Club | 26.09.2017

FC-Mitgliederversammlung 2017

Versammlung der Rekorde

Mehr als 6.500 Mitglieder haben am Montag an der Mitgliederversammlung des 1. Fußball-Club Köln 01/07 e.V. teilgenommen, so viele wie nie zuvor. Sie erlebten emotionale Momente, eine engagierte Debatte – und fällten am Ende eine klare Mehrheitsentscheidung.

Der Abend begann mit Gänsehaut-Momenten. Mehr als 6.500 FC-Mitglieder, so viele wie nie zuvor bei einer Mitgliederversammlung, spendeten den Profis des 1. FC Köln minutenlang stehenden Applaus und sangen dann gemeinsam mit dem Team die Vereinshymne. „Diese Unterstützung ist nach dem Saisonstart nicht selbstverständlich. Das hat unheimlich gut getan und zeigt, dass wir für den richtigen Club spielen“, sagte Kapitän Matthias Lehmann später.

Wir sind 100.000

Nach der Ehrung der Frauenteams, die 2016/17 in die 1. und 2. Bundesliga aufgestiegen sind, rief FC-Vizepräsident Toni Schumacher Mitglieder aus sieben Jahrzehnten auf die Bühne – darunter Max Esser, der schon seit 1938 Mitglied im FC-Vorgängerverein KBC gewesen war. „Ihr steht heute Abend stellvertretend für alle Mitglieder hier, denn eigentlich müssten wir uns alle ehren“, sagte Schumacher: „Denn wir sind 100.000!“ Im September hat der 1. FC Köln das vor vier Jahren beim Stand von rund 55.000 Mitgliedern ausgegebene Ziel tatsächlich erreicht. Der 13-jährige Jan Sindermann, das symbolische Mitglied Nummer 100.000, erhielt unter großem Jubel in der LANXESS Arena eine überdimensionale Club-Karte und Max Esser erzählte vom Tag, als der FC in einer Kneipe auf der Luxemburger Straße gegründet worden war.

Spinner bezieht Stellung zum Stadion

Nach diesen emotionalen Höhepunkten begann der inhaltliche Teil der Versammlung, die wegen des riesigen Andrangs eine halbe Stunde später beginnen musste. In seinem Jahresbericht ging FC-Präsident Werner Spinner unter anderem ausführlich auf die Diskussion zum Thema Stadion ein. Es sei notwendig, rechtzeitig alle Optionen zu prüfen, nachdem die Machbarkeitsstudie der Kölner Sportstätten klar gezeigt hat, dass ein Ausbau des RheinEnergieSTADIONs planungsrechtlich nur in sehr geringem Umfang möglich und wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. „Es geht darum, den Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen – und sie nicht auf kölsche Art vor sich herzuschieben und seinen Nachfolgern zu überlassen“, betonte Spinner, der zugleich klarstellte: „Es sind keine Entscheidungen gefallen, weder für oder gegen einen Ausbau in Müngersdorf noch für oder gegen einen Neubau.“ Es müsse schon sehr viel zusammenkommen, damit der FC Müngersdorf tatsächlich verlasse. Ziel bleibe es, am traditionellen Standort eine Lösung gemeinsam mit der Stadt zu finden. Spinner versprach eine sorgfältige Prüfung aller möglichen Optionen „im Sinne unserer Werte und im Einklang mit unserer Tradition – und natürlich unter Einbeziehung aller Gremien.“

Der FC-Präsident erteilte Spekulationen über den möglichen Einstieg eines Investors etwa aus China erneut eine klare Absage und ging zum Schluss auf das Thema Fans ein. „Wir haben am 14. September keine Schande von London erlebt. Sondern die emotionalste, schönste und positivste Invasion von Fußballbegeisterung im besten Sinne, an die ich mich erinnern kann“, so Spinner über die Unterstützung von bis zu 20.000 FC-Fans beim FC Arsenal. Er kritisierte zugleich das klare Fehlverhalten einer Minderheit von Störern und stellte unter großem Applaus mit Blick auf die im Sommer verhängten Stadionverbote klar: „Wenn bestimmte Grenzen überschritten werden, muss das Konsequenzen haben. Und es muss die Bereitschaft geben, solche Konsequenzen zu tragen und damit erwachsen umzugehen.“ Gerade in solchen Konfliktsituationen gebe es aber zum Dialog in der AG Fankultur keine Alternative. „Das große Ganze steht über allen Einzelinteressen.“

Wehrle und Schmadtke ziehen Bilanz

Danach präsentierte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle die Geschäftszahlen 2016/17 – und verkündete dabei auf allen Ebenen neue Rekorde. 129,2 Millionen Euro Umsatz (Vorjahr 107 Millionen), ein Gewinn von 16,8 Millionen Euro (Vorjahr 10,5) vor und 11,1 Millionen Euro (Vorjahr 6,4) nach Steuern sind die mit Abstand besten Ergebnisse der Vereinsgeschichte.

Wehrle hielt sich allerdings nicht lange mit den Kennzahlen auf, sondern stellte sie in den Zusammenhang mit der Entwicklung im Profifußball und betonte, dass die sportliche Wettbewerbsfähigkeit oberste Priorität habe. Der FC sei eben kein normales Wirtschaftsunternehmen, sondern ein Fußballverein. Professionalität mache den FC ebenso aus wie Hingabe, Leidenschaft und die kölsche Seele.

Dass der FC mit einem Lizenzspieleretat von 38,5 Millionen Euro in der Saison 2016/17 Platz 5 erreicht hat, „verdanken wir der perfekten Arbeit der sportlich Verantwortlichen“, so Wehrle. Der Durchschnitt der Lizenzspieleretats auf den Plätzen 1 bis 6 hatte bereits in der Saison 2015/16 bei rund 94 Millionen Euro gelegen.

FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke erinnerte zu Beginn seiner Rede noch einmal an seine Aussage von vor einem Jahr: „Die Träume von uns Verantwortlichen sind nicht so weit entfernt von den Träumen der Fans. Jetzt sind wir tatsächlich in Europa aufgewacht.“ Schmadtke erläuterte die Entwicklung auf dem Transfermarkt mit immer weiter steigenden Summen – und bezog eindeutig Stellung zum aktuellen Saisonstart. „Resignation ist der Egoismus der Schwachen“, zitierte er den früheren FC-Trainer Jörg Berger und fügte hinzu: „Der FC ist kein schwacher Club. Selbstmitleid oder Selbstaufgabe sind keine Option. Wir müssen da jetzt durch.“

Schmadtke appellierte an den Zusammenhalt im Verein, der die erfolgreichen vergangenen Jahre erst ermöglicht habe. „Wir tun alles, damit der 1. FC Köln erfolgreich sein kann. Und zwar nicht nur dann, wenn alles rosarot-und-wieß ist. Sondern gerade dann, wenn es schwierig wird.“

Abstimmung über Satzungsänderungsantrag

Nachdem Stefan Müller-Römer die Jahresbilanz des Mitgliederrats vorgetragen hatte, sämtliche Gremien mit deutlichen Mehrheiten entlastet worden waren und die Wahlkommission mit Dr. Bodo Jost, Stephanie Piepenstock und Thomas Schönig wiedergewählt worden war, begann die Aussprache zum Satzungsänderungsantrag von drei Mitgliedern der Initiative „100 % FC – Dein Verein“. Die Forderung: Künftig sollte jede Veräußerung von Anteilen an der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA nur nach Zustimmung sämtlicher Gremien, also auch der Mitgliederversammlung, möglich sein. Nach der geltenden Regelung muss unterhalb der Schwelle von 25 Prozent zwingend der Gemeinsame Ausschuss, in dem unter anderem zwei Vertreter des Mitgliederrats sitzen, zustimmen – nicht jedoch die Mitgliederversammlung. Vorstand und Geschäftsführung hatten dafür geworben, die bisherige Regelung beizubehalten. Zahlreiche Mitglieder nutzten die Gelegenheit zur Mitsprache und äußerten in einer engagierten Debatte ihre Haltung sowohl für als auch gegen den Antrag.

Da die Rekordzahl an Teilnehmern, fast dreimal so hoch wie 2016, das elektronische Wahlsystem über seine Belastungsgrenzen geführt hatte und bei dem Satzungsänderungsantrag eine geheime Abstimmung erfolgen sollte, musste über den Antrag mit Stimmzetteln abgestimmt werden. Um die Satzung zu ändern, wäre eine Mehrheit von zwei Dritteln nötig gewesen. Unter notarieller Aufsicht wurde ausgezählt, während im Saal weitere Tagesordnungspunkte abgearbeitet wurden und die Wartezeit mit dem Double-Film der Edition Steffan überbrückt wurde. Alle Teilnehmer, die so lange dabei gewesen waren, erhielten an den Ausgängen einen exklusiven Europapokal-Pullover als Geschenk – da auch hier die Zahl der Mitglieder höher war als angenommen, werden weitere Pullover nachbestellt und per Post geliefert.

Das Ergebnis der Abstimmung war am Ende eindeutig. Knapp 35 Prozent der immer noch rund 4.700 Mitglieder, die sich an der Abstimmung beteiligt hatten, waren für die Satzungsänderung, rund 65 Prozent dagegen. Weit nach ein Uhr nachts beendete FC-Vizepräsident Markus Ritterbach die Sitzung – auch in dieser Hinsicht eine Mitgliederversammlung der Rekorde.

Videos der Veranstaltung gibt es für FC-Mitglieder demnächst auf NetCologne FC-TV.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 34
2 1. FC Köln 33
3 1. FC Union Berlin 28

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