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FC-Fans gedenken NS-Opfern in Prag und Terezín

17.09.2026
30 FC-Fans unterschiedlichen Alters haben sich vor kurzem gemeinsam auf den Weg gemacht, um Geschichte zu erleben, sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Erinnerungskultur zu übernehmen. Ziel der mehrtägigen Bildungsfahrt, an der auch Vizepräsident Jörg Alvermann teilnahm, waren Prag und die Gedenkstätte Terezín (Theresienstadt). Begleitet wurde die Reise vom Kölner Fanprojekt, ZWEITZEUGEN e.V. und in Kooperation mit Zeitreisen e.V.
„Der 1. FC Köln ist ein gemeinnütziger Verein. Wir fühlen uns über den Fußball hinaus dem Gemeinwohl verpflichtet. Es ist uns wichtig, immer wieder Momente und Angebote zu schaffen, durch die unsere Fans, Mitglieder und Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, über den Tellerrand hinauszublicken, sich zu engagieren und als FC-Familie zusammenzukommen“, erklärt Jörg Alvermann den Hintergrund der Reise.
Gerade im Kontext der Verbrechen des Nationalsozialismus seien solche Aktionen Teil eines permanenten Kampfes gegen das Vergessen: „Wir sehen auch heute bei politischen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt, wie wichtig historisches Verständnis ist. Denn gerade in der heutigen Zeit, wo jeder auf Social Media, im Internet in ungefilterter Form unzählige richtige, aber auch viel falsche Nachrichten bekommt, ist es wichtig, sich auch mal vor Ort mit den wenigen Zeitzeugen, die es noch gibt, ein eigenes Bild zu machen.“
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Bereits im Vorfeld hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einem gemeinsamen Vorbereitungstag intensiv mit der Geschichte des „Protektorats Böhmen und Mähren“, der nationalsozialistischen Herrschaft und der Geschichte des Ghettos Theresienstadt befasst. In Prag und Terezín wurden diese Themen an den historischen Orten greifbar.
„Wenn ich etwas vor Ort gesehen habe, eine Atmosphäre gespürt habe, hinterlässt das einen ganz anderen Eindruck. Dieses Sehen, vor Ort sein, davon berührt sein, was man dort mitkriegt, das hat eine ganz andere Intensität – und das kann kein Schulbuch leisten“, berichtet Jörg Alvermann.
In Prag besuchte die Gruppe verschiedene Orte und Spuren jüdischen Lebens und beschäftigte sich intensiv mit der nationalsozialistischen Verfolgung. Dabei wurde deutlich, wie eng die Geschichte der Stadt mit den Schicksalen der Menschen verbunden ist, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden.

Emotionale Erlebnisse für die Teilnehmenden

Ein besonderer Schwerpunkt der Reise lag auf dem Besuch der Gedenkstätte Terezín. Die Gruppe erhielt Einblicke in die Geschichte des Ghettos und des dortigen Gestapo-Gefängnisses. Besonders eindrücklich waren dabei die individuellen Lebensgeschichten der Menschen, die nach Theresienstadt deportiert wurden. Hinter Zahlen und historischen Ereignissen standen plötzlich konkrete Menschen, Familien und Biografien.
„Es war sehr emotional, ich hatte mehrfach Gänsehaut. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen Zeitzeugen getroffen. Es war sehr emotional“, sagt Teilnehmerin Sylvia Krueger. „Ich fand auch ganz klasse, dass wir so viele junge Leute dabei haben und wie die mit der Sache umgehen, das hat mich eigentlich mit am meisten berührt.“
Auch die Geschichte der verfolgten Roma und Sinti wurde thematisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten unter anderem die Gedenkstätte Lety und erfuhren grausame Details zur Verfolgung und Ermordung von Roma und Sinti während des Nationalsozialismus.
„Am meisten beeindruckt hat mich neben der Gedenkstätte in Lidice die Führung durch Theresienstadt, insbesondere die Begehung des jüdischen Friedhofs. Die Bilder werde ich in meinem Leben nie vergessen“, sagt Teilnehmer Florian Nisius.

„Erinnern heißt, Verantwortung zu übernehmen“

Neben den gemeinsamen Besuchen und Gesprächen blieb immer wieder Raum für persönliche Begegnungen und Reflexion. Die unterschiedlichen Altersgruppen und Lebensgeschichten der 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten dabei auch den Austausch untereinander zu einem wichtigen Teil der Fahrt.
„Erinnern heißt, Verantwortung zu übernehmen“ – diese Haltung stand über der gesamten Reise. Denn Gedenkstättenarbeit bedeutet nicht nur, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Sie stellt auch die Frage, welche Verantwortung wir heute tragen und wie wir dazu beitragen können, dass Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.
Für den 1. FC Köln gehört diese Verantwortung zum Selbstverständnis des Vereins. Der FC ist mehr als Fußball und übernimmt als großer gesellschaftlicher Akteur Verantwortung über das Spielfeld hinaus. Bildungs- und Erinnerungsformate wie die Gedenkstättenfahrt schaffen Räume für Begegnung, Auseinandersetzung und gemeinsames Lernen.
Die Reise nach Prag und Terezín hat gezeigt, wie wichtig es ist, Erinnerung lebendig zu halten – und wie viel entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam hinschauen, zuhören und sich mit Geschichte auseinandersetzen.
„Wenn die Teilnehmenden etwas mitgenommen haben, dann denke ich, Erinnerungen, unvergessliche Momente, Traurigkeit, Eindrücke, die sie weitertragen können, aber auch Begegnungen. Da sind vor Ort Freundschaften entstanden – und das ist etwas, dass mich zutiefst beeindruckt hat“, lautet das positive Fazit von Jörg Alvermann.
Mer stonn zesamme – auch beim Erinnern, Lernen und Übernehmen von Verantwortung.

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