Stiftung | 16.09.2020

Stiftung 1. FC Köln

Tekkals Scoring Girls vom DFB ausgezeichnet

Tugba Tekkals Projekt Scoring Girls wurde vom Deutschen Fußballbund mit dem Julius Hirsch Preis ausgezeichnet. Das soziale Projekt, das sich gegen Diskriminierung und Antisemitismus einsetzt, wird von der Stiftung 1. FC Köln unterstützt.

„Es ist nicht entscheidend, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst“, sagt die ehemalige FC-Spielerin Tugba Tekkal. Die 35-Jährige hat mit ihren Geschwistern die Hilfsorganisation HAWAR.help gegründet. Ein Teil dieser Organisation ist das Projekt Scoring Girls, das die Stiftung 1. FC Köln unterstützt. Tekkal kümmert sich um Flüchtlingsmädchen aus Krisenregionen wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak im Alter von acht bis 18 Jahren und um sozial schwache Mädchen, die über den Fußball eine neue Basis für ihr Leben finden. Tekkal holt die Mädchen von der Straße, geht in Flüchtlingsunterkünfte und Jugendzentren und zeigt ihnen einen Weg, mit den Schmerzen ihrer Vergangenheit umzugehen.

„Die Mädchen haben in ihren jungen Jahren teilweise unvorstellbar schlimme Dinge erlebt. Ich wollte die Kraft des Fußballs nutzen, um diesen Mädchen zu helfen“, sagt Tekkal. „Ich liebe meine Arbeit und die schönste Bestätigung ist zu sehen, wie sich die Mädchen entwickeln und wie sie selbstbewusster und mutiger werden – nicht nur beim Fußball, sondern auch im Alltag. Wir haben ein Mädchen, das wollte anfangs Arzthelferin werden. Jetzt möchte sie Ärztin werden. Zu spüren, dass die Mädels jetzt an sich glauben, gibt einem so viel zurück.“

„Den Adler auf der Brust“

Es sind Mädchen wie die 16-jährige Silva, die ihren Vater im Krieg in Syrien verloren hat. Sie entdeckte den Spaß am Fußball und schloss sich den Scoring Girls an – und der Fußball gab ihr Lebensfreude zurück. „Mittlerweile assistiert sie mir bei den Trainingseinheiten“, sagt Tekkal. „Wir sind sehr stolz auf sie. Silva hat beim DFB die Junior-Coach-Ausbildung gemacht und sagt mittlerweile, dass es ihr größter Traum wäre, das deutsche Nationaltrikot mit dem Adler auf der Brust zu tragen.“

Doch die integrative Aufgabe, die das Projekt Scoring Girls erfüllt, ist teilweise auch mit Hürden verbunden. „Wir treffen auf Eltern aus anderen Kulturen, die nicht wollen, dass ihre Tochter Fußball spielt, weil sich das nicht gehören würde. Eine unserer Aufgaben ist es dann, sie zu überzeugen, dass Integration keine Einbahnstraße sie und sie weltoffener und toleranter werden müssen, da das Glück ihrer Tochter an erster Stelle stehen sollte“, sagt Tekkal.

Die ehemalige FC-Spielerin weiß, wovon sie spricht. Tekkal ist kurdisch-jesidischer Abstammung und in Deutschland geboren. „Ich habe anfangs heimlich Fußball gespielt, weil ich mich nicht getraut hatte, meinen Eltern davon zu erzählen“, sagt Tekkal. „Ich wusste, dass sie es nicht gut finden würden.“ Tekkal hatte Recht, aber mit zunehmender Zeit wurden Tekkals Eltern ihre größten Unterstützer. Tekkal entwickelte sich zur Bundesligaspielerin, kickte für den Hamburger SV und acht Jahre für den 1. FC Köln. „Der FC ist mein Herzensverein, deswegen war es für mich etwas ganz Besonderes, das Projekt Scoring Girls mit Unterstützung der FC-Stiftung umsetzen zu können“, erklärt Tekkal.

Große Ehre für Tekkal

Mit dem Julius Hirsch Preis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den Tekkal in diesem Jahr für ihr Engagement erhalten hat, ehrt der DFBseit 2005 Vereine, Institutionen und Einzelpersonen, die sich gegen Antisemitismus und Diskriminierung einsetzen. Die Auszeichnung ist nach dem 1943 in Auschwitz ermordeten Nationalspieler benannt. Tekkal: „Auch vor dem Hintergrund der Geschichte von Julius Hirsch ist diese Auszeichnung etwas ganz Besonderes für mich und ich bin dankbar für die Unterstützung, die wir bei unserem Projekt erhalten.“

Einmal die Woche trainieren die Scoring Girls beim 1. FC Köln am Geißbockheim, mittlerweile sind zwei Standorte in Berlin hinzugekommen. „Wir möchten auch in Köln noch mehr Mädchen helfen, deswegen sind wir hier derzeit auf der Suche nach einem zweiten Standort, an dem wir noch trainieren können und eine Räumlichkeit haben. Wir möchten unseren Bildungsaspekt noch ausbauen und die Mädchen auch im Bereich Hausaufgabenbetreuung fördern“, sagt Tekkal, die ihr Projekt so leitet und ausbaut, wie sie früher auf dem Platz selbst gespielt hat: Mit großem Herzen.

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PL.VereinPkt.
15Borussia Mönchengladbach1
161. FC Köln0
171. FSV Mainz 050