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Bodo Illgner: „Die Harmonie hat mir in diesem Jahr gefehlt“
07.07.2026
Als Deutschland 1990 in Italien Weltmeister wurde, stand Bodo Illgner in allen sieben Spielen zwischen den Pfosten. Bis heute ist er der jüngste Stammtorhüter, der einen WM-Titel gewann, und einer von nur neun Spielern, die sich als Profi des 1. FC Köln zum Weltmeister krönten. Im Interview mit fc.de spricht die FC-Legende über die aktuelle WM in seiner Wahlheimat, zieht Vergleiche zu seiner Zeit in der Nationalmannschaft und verrät, was er an Köln bis heute vermisst.
Herr Illgner, eigentlich wollten wir mit Ihnen vor einem K.O.-Spiel der DFB-Auswahl sprechen. Nun ist Deutschland bereits ausgeschieden. Wie und wo haben Sie die Niederlage gegen Paraguay erlebt?
Ich war unterwegs und konnte das Spiel dementsprechend nicht sehen. Ich wurde aber von meinen Kindern informiert und habe gelegentlich auf mein Handy geschaut. Der Ausgang war natürlich sehr schade. Damit hat niemand gerechnet.
Was hat der deutschen Mannschaft in diesem Jahr gefehlt?
Um die Mannschaft hat von Anfang an viel Unruhe geherrscht – gerade von außen. Das war bei uns 1990 ganz anders. Da gab es eine positive Stimmung, es kam richtig Euphorie auf. Italien war als Gastgeberland sicher vorteilhaft. Es waren viele deutsche Fans vor Ort, die uns das Turnier über unterstützt haben und uns auf einer Welle schwimmen ließen. Diese Harmonie hat mir als Außenstehender in diesem Jahr gefehlt. Der Trainer und die Aufstellungen wurden in Frage gestellt. Das überträgt sich dann auch auf die Mannschaft.

Was machen die anderen Nationen aktuell besser?
Die anderen Topnationen haben allesamt Superstars in ihren Reihen. Wir haben auch tolle Spieler und eine gute Mannschaft, uns fehlen aktuell aber die absolut spielentscheidenden Spieler. Spieler wie Messi, Kane oder der Angriff der Franzosen machen bei diesem Turnier bislang den Unterschied.
Sie wohnen in den USA. Wie ist die Stimmung im Land? Merkt man etwas von der WM-Euphorie?
Im "Soccer” hat sich in den vergangenen 30 Jahren sehr viel getan. Es fing an mit Franz Beckenbauer und Pele, zur Weltmeisterschaft 1994 wurde die MLS eingeführt. Jetzt folgt mit dieser WM der nächste Anlauf. Vor allem bei den Jugendlichen gewinnt der Fußball an Bedeutung und spielt an den Colleges eine immer wichtiger werdende Bedeutung. Auf den Straßen ist von der WM-Stimmung allerdings wenig zu sehen, außer man ist in Miami in den lateinamerikanischen Vierteln unterwegs. Ob einige US-Fahnen extra für die WM gehisst wurden, ist schwierig zu sagen, denn die hängen hier das gesamte Jahr über (lacht).
Waren Sie bereits bei einem der Spiele im Stadion?
Ich war noch nicht im Stadion. Ich schaue mir die Spiele lieber gemütlich im TV an. Die Anfahrt, Sicherheitskontrollen und vielen Menschen sind mir zu viel. Ich habe mich unten auf dem Platz wohler gefühlt als oben auf der Tribüne.
Videobeweis, Hydration-Breaks – der Fußball hat sich in den vergangenen Jahren einiger Mittel bedient, die wir schon aus dem US-Sport kennen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Der Fußball entwickelt sich immer weiter. Ich fand beispielsweise die Einführung der Rückpassregel für Torhüter damals sehr gut. Dadurch hat sich das Torwartspiel nochmal weiterentwickelt. Torhüter wie Manuel Neuer oder Marc-Andre ter Stegen wären heute nicht so gut mit dem Ball am Fuß, wenn es die Änderung nicht gegeben hätte. Zu den Temperaturen: Ich habe die Hitze damals in Dallas auch erlebt. Bei 50 Grad war es auf dem Platz unerträglich. Dass mittlerweile auch standardisiert Trinkpausen gemacht werden, halte ich dahingehend für gerechtfertigt, um einen einheitlichen Rhythmus herzustellen.
Sie waren einige Male als TV-Experte im Einsatz. Ansonsten sind Sie im Profifußball nicht mehr so präsent wie andere Weltmeister, die im TV oder als Trainer/Funktionäre aktiv sind. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?
Ich lebe gerne zurückgezogen, deshalb habe ich mich bewusst dazu entschieden, nicht mehr aktiv im Fußball tätig zu sein. Am Anfang hatte es mich noch in den Fingern gejuckt, das hat sich mit der Zeit aber gelegt. Ich genieße mein Privatleben. Der Profifußball ist doch auch sehr stressig. Da werden die Haare schneller grau, als wenn man sich zurückzieht (lacht).

Wie intensiv verfolgen Sie noch den FC?
Ich bin viel unterwegs, da wird es oft schwierig, den FC zu verfolgen. Ich schaue mir die Ergebnisse und den Tabellenstand aber regelmäßig an. Es ist mir wichtig, dass der FC in der Bundesliga spielt. Ich finde es schade, dass es in den vergangenen Jahren nicht so gut lief, wie man es erhofft hätte. Der FC gehört definitiv in andere Tabellenregionen.
Gibt es etwas, das Sie an Köln vermissen?
Was ich vermisse, sind zuallererst die erfolgreichen Zeiten, die wir zwischen 1987 und 1992 hatten. Das war eine ganz besondere Zeit, die ich schon vermisst habe, als ich noch beim FC war, weil es am Ende meiner Zeit auch nicht mehr so gut lief wie noch unter Christoph Daum. Ich denke häufiger an die tolle Atmosphäre und die netten Menschen in der Stadt. Wenn wir mal in Deutschland sind, versuchen wir, den Dom zu besuchen. Das gehört zum Programm.















