
Castro-Montes: „Typisch spanisch? Mein Temperament!“
05.08.2026
Der Dienstag ist intensiv für die Profis des 1. FC Köln. Die Vormittagseinheit dauert über zwei Stunden, am Nachmittag stehen noch einmal Läufe an. Das alles bei hohen Temperaturen. Zwischen den beiden Einheiten nimmt sich Alessio Castro-Montes Zeit für fc.de. Im Interview spricht der Außenverteidiger über eine erste FC-Saison mit Auf und Abs, die Vorbereitung, Ziele und seinen Spanien-Bezug.
Alessio, fühlst Du Dich eigentlich als Weltmeister?
Alessio Castro-Montes: (lacht) Nein, nicht wirklich. Ich habe vor allem die belgische Mannschaft unterstützt. Als die beiden im Viertelfinale aufeinandergetroffen sind, hatte ich gemischte Gefühle. Nachdem Spanien gewonnen hatte, war ich im restlichen Turnier für sie und habe mich über den Titel gefreut. Aber nein, als Weltmeister fühle ich mich nicht.
Fieberst Du in der Regel mit beiden Teams?
Ja, ich drücke beiden die Daumen. Mein Vater unterstützt Spanien sehr stark. Er war sehr stolz nach dem WM-Sieg, der Glücklichste bei uns in der Familie.
Hast Du das Finale mit ihm geschaut?
Nein, ich habe nicht mit der Familie, sondern mit Freunden geschaut. Es war nicht das schönste Finale, da haben alle mehr erwartet. Aber am Ende zählt nur das Ergebnis.
Dein Vater ist Spanier. Was hast Du als Kind von der spanischen Kultur mitbekommen?
Vor allem durch meine Großeltern. Sie sind Spanier, lebten aber schon immer in Belgien, seit ich geboren bin. Immer wenn wir zu Besuch waren, gerade bei größeren Familienfesten, habe ich das spanische Flair gespürt. Alle haben spanisch gesprochen, laut und schnell – sie sprechen wirklich schnell. Es hört sich immer so an, als wären sie wütend (lacht). Meine Großeltern konnten auch sehr gut spanisches Essen kochen. Diese Erinnerungen habe ich.
Ist an Dir etwas typisch spanisch?
Mein Temperament, würde ich sagen. Ich habe schon ein bisschen das spanische Temperament in mir. Vor allem bei den Spielen kann man es sehen. Ansonsten bin ich eher ein ruhiger und entspannter Typ. Aber wenn wir am Wochenende spielen, kommt das spanische Temperament in mir hoch.
Schaust Du viel spanischen Fußball?
Nein, nicht wirklich. Ich bin Fan des FC Barcelona und versuche, das ein bisschen zu verfolgen und ein paar Spiele zu schauen. Aber nicht mehr so viel wie zur Zeit von Lionel Messi. Die Liga verfolge ich ansonsten nicht wirklich, weil ich auch allgemein nicht viel Fußball schaue, nur die Bundesliga, ein bisschen die Premier League und meine ehemaligen Vereine.
Warum der FC Barcelona?
Das ist ganz einfach: Mein Bruder und mein Vater waren für Real Madrid. Und ich wollte einfach dagegen sein. Dazu kam, dass erst Ronaldinho und später Messi für Barcelona gespielt haben, als ich mit dem Fußball aufgewachsen bin.
Am Freitag und Samstag testet Ihr in zwei Spielen gegen Real Sociedad San Sebastian. Weißt Du etwas über sie?
Ja, ich war letztes Jahr sogar in ihrem Stadion. Ich war mit meiner Familie im Süden Frankreichs und wir haben einen Tagesausflug nach San Sebastian gemacht. Eine wirklich schöne Stadt. Dadurch weiß ich ein bisschen etwas über sie. Sie haben den spanischen Pokal gewonnen und haben ein sehr gutes Team. Es wird nicht einfach und es ist ein guter Gegner, um zu sehen, wo wir stehen.

Sprechen wir noch ein bisschen über Dich und Deine erste Saison in Köln. Wie blickst Du darauf zurück?
Es ist gar nicht einfach, das kurz zusammenzufassen. Ich hatte einen schwierigen Beginn, konnte mich dann im Winter-Trainingslager neu zeigen und habe ein paar Spiele gemacht. Dann kam leider eine Verletzung und hat mich wieder gebremst. Es war also eine Achterbahnfahrt der Emotionen, mit sehr guten, aber auch vielen weniger guten Momenten. Ich habe vergangene Saison viel gelernt.
Was genau?
Vor allem wie der deutsche Fußball funktioniert und was wichtig für die Mannschaft ist. Die Physis, die Intensität – das ist auf einem anderen Niveau, als ich es aus Belgien kannte.
Wie gehst Du persönlich mit schwierigen Momenten um?
Das ist nie einfach, aber ich habe ein gutes Umfeld außerhalb des Fußballs mit meiner Frau und meiner Tochter. Wenn ich nach Hause komme, versuche ich abzuschalten und die Zeit mit meiner Familie zu genießen. Ich bin auch sehr positiv und werde immer alles geben und hart an mir arbeiten, um besser zu werden.
Am vergangenen Wochenende waren 40.000 FC-Fans bei der Saisoneröffnung, ohne dass ein Spiel stattgefunden hat. Was hast Du im vergangenen Jahr über den Verein gelernt?
Ich kannte den Verein schon ein bisschen, bevor ich hierher kam. Als ich die Gespräche mit dem Verein hatte, habe ich richtig realisiert, wie groß der Verein ist und wie toll die Fans sind. Das fasziniert mich auch nach einem Jahr immer wieder. Ich erinnere mich an mein erstes Heimspiel, aber auch an mein erstes Auswärtsspiel in Wolfsburg, als sehr viele FC-Fans im Stadion waren, oder das Spiel in Hoffenheim mit 15.000 Kölnern. Wie sie den Verein lieben und leben, ist einfach unglaublich zu sehen.

Du bist vergangenes Jahr erst kurz vor dem Ende des Transferfensters zum FC gekommen. Wie wichtig ist es für Dich, dass Du dieses Mal seit Beginn der Vorbereitung dabei warst?
Das war sehr wichtig. Es war letztes Jahr nicht ideal, dass ich im letzten Moment kam und sofort bereit sein musste für die Spiele. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es etwas länger gedauert hat, richtig anzukommen. Jetzt bin ich sehr glücklich, dass ich die Vorbereitung voll mitmachen kann und hoffe, dass ich gesund bleibe. Ich möchte zum Saisonstart in der besten Form und die beste Version von mir selbst sein.
Was für ein Gefühl hast Du zum aktuellen Stand der Vorbereitung?
Wir arbeiten sehr hart und das fühlt sich sehr gut an. Jeder bei uns im Team möchte auch hart arbeiten, das ist eine gute Sache. Wir wollen es diese Saison besser machen als letzte. Wir haben eine gute Truppe, die neuen Spieler sind schon voll dabei. Ich freue mich auf den Saisonstart.
Hast Du ein persönliches Ziel für die Saison?
Mein Ziel ist es, jedes Jahr besser zu werden als im letzten Jahr. Das ist auch jetzt mein Ziel. Ich habe vergangene Saison nicht so viele Spiele gemacht, das ist natürlich das Erste, was ich gerne verändern möchte.















