Profis | 12.12.2018

FC-Stiftung

Weihnachtsessen mit FC-Profis

Der 1. FC Köln hat Obdachlose und andere Bedürftige zu einem Weihnachtsabend ins RheinEnergieSTADION eingeladen. Dort gab es für sie unter anderem ein Drei-Gänge-Menü – serviert von FC-Spielern.

„Willkommen in unserem Wohnzimmer.“ Alexander Wehrle sagt das häufiger, wenn er Gäste im RheinEnergieSTADION begrüßt, doch an diesem Abend haben die Worte des FC-Geschäftsführers eine besondere Bedeutung. Denn viele der rund 150 Menschen im 12. Mann in der Nordtribüne haben so etwas nicht, ein Wohnzimmer. Nicht einmal im übertragenen Sinne: Sie haben oft auch keine funktionierenden Familien, kein Netz mehr, mit denen sie die Weihnachtszeit verbringen. Zur FC-Familie jedoch gehören sie trotzdem. Das ist die Botschaft, mit dem die Stiftung 1. FC Köln Bedürftige zum Weihnachtsabend eingeladen hatte. „Zum ersten Mal, aber ab sofort jedes Jahr“, wie Wehrle betont.

Neben einem von FC-Stadionsprecher Michael Trippel moderiertem Programm mit Max Biermann und dem Gebärdenchor „Jecke Öhrcher“ in Begleitung von Oliver Blum gibt es ein Drei-Gänge-Menü für die Gäste. Den Hauptgang servieren Wehrle und FC-Vizepräsident Toni Schumacher, Sina Knobloch, Markus Jakob und Wolfgang Saam vom Vorstand des Fan-Projekts fans1991, der FC-Fanbeauftragte Rainer Mendel – und fünf Profis. Timo Horn, Anthony Modeste, Marco Höger, Matthias Lehmann und Dominick Drexler gehen von Tisch zu Tisch und drehen, so wie es bei der Einweisung vom Servicepersonal gelernt haben, das Fleisch immer zum Gast. Zwischen den Gängen ist Zeit, Autogramme zu schreiben und sich auszutauschen. Außerdem bekommen die Bedürftigen einen Beutel mit Weihnachtsgeschenken.

„In einem Verein wie dem 1. FC Köln geht es nicht nur um Fußball“

„Wir haben uns als Spieler vorher natürlich auch Gedanken gemacht, was man die Leute an so einem Abend fragen kann oder fragen darf“, sagt Timo Horn. Doch die Berührungsängste verfliegen. „Das Beste ist, wenn man die Menschen selbst erzählen lässt. Jeder hat seine eigene Geschichte.“ Und Marco Höger ergänzt: „Für uns ist es spannend, alles mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu erfahren. Wenn wir hier den Hauptgang auftragen, dann freuen sich alle und wir können etwas Gutes tun. In einem großen Traditionsverein wie dem 1. FC Köln geht es nicht nur um Fußball. Wir müssen immer auch ein Auge für andere Dinge haben.“

Toni Schumacher sitzt an einem Tisch mit zwei Männern, die er schon kennt. Im vergangenen Jahr war er mit dem Kölner Kältebus unterwegs gewesen, der Obdachlose mit Kleidung und Nahrung versorgt. „Das sind schon Schicksale, die man da hört“, sagt Schumacher. „Man erfährt aber auch viel, was man vorher nicht gedacht hätte. Mir hat eben jemand erzählt, dass er inzwischen lieber unter einer Brücke am Rhein lebt als in einer Wohnung, weil ihn das zu sehr in seiner Freiheit beschränken und einengen würde. Aber gerade in der kalten Jahreszeit ist das schon ein hartes Leben da draußen und deshalb ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die sich kümmern. Auch da müssen wir Vorbild sein als 1. FC Köln. Wir bleiben dran. Wenn wir das jetzt jedes Jahr machen, sinkt hoffentlich die Hemmschwelle und es trauen sich noch mehr Bedürftige hierher zu kommen.“

Die Kälte und das Kümmern, beides wird an diesem Abend oft angesprochen. Verena Klümpen vom Verein „Kölner Straßen und ihre Bewohner e.V.“ betont: „In dieser kalten Zeit ist es wichtig, ein Wir-Gefühl zu schaffen, sich auf Augenhöhe zu unterhalten und gemeinsam Zeit zu verbringen. Das Essen und die Geschenke sind oft sekundär.“ Dass es ausgerechnet der 1. FC Köln ist, der einlädt, ist den Gästen dabei nicht einerlei. Als auf der Bühne die FC-Hymne angestimmt wird, singt der ganze Saal mit. „Viele Menschen, die in Köln auf der Straße leben, sind auch FC-Fans“, sagt Verena Klümpen. Sie haben sich sehr gefreut, hier nicht nur ein paar prominente Gesichter zu sehen, sondern dass sie sich auf ein bisschen mit den Spielern unterhalten konnten.“ Ein Eindruck, den Timo Horn bestätigt. „Wir haben schon in den ersten Gesprächen gemerkt, dass die meisten hier FC-Fans sind, trotz ihres persönlichen Schicksals den FC verfolgen und uns die Daumen drücken.“

Die Stiftung 1. FC Köln und das Fan-Projekt fans1991 danken „Freunde der Kölner Straßen und ihrer Bewohner e.V.“ sowie „Helping Hands Cologne e.V.“ und „Care 4 Cologne e.V.“ für die Unterstützung.

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Tabelle

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Gesamttabelle
PL. Verein Pkt.
1 Hamburger SV 37
2 1. FC Köln 36
3 FC St. Pauli 34

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