Club | 30.03.2019

FC-Legende

Schnellinger wird 80

Beim FC wurde Karl-Heinz Schnellinger Deutschlands Fußballer des Jahres, Deutscher Meister und erster Rekordtransfer. Mit dem AC Mailand gewann der gebürtige Dürener viele weitere Titel. Am Sonntag feiert der vierfache WM-Teilnehmer seinen 80. Geburtstag.

Vom Straßenfußballer zum Weltklasseverteidiger – so lässt sich die Karriere von Karl-Heinz Schnellinger kurz und treffend bezeichnen. In seiner Heimatstadt Düren kickte er als Kind mit seinen Freunden in jeder freien Minute. Mit zwölf Jahren wurde Karl-Heinz Schnellinger Mitglied der SG Düren 99, wo er sich zur herausragenden Persönlichkeit entwickelte. So kam es zu Berufungen in die Mittelrheinauswahl, die ­Westdeutsche Auswahl und die Juniorennationalmannschaft. Nach der  elften Klasse verließ er das ­Gymnasium und begann ein Volontariat beim Warenhauskonzern „Kaufhof“.

Nationalspieler trotz zweiter Liga
Noch als Mitglied der seinerzeit in der zweiten Liga spielenden SG Düren 99 wurde er zum A-Nationalspieler und debütierte als 19-Jähriger in Bundestrainer Sepp Herbergers Team – rechtzeitig, um bei der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden dabei zu sein. Zur ­damaligen Zeit eine Sensation: „Ein Oberschüler in der Nationalelf“, titelte der „Kicker“.

Im Umfeld der Weltmeisterschaft knüpfte FC-Präsident Franz Kremer als Mitglied der deutschen Delegation erste Kontakte zu Schnellinger. Den Rest erledigte FC-Schatzmeister Richard Pelzer. „Ich hatte Angebote von Alemannia Aachen, dem 1. FC Kaiserslautern und Rot-Weiss Essen. Pelzer war bei uns zu Hause und sagte zu meinen ­Eltern: ‚Ich weiß, dass schon viele bei ihnen waren und ihren Sohn haben wollen. Letztendlich müssen sie entscheiden, aber ich bin der Meinung, dass die Schuhe ihres Sohnes abends am Bett bei ihnen zu Hause stehen sollten.‘“, erinnert sich Schnellinger. ­Anfang August 1958 unterzeichnete der National­spieler schließlich im Geißbockheim einen Vertrag beim 1. FC Köln.

Schon in Düren hatte der Defensivspieler internationales Format, doch in Köln formte man ihn zum Weltklassespieler, der alle Facetten des Spiels meisterlich beherrschte. Fairer Kampf, überragende Technik und perfektes Stellungs- und Kopf­ballspiel gehörten ebenso zu seinem Repertoire wie ­offensive Qualitäten im Spielaufbau. Kaum ein Akteur der damaligen Zeit beherrschte das sogenannte Sliding Tackling so perfekt wie der Dürener.

Oft stritten die Experten darüber, wo dieser unfassbar gute Fußballer am besten aufgehoben war: in der Verteidigung oder als Läufer, wo er den Sturm noch idealer ankurbeln konnte. Den Offensivdrang ließ sich Schnellinger als Verteidiger nicht nehmen. So wurde der beidfüßig starke Akteur nicht nur beim FC, sondern auch in der Nationalmannschaft zur Stammkraft. 

„Ausgerechnet Schnellinger“
Nach 1958 nahm Karl-Heinz Schnellinger an drei ­weiteren Weltmeisterschaften teil. 1970 erzielte er sein einziges Tor im DFB-Trikot. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 kurz vor Schluss im WM-Halbfinale gegen ­Italien ermöglichte das „Jahrhundertspiel“, das die ­Italiener nach dramatischer Verlängerung mit 4:3 ­gewannen.
  
Fernsehkommentator Ernst Huberty prägte nach dem Last-Minute-Ausgleich den Ausspruch „Ausgerechnet Schnellinger“, da Schnellinger zu ­dieser Zeit in Italien beim AC Mailand unter Vertrag stand. Die Wortwahl kann „Carlo il Biondo“ (Carlo, der Blonde), wie er in Italien genannt wird, nicht völlig nachvollziehen: „Ja nun, ausgerechnet. Ich finde das zeigt einfach meinen Charakter. Das zeigt, dass ich überall, wo ich gespielt habe, das Maximum gegeben habe. Egal, wer der Gegner war.“

In Köln, wo man ihm wegen seiner rotblonden Haare den Spitznamen „der Fuss“ verpasste, wohnte Schnellinger zusammen mit seiner Familie im Haus von Präsident Franz Kremer und arbeitete in dessen Geschenk- und Werbeartikelfirma. Kremers Ehefrau Liselotte war zudem Patin von Schnellingers Tochter Birgit. Seine Zeit in Köln krönte er mit dem Gewinn der Meisterschaft 1962 und der Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres.

Rekordwechsel nach Italien
Ein Jahr nach dem Triumph verließ Karl-Heinz Schnellinger den FC. „Eines Tages kam Franz Kremer auf mich zu und sagte: ‚Die Römer wollen dich haben. Die bieten so viel Geld, so viel kannst du hier nie verdienen.‘ ­Damals gab es ja nur 400 Mark im Monat. Und dann bin ich also auf sein Anraten hin gegangen.“ Kremer und Schatzmeister Richard Pelzer führten die Verhandlungen mit den italienischen Unterhändlern. Mit dem Ehrentreffer zum 1:3 beim letzten Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Borussia Dortmund verabschiedete sich Schnellinger vom Geißbockheim. Die für damalige Verhältnisse astronomische Ablösesumme von 1,12 Millionen D-Mark zahlte der AS Rom für den Publikumsliebling – dazu 300.000 D-Mark Handgeld.

Solche Summen waren im deutschen Fußball ein Novum und so gab es in den Medien zahlreiche kritische Stimmen. Beeindrucken ließ sich Karl-Heinz Schnellinger davon nicht. Er wurde in Italien zum Superstar. Zunächst vom AS Rom an den AC Mantova ausgeliehen, fand er ab 1965 beim AC Mailand seine sportliche und private Heimat. In neun ­Jahren gewann er mit „Milan“ bis auf den UEFA-­Pokal sämtliche Trophäen, die ein Vereinsspieler damals ­gewinnen konnte.  

Zum Abschiedsspiel von Stanley Matthews
Wie hoch sein internationales Ansehen war, belegt die Tatsache, dass der legendäre Sir Stanley Matthews den Deutschen unbedingt bei seinem Abschiedsspiel dabeihaben wollte. Auch in die Europa- und Weltauswahl wurde Schnellinger berufen. 1974 kehrte er für ein kurzes Intermezzo bei Bundesliga-Aufsteiger Tennis Borussia Berlin nach Deutschland zurück. Nach nur einem Jahr zog es ihn jedoch wieder in seine Wahl­heimat Mailand.

In Segrate, nahe der lombardischen Metropole, lebt der Vater dreier Töchter mit Ehefrau Ursula bis heute. Nach seiner aktiven Laufbahn ­arbeitete Schnellinger als PR-Chef für ein französisch-italienisches Lebensmittelunternehmen. 2007 zwang ihn eine Krankheit, kürzer zu treten. Von einem durch Darmblutungen verursachten zweitägigen Koma ­erholte Schnellinger sich.

Jetzt genießt er seinen ­Ruhestand, hält sich durch Magazine und das Fern­sehen über die Bundesliga und den 1. FC Köln auf dem ­Laufenden. Für sein Auftreten in vielen inter­nationalen Begegnungen, aber auch für sein Wirken in ­Italien ­erhielt Schnellinger im Mai 2016 den Ehrenpreis „Deutscher Fußball Botschafter“. 

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 59
2 Hamburger SV 53
3 SC Paderborn 07 51

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