Profis | 14.04.2019

FC-Keeper

Timo Horn: „Wir wollen es mit aller Macht“

Timo Horn berichtet für FC.de über das bevorstehende Spitzenspiel gegen den HSV, Weckrufe zur rechten Zeit, seine persönliche Entwicklung – und Grillwürstchen.

„Wir Spieler bekommen natürlich mit, wie sehr sich die Fans auf das Spiel gegen den HSV freuen. Zig Leute haben mich nach Tickets gefragt, ich hätte die Anfragen gerne alle bedient, aber das ging einfach nicht. Dass die Stadt und die Fans dem Spiel so entgegenfiebern, gibt uns richtig Rückenwind. Wir haben uns eine gute Ausgangslage geschaffen. Dieses Spiel wird ganz entscheidend sein, um möglichst bald alles klar zu machen.

Es wird eine emotionale Partie. Wir wissen, dass die Hamburger in keiner leichten Phase stecken. Wir haben – mit Ausnahme des Duisburg-Spiels – aus den letzten sechs, sieben Wochen die optimale Ausbeute geholt. Dazu kommt: Wir spielen zu Hause, da haben wir zuletzt sehr überzeugende Spiele gemacht. Wir wissen, dass wir für eine Vorentscheidung im Aufstiegskampf sorgen können. Das im Topspiel vor den eigenen Fans zu schaffen, wäre eine große Sache für uns.

Die Nachricht vom Herzinfarkt war ein Schock für uns Spieler

Wir wollen das Spiel am Montag auch für unseren Trainer gewinnen. Wir als Mannschaft haben direkt nach dem Spiel in Duisburg vom Herzinfarkt seines Vaters erfahren und aus Respekt auf jegliche Interviews und Aussagen nach dem Spiel verzichtet. Es war ein Schock und viele Spieler haben dem Trainer in Form von Anrufen und Nachrichten ihre Anteilnahme ausgedrückt. Wir versuchen, uns trotz dieser schlimmen Nachricht optimal auf das Spiel am Montag vorzubereiten und haben größten Respekt vor dem Trainer, dass er am Freitag schon wieder unser Training geleitet hat.

In der Öffentlichkeit ging es zuletzt fast nur noch darum, wann wir den Aufstieg fix machen. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass man das als Spieler nicht wahrnimmt. Natürlich überträgt sich das – zumindest unterbewusst – auf die Mannschaft. Gerade nach der 4:2-Führung in Duisburg haben wir uns zu sicher gefühlt. Das 4:4 hat sich wie eine Niederlage angefühlt.

Gegen den Tabellenletzten möchtest du niemals vier Gegentore kriegen. Ich war ziemlich angefressen nach dem Spiel, so wie jeder von uns. Wir hatten die drei Punkte fest eingeplant. Beim Duisburger Freistoß zum 4:4 ging der Ball in meine Ecke. In dem Moment weiß man als Torwart sofort, was man falsch gemacht hat. Ich habe den Schritt in die Mauerecke gemacht und der Schuss hat mich eiskalt erwischt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er den Ball ins Torwarteck rumzieht. Das sah blöd aus. Das weiß ich auch. Solche Situationen machen einen als Torwart noch aufmerksamer. Deswegen war das Spiel in Duisburg vielleicht ein Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt. Für alle von uns. Um im Topspiel voll da zu sein. Auch mental. 

Armin Veh hat uns deutlich klargemacht, was auf dem Spiel steht

Als wir schlecht in das neue Jahr gestartet sind, gab es schon mal einen Weckruf: Armin Veh hat intern und öffentlich uns als Mannschaft klargemacht, worum es geht. Ich glaube, es ist wichtig, ab und zu als Geschäftsführer oder auch als Trainer ein Zeichen zu setzen – gerade, wenn es nicht läuft. Das sind unsere Vorgesetzten und wir Spieler nehmen uns zu Herzen, was sie sagen. 

Armin Veh hat uns Spielern in der damaligen Besprechung nochmal klargemacht, worauf es ankommt. Das nimmt man mit, verarbeitet es und versucht, es besser umzusetzen. Ich glaube, er hat das ganz bewusst in dem Moment gemacht. Und ich glaube, jeder Einzelne ist aus der Besprechung gegangen und wusste, worauf es ankommt – und auch, was für den Verein auf dem Spiel steht. 

Wir haben danach viel mit dem Trainerteam gesprochen, um zu schauen, wie wir wieder in die Erfolgsspur zurückkommen. Auch Armin Veh redet viel mit der Mannschaft, genau wie der Trainer. Und wir Spieler sind untereinander auch viel im Austausch. Als Mitglied des Mannschaftsrates sehe ich es als meine Aufgabe, in solchen Momenten viel mit den anderen Spielern zu sprechen, in die Jungs reinzuhorchen und zu erfahren, was wem gerade nicht passt. Wichtig ist, dass man in solchen Momenten weiter kommuniziert, um gemeinsam einen Weg zurück zum Erfolg zu finden. Das haben wir sehr gut geschafft, glaube ich. Wir haben zusammen den Finger in die Wunde gelegt – und danach lief es deutlich besser. 

Wir spielen anders als in den Jahren zuvor und ich begrüße das sehr

Schon in der Vorbereitung im Sommer war mir klar, dass wir anders Fußball spielen wollen als in den Jahren zuvor. Da haben wir uns sehr auf die Defensive konzentriert, darauf, wenig Gegentore zu kriegen und vielleicht vorne ein Tor zu machen. Jetzt greifen wir schon viel früher an, gehen im Spielaufbau deutlich mehr Risiko, was auch mein Spiel verändert. Dadurch fangen wir uns mehr Tore, kreieren aber auch offensiv viel mehr gefährliche Situationen und Chancen. Wenn es optimal läuft, feiert man dann Siege wie gegen Dresden, Bielefeld oder Kiel. Wenn man es nicht so gut verteidigt, kommen dann auch mal Ergebnisse wie gegen Paderborn und Duisburg zustande. 

Ich begrüße sehr, wie wir jetzt Fußball spielen. Ich bin viel mehr in den Spielaufbau eingebunden und eröffne das Spiel von hinten. Früher war unser Spiel auf Risikovermeidung ausgelegt, da habe ich pro Spiel 30 lange Bälle gespielt. Auf höchstem Niveau wird von Torhütern gefordert, dass man mitspielt, dass man Sicherheit von hinten ausstrahlt und immer angespielt werden kann. Das zu trainieren und im Spiel umzusetzen, ist für mich ein weiterer Entwicklungsschritt. Ich finde, dass ich mich vor allem fußballerisch in dieser Saison verbessert habe. 

Im Endeffekt geht es aber vor allem um den Mannschaftserfolg, darum, die Punkte zu holen. Natürlich spiele ich sehr gerne zu Null. Das haben wir ja auch in den letzten Wochen dreimal geschafft. Da haben wir sehr gut verteidigt.  Mir ist es am liebsten, wenn wir vorne unsere Dinger machen und hinten die Null halten. 

Dass Andy Menger uns Grillwürstchen versprochen hat, wenn wir zu Null spielen, ist eine schöne Geste, die bei den Jungs gut ankommt. Da unterscheiden wir uns nicht von einer Kreisliga-Mannschaft. Wir sind ein Team, wir verlieren und gewinnen zusammen. Wenn man dann ein Erfolgserlebnis wie ein Zu-Null-Spiel mit einer kleinen Belohnung feiert, ist das gut für die Gemeinschaft. Man sitzt beim Würstchen zusammen und lässt das Spiel nochmal Revue passieren. Ich glaube, die Heidenheim-Würstchen stehen noch aus – und ich hoffe, gegen Hamburg erspielen wir uns nochmal welche. Das mit dem Feueralarm haben wir ja inzwischen auch in den Griff bekommen.  

Die Fans rechnen, wir Spieler überlegen natürlich auch

Die Fans rechnen schon, wann wir aufsteigen könnten. Als Spieler überlegt man natürlich auch. Wir haben uns in den letzten Spielen und durch die Ergebnisse der Konkurrenz in die Lage gebracht, dass wir mit ein, zwei Siegen eine Vorentscheidung herbeiführen können. Jetzt gegen den direkten Konkurrenten zu spielen, ist eine Riesenmöglichkeit, sich endgültig abzusetzen – um in den dann kommenden Spielen den Deckel draufzumachen. Das wissen wir. Und wir wollen uns das nicht mehr nehmen lassen. 

Ich habe mich bewusst für den Weg in die 2. Bundesliga entschieden und wollte diesen Weg allen Widrigkeiten zum Trotz mitgehen. Ich will die letzte Saison reparieren. Ich sehne den Moment herbei, wenn es geschafft ist. Wir wollen dieses Erfolgserlebnis. Mit aller Macht.“

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PL. Verein Pkt.
1 1. FC Köln 59
2 Hamburger SV 53
3 SC Paderborn 07 51

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