
Florian Kainz: FC, Werder und neue Aufgaben
09.09.2026
Florian Kainz hat nach der vergangenen Saison seine aktive Karriere beendet und damit auch den 1. FC Köln nach siebeneinhalb Jahren verlassen. Vor dem Duell seiner beiden Ex-Clubs FC und Werder Bremen am Samstagabend (18.30 Uhr, FC-Liveticker) spricht der 33-Jährige über sein Leben ohne Fußball, neue Herausforderungen und den FC-Saisonstart.
Kainzi, nach Deinem letzten FC-Spiel ist bei Dir einiges passiert. Wie haben die vergangenen Monate für Dich ausgesehen?
Florian Kainz: Zunächst war ein bisschen Ruhe angesagt, wir waren als Familie im Urlaub und danach noch eine Zeit lang in Köln, wo wir die letzten Monate sehr genossen haben. Ende August stand der Umzug nach Graz an, der natürlich viel Bürokratie und Organisation mit sich bringt. Dazu habe ich viel Padel gespielt, trainiere für einen Halbmarathon und bereite mich auf meine neue Aufgabe als Experte für Canal+ in Österreich vor.
Konntest Du Köln ohne den Alltag als Profi besonders genießen in den letzten Monaten?
Definitiv. Wenn man kein Training hat und die Wochenenden frei planen kann, kann man Dinge machen, die während der aktiven Karriere weniger möglich waren. Ich konnte mit den Kindern viel Zeit verbringen und mit etwas Abstand vom Fußball Köln noch einmal anders genießen.
Manche Profis haben nach der Karriere Probleme damit, keine vorgegebene Struktur im Alltag mehr zu haben. Wie sah das bei Dir aus?
Ich bin grundsätzlich schon ein sehr strukturierter Mensch. Im August war kein Kindergarten und beide Kinder zu Hause, da mussten wir uns als Familie schon neu organisieren. Unser Großer kommt nun in die Schule und ich freue mich darauf, wenn der neue Alltag mit einer festen Struktur beginnt.
Wie wird dieser Alltag zukünftig aussehen?
Da kann ich noch gar nicht genau sagen. Wir müssen uns als Eltern erst einmal daran gewöhnen, dass unser Großer nun in die Schule geht. Dazu kommen dann meine Einsätze als Experte für Canal+, das muss sich erst einspielen.
War es für Dich schon länger ein Thema, nach der Karriere als Experte weiterzumachen?
Für mich war klar, dass ich im Fußball bleiben möchte und ich konnte mir nicht vorstellen, ein halbes oder ganzes Jahr nichts zu tun. Ich wollte gerne weiterarbeiten. Ich werde wahrscheinlich auch die Trainerlizenzen machen, aber die B-Lizenz in Österreich startet erst wieder im kommenden Jahr. Deshalb hat diese Möglichkeit sehr gut gepasst.
Wie willst Du als Experte sein?
Ich möchte meinen eigenen Weg finden. Wer mich kennt, der weiß, dass ich niemand bin, der um jeden Preis Schlagzeilen produzieren möchte. Ich versuche, die Dinge zu analysieren, auch die Sicht der Spieler einfließen zu lassen und den Zuschauern damit vielleicht noch einmal eine andere Perspektive mitzugeben.
Wann geht es los?
Am Mittwoch ist mein erster Einsatz in der Champions League. Canal+ überträgt Liverpool gegen Atletico, und ich werde dafür im Studio in Wien sein.
Daneben nimmst Du die Leute auf Social Media auf Deinem Weg zum Halbmarathon mit…
Ich wollte nach der Karriere sportlich aktiv bleiben. Ich habe viel Padel gespielt und angefangen zu laufen. Ich habe mit Jonas Hector gesprochen, der nach seiner Karriere einen Triathlon absolviert hat. Er hat erzählt, wie gut es ihm getan hat, direkt wieder ein Ziel vor Augen zu haben. Durch den Graz-Marathon hat sich das für mich gut angeboten, der Zeitpunkt passt gut und ich habe nach dem Umzug nach Graz noch etwa eineinhalb Monate zu trainieren. Auch das gibt mir Struktur im Alltag, ich habe einen Trainingsplan zusammengestellt und möchte viermal pro Woche laufen.
Viele Fußballer sind froh, wenn nach der Karriere die Laufeinheiten wegfallen. Wie ist das bei Dir?
Ich mache es ja aus eigener Motivation und nicht, weil ich es machen muss. Deshalb ist das kein Problem. Schwieriger ist es eher, die Zeiten für die Einheiten zu finden.

Wie schätzt Du Deine Zielzeit von 1:35 Stunde ein?
Nach meinem bisherigen Training würde ich sagen: Sehr ambitioniert (lacht). Ich habe mit einigen gesprochen, die sagten, ich würde das locker schaffen. Aber ich sehe das schon als schnell an. Trotzdem bleibe ich dran und versuche, die Zeit zu erreichen.
Welcher Typ Läufer bist Du?
Ich habe immer Musik drin. Weil ich oft spontan früh am Morgen vor dem Frühstück schon laufen gehe, laufe ich meistens allein. Ich genieße das aber auch, die Ruhe, die Musik – da bekommt man den Kopf frei.
Das erste Mal seit vielen Jahren bist Du nicht als Fußballer in eine neue Saison gestartet. Wie fühlt sich diese neue Perspektive an?
Ganz okay bislang. Gerade bei den FC-Spielen schaue ich natürlich genauer hin und verfolge das mit meiner Familie sehr intensiv. Ansonsten schaue ich Ergebnisse und Highlights. Bisher hat es noch nicht so sehr gejuckt, dass ich meine Entscheidung bereuen würde.
Wie hast Du den Saisonstart des FC gesehen?
Der erste Spieltag war super, ein richtiges Müngersdorfspiel, in dem der FC zurückgekommen ist. Es war wichtig, positiv zu starten. In Stuttgart war die erste Halbzeit nicht so gut, danach ist man aber auch zurückgekommen und hatte eine Druckphase. Stuttgart ist auch ein sehr starkes Team, da müsste alles passen, um etwas mitzunehmen. Insgesamt sehe ich den FC auf einem guten Weg. Die Mannschaft wirkt ausgeglichen und mit den drei Punkten nach zwei Spielen kann man gut in die nächsten Spiele gehen.

Wie hat Dir der Auftritt von Mikey Moore gefallen, der auch Deine Position im offensiven Mittelfeld spielt.
Man kann dem FC zu ihm eigentlich nur gratulieren. Es gab lange Gerüchte. Dass man bei der Personalie geduldig geblieben ist, hat sich ausgezahlt. Er ist ein sehr guter Transfer.
Am Samstagabend steht für den FC das Duell mit Werder Bremen an, einem anderen Deiner Ex-Clubs. Wie schätzt Du Werder ein?
Werder hat gegen Transferende noch einiges gemacht – das ist ein Stück weit typisch. Gegen Leipzig hat das Umschaltspiel sehr gut funktioniert und das Spiel zu gewinnen, war schon beeindruckend. Werder hat von den Einzelspielern her eine gute Bundesligamannschaft. Natürlich sind die Neuzugänge, die spät gekommen sind, noch nicht zu hundert Prozent integriert.
Was erwartest Du für ein Spiel am Samstag?
Die Spiele zwischen Köln und Bremen waren in den letzten Jahren meistens interessant und ausgeglichen – abgesehen vom 7:1 des FC und dem 6:1 von Werder. Ich glaube, man kann sich wieder auf ein spannendes Spiel zwischen zwei Traditionsvereinen freuen.
Und für welchen Deiner Ex-Clubs schlägt Dein Herz etwas stärker?
Schon etwas mehr für den FC – ohne dabei Bremen etwas Schlechtes zu wünschen. Aber nach siebeneinhalb Jahren beim FC und nachdem diese Zeit erst vor Kurzem zu Ende gegangen ist, ist die Bindung hier schon noch stärker.















