualifizieren sich am Saison für die Relegation zur ersten Bundesliga. Fast immer mit dabei: Rafael Czichos. Gerade einmal drei Spiele verpasst der Innenverteidiger. Als Kapitän und als einer der besten Innenverteidiger der zweiten Liga hat er großen Anteil daran, dass Kiel plötzlich von der Bundesliga träumen darf – wenn auch der Traum in den Relegationsspielen platzt. Kiel muss sich Czichos‘ ehemaligem Verein, dem VfL Wolfsburg, geschlagen geben.

Danach entscheidet sich der Innenverteidiger, seinen Weg in Köln weiterzugehen. „Nach drei unvergesslichen Jahren in Kiel ist der Wechsel zum 1. FC Köln für mich eine große Chance, die ich unbedingt nutzen will. Der FC ist ein faszinierender Club und ich bin sicher, dass ich mich hier auch mit 28 Jahren fußballerisch noch weiterentwickeln kann“, sagt er über seine Entscheidung. Wie so oft in Czichos Karriere heißt das Ziel auch in der kommenden Saison: Aufstieg. Doch dieses Mal mit dem 1. FC Köln. Dann wäre er vom 20-jährigen Oberligisten zum Bundesliga-Profi gereift. Auch ohne NLZ.  

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 13
2 Hamburger SV 12
3 SpVgg Greuther Fürth 11

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