Profis | 06.04.2018

Marcel Risse im GeißbockEcho

"Zum Gewinnen verdammt"

Nach fast anderthalb Jahren voller Rückschläge ist Marcel Risse zurück auf dem Platz. Im Interview mit dem GeißbockEcho spricht er über seine Leidenszeit, ein drohendes Karriereende – und die Frage, ob er mit dem FC in die zweite Liga gehen würde.

Marcel, wird das Spiel am Samstag gegen den ­direkten Abstiegskonkurrenten Mainz das Endspiel um den Klassenerhalt?
Es ist ein extrem wichtiges Spiel, aber es ist aus meiner Sicht nicht das Endspiel. Danach sind ja noch fünf Spiele, das darf man nicht vergessen. Klar, falls wir verlieren sollten, wird es mit dem Klassenerhalt sehr, sehr schwierig. Aber wenn wir gewinnen, rücken wir nah an Mainz heran – und dann kommen echte Endspiele.

Ihr könnt noch maximal 18 Punkte holen. Beginnt jetzt die Zeit des Tabellenrechners?
So schwer ist die Rechnung nicht. Wir brauchen so viele Punkte wie möglich. Wir wissen, dass es sechs Punkte Rückstand sind und dass nach der Niederlage gegen Hoffenheim durch das schlechte Torverhältnis gefühlt noch ein weiterer Punkt Rückstand dazu kommt. Wenn wir unsere Aufgaben nicht erledigen, brauchen wir erst gar nicht zu rechnen.

Wie ist jetzt, mit einigen Tagen Abstand, das 0:6 gegen Hoffenheim zu erklären?
Zu erklären ist es noch immer nicht. Wir hatten in der Defensive und in der Offensive keine Lösungen. Das ist bitter. Aber es bringt nichts, noch lange darüber zu reden, weil das Spiel am Wochenende gegen Mainz viel zu wichtig ist.

Zuletzt gab es immer dann neue Rückschläge, wenn ihr in Schlagdistanz zur Konkurrenz hättet kommen können.
Das sehe ich nicht ganz so. Wir kommen ja näher ran, der Rückstand ist kleiner als noch in der Winterpause. Was stimmt: Wir haben zuletzt die Spiele verloren, in die wir große Hoffnungen gesetzt haben, wie gegen Bremen und Stuttgart. Dafür haben wir gegen Leipzig und Leverkusen gewonnen, womit niemand gerechnet hatte. Wenn wir am Samstag gewinnen, wären wir auf einmal nur noch drei Punkte hinter Mainz. Wir wissen, was dann los wäre in unserer Stadt und bei unseren Fans – und bei der Konkurrenz.

Gleichzeitig wäre bei einer Niederlage der Abstieg kaum zu verhindern. Sprecht ihr in der Mannschaft darüber?
Jeder ist sich der Situation bewusst, in der wir stecken. Es ist extrem schwierig, gerade für den Kopf. Aber wir sollten nicht zu viel an das Negative denken, sondern uns auf das fokussieren, was wir erreichen können.

Was genau ist so schwierig für den Kopf?
Dass wir an jedem Wochenende zum Gewinnen ­verdammt sind. Wenn man eine solide Saison spielt, hat man nicht diesen enormen Druck, dem wir im Moment ausgesetzt sind. In normalen Jahren gehst du in ein Spiel mit der Einstellung: Wenn am Ende nur ein Punkt rausspringt, nehmen wir den eben mit. Im Moment gehen wir auf den Platz und wissen:Wir müssen gewinnen. Das ist extrem schwer.

Wieviel Energie kostet das?
Wenn man diese Situation jedes Jahr hätte, würde das einen auffressen. Wir waren wirklich verwöhnt die letzten Jahre. Den Druck, den wir vergangene Saison hatten, ob wir Europa League spielen oder nicht, den hätte ich jetzt gerne.

Für dich persönlich lief es in der vergangenen Saison zunächst großartig, du hast das Tor des Jahres erzielt und warst in Bestform – bis du dir im Dezember 2016 das Kreuzband gerissen hast und für mehr als ein halbes Jahr ausgefallen bist. Wie bitter war es, beim ­Rennen um Europa nur zuschauen zu können?
Die Zeit nach dem Kreuzbandriss war nicht einfach für mich. Das war schon ein extremer Bruch. Aber es gehört zum Profidasein dazu, auch mit solchen ­Situationen umzugehen. Und ich habe mich sehr ­gefreut, als wir uns für Europa qualifiziert haben. Das war eine außergewöhnliche Leistung. Ich habe mich in der Reha darauf fokussiert, so schnell wie möglich zurückzukommen, um in dieser Saison das ein oder andere europäische Spiel mitzumachen. Für eine Partie hat es ja sogar gereicht, für das Hinspiel gegen Arsenal. Aber dann gab es wieder einen Rückschlag bei meinem Knie.

Das komplette Interview gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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