
Borna Sosa: Ohne Reisepass zum FC
02.10.2026
Deadline Day. Noch sieben Stunden, dann ist das Sommertransferfenster geschlossen. Borna Sosa verlässt den Trainingsplatz von Crystal Palace. Der Kroate spielt seit 2025 für den Londoner Club, hat unter Trainer Oliver Glasner viel gelernt und zwei Titel gewonnen. Trotzdem will er wechseln, um wieder mehr zu spielen.
Sosa betritt die Kabine und schaut auf sein Handy. „Ich habe meine Nachrichten gecheckt und sehe plötzlich, dass mir geschrieben wurde, dass ich in zwei Stunden einen Flug habe“, erzählt der 28-Jährige anderthalb Monate später. „Ich hatte nichts bei mir und hätte es nicht mehr nach Hause geschafft.“ Nur mit dem Nötigsten und ohne Reisepass macht sich Sosa auf den Weg zum Flughafen. Er hat Glück und darf fliegen – obwohl er nur seinen Personalausweis dabei hat. „Ich habe ein Foto von meinem Pass gezeigt, das hat glücklicherweise gereicht“, erzählt er.
Lange war unklar, ob Sosa überhaupt wechseln darf oder ob Crystal Palace ihn als weitere Option behalten möchte. Doch kurz vor Schluss kommt Bewegung in die Sache. Sosa bekommt grünes Licht – und der FC fragt an.
Es ist nicht sein erster Wechsel am Deadline Day. Bereits im Sommer 2023 war er kurz vor Schluss vom VfB Stuttgart zu Ajax Amsterdam gewechselt. Stressig sei so ein Wechsel aber auch, wenn man ihn schon einmal mitgemacht hat, sagt Sosa. Wegen der tickenden Uhr sind die Untersuchungen und das Unterzeichnen des Vertrags eng getaktet. Wenige Minuten vor Ablauf der Deadline ist der Transfer perfekt. „Ich war nervös, nicht nur wegen der Zeit, sondern auch weil ich nicht zurück nach England gekommen wäre. Ohne deinen Reisepass darfst du nicht einreisen“, blickt Sosa zurück und lacht. „Ich habe mich sehr gefreut, dass es funktioniert hat. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt in Köln bin.“

Wieder in Deutschland
Sosa wollte unbedingt zurück in die Bundesliga. In Stuttgart erlebte er von 2018 bis 2023 die beste Zeit seiner Karriere. In 115 Pflichtspielen gelangen dem offensivstarken Linksverteidiger 40 Scorerpunkte. Auch abseits des Platzes ist Deutschland zu einem Zuhause geworden: „Deutschland ist meine zweite Heimat“, sagt Sosa.
In der Bundesliga möchte er nun wieder zu alter Stärke finden. Nach seinem Abschied aus Stuttgart lief es für ihn nicht mehr überall nach Wunsch. Bei Crystal Palace war er zuletzt nur Backup. Zuvor hatte er auch in den Niederlanden und Italien schwierige Phasen erlebt. Bei Ajax geriet er ins Hintertreffen, nachdem sein Förderer Sven Mislintat den Klub kurz nach seinem Wechsel verlassen hatte. Anschließend zog es Sosa zum FC Turin. Dort kam er zwar regelmäßig zum Einsatz, mit der italienischen Spielweise wurde er jedoch nicht richtig warm. „Die Serie A ist sehr defensiv geprägt“, erklärt Sosa. „In Turin habe ich in der ganzen Saison 15-mal geflankt. So viele Flanken habe ich in Stuttgart in einem Spiel geschlagen.“
Das soll sich beim FC ändern. Sein erster Eindruck von Köln ist schon einmal positiv: „Köln ist richtig schön.“ Die Stadt kennt er bereits, denn seine Schwester lebt hier. Bei ihr wohnte er auch in den ersten Wochen, bis er eine eigene Wohnung gefunden hatte. Sosa ist ein Familienmensch. Die freien Tage während der Länderspielpause verbrachte er in Zagreb mit seiner Familie und Freunden. Im Sommer zieht es ihn meist an die kroatische Küste, diesmal ging es für ein paar Tage zurück in seine Heimatstadt, in der er geboren wurde und aufgewachsen ist.
Flanken als Waffe
Im letzten Spiel vor der Länderspielpause hatte Sosa in Hamburg sein FC-Debüt gegeben. Doch auch der kroatische WM-Teilnehmer von 2022 konnte die zweite Saisonniederlage nicht verhindern. „Ich habe das Gefühl, dass wir mehr Punkte verdient hätten. In der Bundesliga werden aber kleine Fehler direkt bestraft“, sagt der Verteidiger.

Der FC war beim HSV über weite Strecken die dominantere Mannschaft. Während die Kölner den tiefen Hamburger Block nicht knacken konnten, nutzten die Gastgeber zwei Nachlässigkeiten in der Defensive und gewannen das Spiel. Sosa sieht dennoch Ansatzpunkte: „Wir müssen vielleicht mehr Risiko nehmen im letzten Drittel. Nicht immer querlegen, sondern früher den Abschluss suchen. Auch aus einem abgefälschten Schuss kann sich etwas Gefährliches entwickeln. Wir müssen diese Situationen aber erzwingen.“
Auch seine Flanken könnten beim FC zu einem wichtigen Element werden. Während seiner Zeit beim VfB zählte Sosa zu den stärksten Flankengebern der Bundesliga. Das Flankenschlagen konnte Sosa übrigens schon immer und sagt augenzwinkernd: „Mit der Fähigkeit wirst du geboren. Das kann man nicht trainieren. Ich konnte das von klein auf.“
Beim VfB hatte er mit Mario Gomez und Sasa Kalajdzic zwei Zielspieler, die seine Hereingabe verwerten konnten. Beim FC warten auf ihn mit Ragnar Ache und Thijs Dallinga zwei ähnlich kopfballstarke Stürmer. „Wir brauchen sicher noch etwas Zeit, bis sie genau wissen, in welchen Raum ich gerne flanke“, erklärt Sosa. „In Stuttgart hat das mit Sasa Kalajdzic fast ein halbes Jahr gedauert. In der Hinrunde haben wir kein Tor geschossen. In der Rückserie waren es dann sieben oder acht.“
Sosa möchte der Mannschaft helfen – und das nicht nur mit Flanken. Er wollte unbedingt zum FC und hat dafür am Deadline Day einiges auf sich genommen. Alles aus einem Grund: um wieder regelmäßig Fußball zu spielen. Am liebsten so, wie er es einst in der Bundesliga getan hat.















