
Eren Dinkci: „Die Atmosphäre in Köln ist einfach geil“
11.09.2026
Eren Dinkci ist zurück an der Weser. Der 24-jährige gebürtige Bremer kehrte im Sommer zu seinem Jugend- und Heimatclub Werder Bremen zurück. Im Interview spricht er über den Werder-Start, die Leukämie-Erkrankung seiner Verlobten, seinen dadurch veränderten Blick, den Halt durch den Fußball und die Vorfreude auf das Samstagabendspiel beim 1. FC Köln.
Eren, das erste Spiel in Freiburg habt Ihr 1:4 verloren, dann zu Hause gegen Leipzig gewonnen. Kann man den Saisonstart als Wechselbad der Gefühle zusammenfassen?
Eren Dinkci: Wir haben gegen zwei Top-Gegner gespielt. Gegen Freiburg konnten wir nicht das auf den Platz bringen, wie wir es nun gegen Leipzig geschafft hatten. Das muss unsere Basis sein, dann brauchen wir uns nicht zu verstecken.
War es gegen Leipzig also das wahre Werder-Gesicht?
Ob das wahre Gesicht oder nicht – ich finde, dass wir genau so auftreten müssen. Auch in dem Spiel mussten wir in vielen Phasen verteidigen, das wird aber öfters der Fall sein und auch darauf müssen wir uns einstellen.
Ihr habt einige Neuzugänge im Team. Ist es normal, dass es zu Saisonbeginn ein bisschen braucht, um sich einzuspielen?
Ich denke, ja. Gerade gegen Leipzig waren sehr viele Neuzugänge in der Startelf. Mit vielen habe ich noch nie zusammengespielt und so geht es den anderen Neuen auch. Klar braucht das Zeit, aber solche Erfolge wie am Wochenende schweißen enger zusammen.
Nach einem Bankplatz im ersten Spiel hast Du gegen Leipzig begonnen und gleich getroffen. Wie blickst Du auf Deinen persönlichen Start?
Ich hatte in der Vorbereitung ein bisschen Pech mit Verletzungen. Vor dem Freiburg-Spiel hatte ich eine Woche mittrainiert, aber nur anteilig. Deshalb war mir bewusst, dass ich nicht von Anfang an dabei sein würde. Im Kader dabei zu sein und ein paar Minuten zu sammeln, war aber schön und wichtig für mich. Gegen Leipzig wurde ich dann ein bisschen ins kalte Wasser geworfen, weil wir Verletzungspech hatten. Dann gleich zu treffen und so in die Saison zu starten, war ein schönes Gefühl. Alles ist noch nicht gelungen, aber das braucht auch Zeit.
Welches Gefühl war es, wieder für Deinen Heimat- und Jugendclub Werder aufzulaufen?
Werder ist für mich Zuhause und Kindheit – das beschreibt es perfekt. Ich bin mit diesem Verein groß geworden. Bremen ist mein Zuhause und hier fühle ich mich einfach am wohlsten.

Was sind Deine ersten Erinnerungen an Werder?
Meine allererste Erinnerung ist das Champions-League-Spiel 2007, Werder gegen Real Madrid. Ich war mit meinem Vater im Stadion, wir hatten damals eine Dauerkarte und waren bei fast jedem Heimspiel, wenn ich nicht selbst gespielt habe. Mir kommen sofort Pizarro, Marin, Rosenberg oder Sanogo in den Kopf, da waren schon viele coole Spieler hier in Bremen.
Ihr habt die Leukämie-Erkrankung Deiner Verlobten Cinja öffentlich gemacht. Neben dem Verein und dem Sportlichen konnte man als Grund für Deinen Wechsel auch das Private lesen, Ihr wolltet wieder näher zur Familie. Wie habt Ihr Euch im Privaten wieder eingefunden in der Heimat?
Das macht es deutlich einfacher für uns beide. Wir waren meist nur zu zweit in Freiburg und hier haben wir die ganze Familie von mir um uns herum, dazu die Freunde, die uns alle unterstützen, wo es nur geht. Ich hoffe, dass es so weiterläuft, bis ihre Therapie zu Ende ist.
Wie geht es Cinja aktuell?
So weit so gut. Es gibt bei so einer Krankheit immer Ups und Downs, das ist auch normal. Das ist mental natürlich nicht immer einfach, sowohl für sie als auch für mich. Aber wir sind jetzt guter Dinge. Der erste Zyklus ist bald vorbei, dann gibt es noch zwei weitere Zyklen und dann hoffen wir, dass wir diese Scheiße beenden können.
Wie haben Dich diese Geschichte und die vergangenen Monate persönlich geprägt?
Enorm natürlich, man ist für viele, viele Dinge dankbar. Man unterschätzt das Leben ein bisschen, wenn man nicht in so einer Situation ist. Es ist ein Schicksalsschlag, es kann jeden treffen. Man muss dieses Leben in vollen Zügen genießen. Du weißt nie, was morgen kommt, deshalb muss man jede Minute, jede Stunde, jeden Tag so gut es geht genießen. Egal, ob die Sonne scheint, ob es regnet oder jemand schlecht drauf ist. Man muss einfach dankbar sein für das Leben und gesund zu sein.
Verändert das auch den Blick auf den Fußball, auf das reine Denken in Sieg oder Niederlage?
Im Sport willst du natürlich immer gewinnen, niemand verliert gerne. Aber es ist so, und das habe ich in meiner Situation noch einmal stärker gemerkt, dass es einfach wichtigere Dinge gibt als den Fußball.
Welche Bedeutung hatte der Fußball dennoch in der ganzen Zeit für Dich als Kraftquelle, Halt oder Ablenkung?
Ich glaube, ohne den Fußball wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen. Der Fußball ist ein bisschen mein Anker, woran ich mich festhalten kann, wo ich alles für den Moment vergessen kann. Wenn ich auf dem Platz stehe, sei es beim Spiel oder im Training, kann ich alles andere ausblenden. Das ist wichtig, denn sonst verkopfst Du komplett in der Situation.

Dann sprechen wir über den Fußball. Am Samstagabend spielt Ihr in Köln. Wie blickst Du darauf und wie schätzt Du den FC ein?
Ich liebe es, in Köln zu spielen, weil die Atmosphäre einfach geil ist. Ich freue mich riesig darauf, habe auch schon länger nicht mehr an einem Samstagabend gespielt. Es wird ein gutes Spiel, wahrscheinlich auch eine hitzige Partie. Köln hat nochmal Qualität dazu bekommen, wir aber auch. Die Fans können sich auf ein tolles Spiel freuen.















