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Die Cullmanns: E Levve lang FC

15.06.2026
Bernd und Carsten Cullmann. Zwei Fußballer, zwei Generationen, eine Liebe: die zum 1. FC Köln. Vater und Sohn sind sogenannte One-Club-Men, die ihre ganze Profikarriere nur bei einem Club gespielt haben. In ­dieser Kombination (fast) einzigartig.
Alles auf Gelb. Wenn der sogenannte Deadline-Day ist, der letzte Tag einer Transferperiode, dann färbt sich der TV-Sender Sky einen ganzen Tag lang in Gelb. Was im Fußball inzwischen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr stattfindet, gipfelt in diesem Tag: der Transferjournalismus. Es muss alles noch schneller, noch exklusiver, noch lauter vonstatten gehen. Und – natürlich – mit noch mehr Geld. Große Summen, große Augen, große Reichweite. Jeder Wechsel zählt.
Und dann gibt es da die Cullmanns, Bernd und seinen Sohn Carsten. Zwei ruhige und zurückhaltende Persönlichkeiten. Mit ihnen könnten die Transfer­journalisten kein Geld machen, keine Breaking News verkaufen. Sie sind vom alten Schlag, und etwas, das es in der heutigen Zeit immer seltener gibt. Sogenannte One-Club-Men, also Fußballer, die in ihrer gesamten Karriere nur für einen Verein gespielt haben. Sowohl Bernd als auch Carsten haben als Profis immer nur für den 1. FC Köln gespielt. Die etwas schwierige Recherche dazu lässt vermuten, dass es diese Kombination aus Vater und Sohn, die beide eine Karriere lang nur für denselben Profiverein gespielt haben, nur noch ein zweites Mal auf der Welt gibt: Yehia und Hamada Emam beim ägyptischen Traditions­verein Zamalek SC.
Wenn man Carsten Cullmann auf seine Treue zum FC anspricht, muss er schmunzeln. Gedanken daran, den Verein zu wechseln, hat er nie verschwendet. „Im Gegenteil: Ich war immer froh, wenn der FC mit mir verlängern wollte. Deshalb habe ich auch nie bis aufs Letzte gepokert, sondern habe mich einfach wohlgefühlt und wollte hier weiterspielen“, sagt er. Das lag mit Sicherheit auch an seinem nicht alltäglichen Werdegang. Bis er 20 Jahre alt war, spielte er bei der SpVg Porz. Amateurfußball. Ambitionen, Profi zu werden, hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. „Wenn wir in der B- oder A-Jugend gegen den FC gespielt hatten, war das immer ein Weltenunterschied“, sagt Cullmann.

Besonderer Wechsel zum FC

Doch dann, Cullmann hatte schon zwei Saisons in der Bezirksliga für Porz gespielt, ergab sich die Möglichkeit, in die zweite Mannschaft des FC zu wechseln, deren Trainer Stephan Engels war. „So ein Schritt wäre heute wahrscheinlich nicht mehr möglich“, sagt Cullmann. Für ihn erfüllte sich mit dem Wechsel ein Traum. Und dann, nach dem ersten Bundesliga-Abstieg 1998, wurde der Profikader mit eigenen Spielern aufgefüllt und Cullmann spielte plötzlich sogar für die erste Mannschaft. „Das war ein besonderes Gefühl, ich wusste ja, wie wichtig der FC für so viele Menschen in der Stadt ist. Deshalb war es für mich auch immer eine Riesenverantwortung, unten auf dem Platz zu stehen. Ich habe mich ein bisschen stell­vertretend für die Fans gefühlt“, blickt er auf die Zeit zurück. Cullmanns Karriere nahm dadurch noch richtig Fahrt auf, am Ende sollte er 81 Bundesliga- und 111 Zweitliga-Spiele für den FC bestreiten. Die Zeiten waren nicht immer einfache. Cullmann erinnert sich an Spiele, nach denen die Fans das Marathon-Tor verriegelten, damit die Spieler nicht aus dem Stadion kamen.

Den Wechsel habe ich Wolfgang Weber zu verdanken, er hat damals dafür gesorgt, dass mich der FC gesichtet hat.

Bernd Cullmann

Rund 30 Jahre zuvor, im Jahr 1969, wechselte schon einmal ein Cullmann zum 1. FC Köln. Die Parallelen sind erstaunlich. Auch Bernd Cullmann war damals 20 Jahre alt, auch er kam von der SpVg Porz. „Den Wechsel habe ich Wolfgang Weber zu verdanken, er hat damals dafür gesorgt, dass mich der FC gesichtet hat. Ihm habe ich die Karriere zu verdanken“, sagt Bernd Cullmann heute im Rückblick.
Und er brachte sicher das größere Talent mit. Er spielte zunächst auch bei den Amateuren und kam dann in die Profimannschaft, für die er 459 Spiele (41 Tore) bestritt. „Mein Vater war sportlich natürlich weitaus erfolgreicher und hat viel mehr erreicht. Deshalb will ich mich gar nicht mit ihm vergleichen“, sagt Carsten Cullmann. Was sie dennoch vereinte? „Wir waren beide fleißig und hatten eine gute Einstellung.“

„Es war immer klar, dass der FC unser Verein ist“

Als kleines Kind hatte Carsten Cullmann noch gar nicht wirklich verstanden, dass sein Vater Fußballprofi war, obwohl er immer mit im Stadion war, das damals nur zu Topspielen voll war. „Wenn du damit aufwächst, ist es irgendwo normal“, sagt er. Erst als er selbst mit dem Fußball angefangen hatte, wurde er oft auf seinen Vater angesprochen. „Der Fußball hat bei uns immer eine große Rolle gespielt“, sagt Carsten Cullmann, ehe er lachend hinzufügt. „Und ich hatte ja gar keine Wahl zwischen verschiedenen Vereinen. Es war immer klar, dass der FC unser Verein ist.“ Das bestätigt auch sein Vater Bernd Cullmann: „Sein Verein konnte nur der FC werden, das ging nicht anders, das war zu Hause immer Gesprächsthema.“
Sein Vater war für ihn zwar immer ein Idol, aber nie der Lieblingsspieler, wie Carsten Cullmann verrät. „Das war in meiner Jugendzeit Thomas Häßler. Wegen seiner Spielweise und weil er der Kleinste auf dem Platz war. Ich war damals im Vergleich zu meinen Altersgenossen auch immer der Kleinste.“

Der Verein hat mein Leben geprägt und tut das bis heute.

Bernd Cullmann

Bernd Cullmann wurde mit dem FC Deutscher Meister 1978 und dreimal DFB-Pokalsieger, mit der Nationalmannschaft holte er den WM-Titel 1974 und den EM-Titel 1980. Seine ganze Karriere beim FC zu verbringen, stand dabei nie wirklich in Frage. „Der FC war zu dieser Zeit vom Renommee her einer der größten Clubs“, sagt Bernd Cullmann. Einzig als er unter Hennes Weisweiler zeitweise nicht so viel gespielt hatte, kamen einmal leichte Gedanken auf. „Aber es war nie eine wirkliche Option, den FC zu verlassen. Der Verein hat mein Leben geprägt und tut das bis heute.“ Beide Cullmanns enga­gieren sich noch bei der Traditionsmannschaft und Bernd Cullmann geht auch heute noch immer ins Stadion, wenn es möglich ist.

FC-Gen wird weitergegeben

Was den FC besonders macht? „Die Mentalität, die die Menschen in der Stadt haben, überträgt sich natürlich auch auf den Vereinen. Die Leute sind leicht zu euphorisieren, haben gute Stimmung. Mir hat es immer sehr viel Spaß gemacht, hier zu spielen“, sagt Carsten Cullmann.
Dieses FC-Gen gibt er seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt in der FC-Akademie an die Talente weiter. Die schönsten Momente sind, wenn Spieler aus dem eigenen Stall den Sprung zu den Profis schaffen. Sie leben dann den Traum, den einst auch die Cullmanns lebten. „Es ist immer eine Auszeichnung für alle in der Akademie, wenn es ein Spieler nach oben schafft. Dann spiegelt sich unsere Arbeit über Jahre in einem Moment wider“, sagt Carsten Cullmann.
Bernd Cullmann freut sich darüber, welchen Weg sein Sohn gegangen ist, als Spieler und Trainer. „Das macht mich schon stolz“, sagt er. Die Geschichte von Bernd und Carsten Cullmann ist eine einzigartige. Bernd und Carsten Cullmann sind etwas Besonderes, wenn auch nichts für die schrillen News des Deadline Days.
Die Geschichte über die Cullmanns ist zuerst im aktuellen GeißbockEcho (Ausgabe 4, Saison 2025/26) erschienen. In der gedruckten und digitalen Ausgabe findet Ihr viele weitere Hintergrundgeschichten und exklusive Interviews.

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