Profis | 02.05.2021

FC-Profi zwischen Abi und Abstiegskampf

Thielmann: „Englisch ist wie Freiburg“

Jan Thielmann pendelt momentan zwischen Schreibtisch und Trainingsplatz. Mit dem FC kämpft er um den Klassenerhalt, in der Schule muss er die Abiturprüfungen bewältigen. Im Interview und in Episode 7 der Saisondokumentation 24/7 FC spricht der 18-Jährige über Abi-Stress, seine Vertragsverlängerung beim FC bis 2024 – und gesteht, welches Schulfach sein härtester Gegner ist.

Jan, deine ersten beiden Abi-Klausuren hast du hinter dich gebracht. In welchen Fächern hast du sie geschrieben und wie lief es? 
„Erdkunde-Leistungskurs vergangenen Dienstag lief ganz solide. Am Anfang fiel es mir ein bisschen schwer, mich auf eine der drei Klausuren festzulegen, die zur Auswahl standen. Ich habe mich dann für die Städteentwicklung entschieden. Ich musste mich ein paar Minuten mit der Aufgabenstellung vertraut machen und dann lief es eigentlich ganz gut. Am Freitag habe ich noch Deutsch-LK geschrieben. Ich habe einen Sachtext analysiert. Die Klausur lief gut.“

Und wie lief die Lernphase bislang?
„Ein bisschen holprig. Ich bin eher der Lerntyp, der irgendwann realisiert, dass er zu spät angefangen hat und dann versucht, sich noch irgendwie relativ viel in den Kopf zu prügeln. Ich neige manchmal dazu, die Bücher auch mal liegen zu lassen und lieber zum Handy zu greifen. Oder wenn im Internat gerade Leute um einen herumschwirren, unterhalte ich mich halt lieber mit denen. Dann ist es etwas schwierig, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Aber auf die Abi-Klausuren habe ich mich eigentlich ganz gut vorbereitet. Nur Mathe könnte etwas kritischer werden. Darum muss ich mich in den nächsten Tagen nochmal kümmern. Die Klausur ist am Dienstag und dann kommt noch die mündliche Prüfung in Englisch.“

Wenn du die vier Fächer vom Schwierigkeitsgrad her mit Bundesligavereinen vergleichen müsstest, wie würdest du sie einordnen?
Dann wäre Mathe RB Leipzig. Aber wir haben ja gegen Leipzig gewonnen, also kann ich auch Mathe besiegen. Erdkunde ist Bielefeld. Erdkunde ist das einfachste Spiel, aber auch Bielefeld darf man nicht unterschätzen, wie man in dieser Saison sieht. Deutsch würde ich mit Mainz vergleichen. Und Englisch ist dann Freiburg. Gegen Freiburg kann man mal gewinnen, aber auch verlieren.“ 

Verspürst du mehr Druck im Abstiegskampf oder vor den Abi-Klausuren?
„Der Druck im Abstiegskampf ist größer. In der Schule habe ich zehn Jahre am Stück Klausuren geschrieben. Damit komme ich besser klar, als wenn jeden Tag in einer anderen Zeitung zu lesen ist, dass es mit dem Klassenerhalt vielleicht eng werden könnte. Durch die zwei Siege zuletzt ist es wieder etwas besser.“

Als Profifußballer hast du in den vergangenen Monaten gelernt, mit Druck umzugehen. Inwiefern hilft dir das bei der Bewältigung des Abiturstresses?
„Ich glaube schon, dass es etwas mit einem macht, wenn man als Fußballprofi ständig unter Druck steht – dass man dann auch mit Drucksituationen im Alltag besser umgehen kann. Das kann ein Vorteil bei den Abi-Prüfungen sein. Aber mit Sicherheit können meinen Mitschüler auch mit Druck umgehen, weil sie auch schon seit zehn Jahren Klassenarbeiten und Klausuren schreiben.“

Fällt es dir hin und wieder schwer, dich zum Lernen zu motivieren, weil du schon in der Bundesliga spielst und daher mehr Geld verdienst als andere Jugendliche in deinem Alter?
„Nein, deshalb fällt es mir nicht schwer, mich zum Lernen zu motivieren. Es kommt eher die mentale und körperliche Belastung nach einem harten Trainingstag dazu. Dann fällt es manchmal nicht ganz so leicht, sich noch zum Lernen zu motivieren. Aber es ist nicht so, dass ich das Abi auf die leichte Schulter nehme, weil ich schon einen Plan B in der Tasche habe. Das Abitur zu machen, war immer mein Ziel. Unabhängig davon, ob ich Profi werde oder nicht. Das Abitur war immer der Plan A. Das ziehe ich jetzt durch. Und hoffentlich kann ich bald stolz auf mich sein, weil alles geklappt hat.“

Hast du dir ein bestimmtes Ziel gesetzt, was deinen Abi-Schnitt betrifft?
„Es gab mal ein grobes Ziel, aber in den vergangenen zwei Jahren wurde es durch die Doppelbelastung von Profifußball und Schule doch immer schwieriger. Deshalb heißt es jetzt: ‚Hauptsache der Jung kommt durch.‘ Aber mir hilft es auf jeden Fall, dass ich noch im Internat wohne. Wir bekommen hier viel abgenommen. Trotzdem freue ich mich schon darauf, ab Sommer in meiner eigenen Wohnung zu leben, auf mich alleine gestellt zu sein und auch mal zur Ruhe kommen zu können, ohne dass laut schreiende Jugendspieler um mich herum wohnen (lacht).“

Und dann kannst du dich auch wieder voll und ganz auf den Fußball konzentrieren. Du hast deinen Vertrag beim FC vorzeitig bis 2024 verlängert. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?
„Ich bin sehr froh, verlängert zu haben. Egal wie die Saison ausgeht, fühle ich mich beim FC einfach sehr wohl. Und das mittlerweile schon seit vier Jahren. Ich freue mich auf die kommende Zeit und darauf, weiter für den FC zu spielen. Am liebsten natürlich in der ersten Liga.“

Welche sportlichen Ziele hast du dir für die kommenden Jahre gesetzt?
„Mit dem FC möchte ich natürlich erstklassig bleiben und mich in der Bundesliga etablieren. Persönlich möchte ich noch mehr Spielzeit sammeln und das eine oder andere Tor mehr erzielen, um dann hoffentlich Stück für Stück zum Stammspieler zu werden. Dafür muss ich aber weiter an meinen Baustellen arbeiten, zum Beispiel an meinem linken Fuß. Ich werde jeden Tag hart an mir arbeiten und diese Ziele nicht aus den Augen verlieren.“

In den vergangenen fünf Partien hast du wegen einer Muskelverletzung gefehlt. Wie geht es dir mittlerweile?
„Ich bin wieder fit. Seit eineinhalb Wochen trainiere ich wieder voll mit der Mannschaft. Nur am Freitag habe ich eine Einheit verpasst wegen der Deutschklausur. Aber ich kann jetzt wieder voll durchstarten.“

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
16DSC Arminia Bielefeld31
171. FC Köln29
18FC Schalke 0413

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