Profis | 23.10.2021

Interview im GeißbockEcho

Vom Schatten ins Licht

Benno Schmitz ist für viele die Überraschung der Saison. Unermüdlich beackert der Außenverteidiger seine rechte Seite und zeigt obendrein ungeahnte Offensivqualitäten. In der Vergangenheit oft unterschätzt und kritisch beäugt, stieg er unter Steffen Baumgart zum Leistungsträger und Publikumsliebling auf – Vergleiche zu brasilianischen ­Legenden inklusive. Benno steht plötzlich im Rampenlicht. Ein ­Umstand, an den sich der 26-Jährige erst gewöhnen muss. Genauso wie an eine neue Rolle neben dem Platz.

Benno, mal ehrlich: Kannst du deinen neuen Spitznamen „kölsche Cafú“ überhaupt noch hören?
„Eigentlich finde ich ihn ganz witzig. Ich selber nenne mich natürlich nicht so, werde im Moment aber von jedem darauf angesprochen. Der Name muss irgendwann im Trainingslager entstanden sein. Ich weiß nicht, ob es so viele Ähnlichkeiten zwischen mir und Cafú gibt – außer vielleicht der Position und der Rückennummer (lacht).“

Innerhalb der Mannschaft heißt du aber immer noch Benno, oder?
„Natürlich bleibe ich der Benno. Aber wenn im ­Training mal eine Flanke von mir gut kommt, muss ich mir schon öfter mal ein paar Cafú-Rufe anhören (lacht).“

War Cafú ein Spieler, zu dem du als Kind aufgeschaut hast?
„In meiner Kindheit habe ich eher weniger von ihm mitbekommen. Ich kann mich nur noch an seine Zeit beim AC Mailand und an die WM 2006 mit ihm ­erinnern. Insgesamt waren meine Vorbilder aber eher die Spieler, die ich vor der eigenen Tür hatte. Auf meiner Position war das zum Beispiel Philipp Lahm. Mit dem habe ich dann später in München auch mal bei den Bayern zusammentrainiert. Das ist jemand, zu dem ich aufgeschaut habe.“

Der Vergleich zu Cafú kommt dennoch nicht von ­ungefähr. Wie der Brasilianer überzeugst du in ­dieser Saison mit großem Offensivdrang und Flankenstärke. Du hast die drittmeisten angekommenen Flanken aller Außenverteidiger geschlagen und ­bereits drei Treffer vorbereitet – etwas, das man ­vorher nicht unbedingt von dir gewohnt war.
„Das hängt ganz klar mit unserem Spielstil zusammen. Gerade wir Außenverteidiger stehen deutlich höher und verteidigen aggressiv nach vorne. Wenn wir in einer Umschaltbewegung den Ball gewinnen, sind wir direkt im Angriff involviert und können flanken. Hinzu kommt, dass jeder im Team offensiv denkt. Wir haben nicht nur den Sicherheitsgedanken im Kopf, sondern wollen mutig nach vorne spielen. In ­erster Linie geht es darum, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Das ist der große Unterschied zu den letzten Saisons, wo wir eben nicht diese offensive Spielweise hatten.“

Sind Flanken etwas, das du speziell trainierst?
„Wir trainieren Flanken natürlich im normalen Trainingsalltag. Darüber hinaus habe ich bei den Bayern eine sehr gute technische Grundausbildung genossen. Da hatten wir häufig 70 bis 80 Prozent Ballbesitz und mussten entsprechend Lösungen mit dem Ball finden. Vielleicht kam diese Stärke in den letzten Jahren nicht so zur Geltung. Mit Tony und Seb haben wir aktuell zwei Kopfballspieler vorne im Zentrum, die sich gut durchsetzen können – das macht es für mich leichter. Oft ist nicht nur die Flanke das Entscheidende, sondern auch das richtige Timing in der Mitte.“

Im Heimspiel gegen Fürth gehörtest du einmal mehr in dieser Saison zu den Matchwinnern. Nach der Partie hat ein FC-Fan ein Plakat hochgehalten mit der Aufschrift: „Legende Benno, schenk mir dein Trikot“. Macht dich so etwas stolz?
„Natürlich ist das etwas Schönes. Ich habe so etwas in der Vergangenheit weniger mitbekommen. Bei dem Spiel wurden sogar gleich zwei oder drei Plakate hochgehalten. Es liegt im Moment definitiv eine andere Aufmerksamkeit auf mir als es in den letzten Jahren der Fall war.“

Wie gehst du mit dem kleinen Hype um?
„Ich probiere, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Ich trainiere genauso wie vorher auch. Unabhängig davon, ob die Leistung gut oder schlecht bewertet wird, konzentriere ich mich auf mich. Ich lese nicht allzu viel Zeitung und nutze die sozialen Medien seit der Sommerpause gar nicht mehr. Man hängt manchmal doch recht lange am Smartphone und verliert so viel Zeit. Auch wenn ich dadurch vieles verpasse oder erst später erfahre, das Wichtigste bekomme ich auch so mit. Ich muss nicht jeden Tag up to date sein. Die Zeit, die ich dadurch gewinne, verbringe ich lieber mit meiner Familie.“

Während du in der Vergangenheit häufig in der Kritik standest, wirst du jetzt nahezu von allen Seiten hochgejubelt. Zeigt dein Beispiel auch, wie schnelllebig das Fußballgeschäft sein kann?
„Das Geschäft ist extrem schnelllebig geworden. Und ich glaube auch, dass Köln nochmal etwas Besonderes ist. Die Menschen hier sind in beide Richtungen deutlich emotionaler – positiv wie negativ. Ich ver­suche einfach, meine Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen.“

Das komplette Interview mit Benno Schmitz gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

  • empfehlen

Tabelle

Menu
Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
11Eintracht Frankfurt15
121. FC Köln15
13VfL Bochum 184813

FC-FANSHOP