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Florian Kainz: „Nach harten Zeiten kommen wieder gute“
Nach siebeneinhalb Jahren verlässt Florian Kainz nicht nur den 1. FC Köln – er beendet in diesem Sommer auch seine Karriere als Fußballer. Im großen Interview mit dem GeißbockEcho spricht der 33-jährige Österreicher über seine Laufbahn, die besondere Verbindung zu Köln sowie den Umgang mit Erfolgen und Rückschlägen.
Kainzi, Karriereende-Interview – wie hört sich das für Dich an? Hast Du es schon realisiert, dass es jetzt vorbei ist?
Florian Kainz: Nein, ganz realisiert noch nicht. Ich glaube, das braucht noch ein bisschen Zeit nach dem letzten Spiel, bis sich das alles eingependelt hat.
Kannst Du uns ein in Deinen Entscheidungsprozess mitnehmen? Wann war für Dich klar, dass jetzt Schluss ist?
Das hat sich schon vor etwa zwei Jahren angedeutet, als wir abgestiegen sind. Da war die Grundsatzfrage: Bleibe ich in Köln oder mache ich noch etwas anderes? Ich habe mich damals entschieden zu bleiben und beim Wiederaufstieg zu helfen. Da war schon im Hinterkopf, dass ich meinen Vertrag verlängere und mir vorstellen kann, meine Karriere hier zu beenden. Es ist dann gut aufgegangen, dass wir direkt wieder aufgestiegen sind. Ich wollte die zwei Jahre noch machen und dann schauen, ob ich noch ein oder zwei Jahre dranhänge. Aber es hat sich so entwickelt, dass ich weniger gespielt habe, und im Frühjahr war für mich klar, dass ich meine Karriere beenden möchte. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, nochmal irgendwo anders neu anzugreifen.
War es für Dich nie eine Option, woanders weiterzuspielen, zum Beispiel in Graz?
Natürlich denkt man über verschiedene Szenarien nach. Aber ich habe früh entschieden, im Sommer aufzuhören. Ich hatte eine lange, schöne Karriere, und für mich war es der richtige Zeitpunkt. Deshalb habe ich auch nicht mehr groß über mögliche Angebote nachgedacht, sondern einen klaren Schlussstrich gezogen.
Mit wem triffst Du solche Entscheidungen?
Komplett allein natürlich nicht. Ob ich weiterspielen will, ist meine Entscheidung, aber ich spreche natürlich mit meiner Frau und meinem Berater. Das sind meine wichtigsten Ansprechpartner. Am Ende muss ich die Entscheidung aber selbst treffen.
Warst Du sofort im Reinen mit Deiner Entscheidung?
Ja, eigentlich schon. Ich kann mit solchen Situationen gut umgehen. Natürlich würde ich gerne noch mehr spielen – das will man immer als Fußballer. Aber da spielen viele Faktoren mit, und manches muss man akzeptieren. Die Entscheidung war für mich klar.

Wenn Du auf Deine Karriere blickst – wie stolz wäre der kleine Florian Kainz, der einmal aus Liebe zu diesem Spiel mit Fußball angefangen hat, darauf?
Sehr stolz. Wenn man als junger Spieler in Österreich anfängt und am Ende sagen kann, man hat zehn Jahre in Deutschland gespielt, war Nationalspieler – darauf kann man stolz sein. Ich habe viel erlebt, positive und negative Dinge, harte Zeiten, Verletzungen, Abstiege. Man nimmt aus all diesen Phasen viel mit.
Du hast die meisten Spiele für den FC gemacht und warst siebeneinhalb Jahre hier. Was bedeuten Dir die Stadt und der Verein?
Sehr viel. Wenn man so lange bei einem Verein ist, verbindet das extrem. Unsere Kinder sind hier geboren, das schafft noch einmal einen ganz besonderen Bezug. Meine Jungs gehen ins Stadion, kennen die Spieler, singen die Hymne – das macht stolz. Gerade im Fußball ist so eine lange Zeit bei einem Verein nicht selbstverständlich.
Wie hält man es als Grazer so lange in Köln aus?
(lacht) Ich bin schon lange weg aus Graz, seit 2014. Ich habe mich überall wohlgefühlt – in Wien, Bremen und jetzt in Köln. Wir leben hier schön, der Verein ist super, die Leute sind toll. Gerade im Geißbockheim habe ich viele Menschen schätzen gelernt, nicht nur in der Mannschaft, sondern im ganzen Verein.
Was hast Du an Köln besonders lieben gelernt?
Ich habe mich mit meinem Dialekt nie verstellt, und so ist der Kölner auch. Einfach echt. Und ich liebe mein Veedel Lindenthal, wo ich seit siebeneinhalb Jahren lebe. Ich kenne viele Orte, fühle mich sehr wohl. Ich bin einfach sehr gerne hier.
Fällt es Dir schwer, Köln zu verlassen?
Ja, schon. Nicht nur mit dem Fußball aufzuhören, sondern auch Köln zu verlassen, ist schwer. Aber alles hat seine Zeit, und man freut sich auch auf das, was kommt.

Wirst Du die Verbindung zu Köln aufrechterhalten?
Auf jeden Fall. Man muss schauen, wie sich das mit Schule und Alltag entwickelt, aber ich will regelmäßig zurückkommen. Die Spiele werde ich sowieso verfolgen, und der Kontakt wird nicht abbrechen.
Hättest Du bei Deinem Wechsel damals gedacht, dass diese Bindung so stark wird?
Man weiß schon, dass der Verein emotional ist. Aber dass ich siebeneinhalb Jahre bleibe, hätte ich nicht gedacht. Im Vergleich zu anderen Stationen ist die Zeit hier schon etwas Besonderes.
Du hast viel erlebt – Aufstiege, Abstieg, Europa. Wie blickst Du darauf zurück?
Irgendwie typisch FC – viel Auf und Ab. Ich hoffe, dass der Verein sich stabilisiert und sich im Mittelfeld der Bundesliga etabliert. Es gab schwierige Zeiten, etwa während Corona oder in der Relegation, aber auch richtig schöne Momente, wie der Einzug in die Conference League. Man nimmt aus allem etwas mit.
Welche Lehre ziehst Du daraus?
Dass nach harten Zeiten wieder gute kommen. Nach dem Abstieg habe ich eine Woche später die EM-Nominierung bekommen – eines meiner Karriere-Highlights. Solche Erfahrungen zeigen: Es geht immer weiter.
Wie gehst Du mit Erfolgen und Rückschlägen um?
Relativ ähnlich. Ich bin weder übermäßig euphorisch noch extrem niedergeschlagen. Ich versuche, die Dinge realistisch einzuordnen und zu schauen, was ich besser machen kann.
Was prägt einen mehr – gute oder schlechte Zeiten?
Für mich die schwierigen Phasen. Daraus lernt man am meisten.
Du kamst als Mittzwanziger nach Köln, warst hier später Kapitän und Führungsspieler. Wie hat sich Deine Rolle in der Mannschaft verändert?
Die Rolle, aber auch der Fußball hat sich verändert. Die Hierarchien sind flacher geworden. Früher gab es klarere Strukturen, heute kann jeder seine Meinung sagen. Ich versuche, jüngeren Spielern zu helfen, aber ohne großes Aufheben darum zu machen.

Wie bist Du in dieser Saison damit umgegangen, weniger zu spielen?
Es ist schwer, klar. Aber ich wusste, dass meine Rolle sich verändert. Ich habe versucht, das anzunehmen und meine Chancen zu nutzen, wenn sie kommen. Am Ende entscheidet der Trainer, und ich muss das akzeptieren.
War Deine Knieverletzung die schwerste Phase?
Eine schwere Phase, ja. Aber ich wusste, ich habe noch Zeit zurückzukommen. Es gab auch andere harte Zeiten – der Abstieg als Kapitän zum Beispiel. Persönlich auch, nicht mehr Kapitän zu sein. Oder der Wechsel als junger Spieler von Sturm zu Rapid.
Wie war es, nach dem Abstieg nicht mehr Kapitän zu sein?
Nicht schön. Aber ich wollte mich nicht verstellen. Ich bin nicht der Typ, der laut herumschreit. Ich habe versucht, die Rolle auf meine Art auszufüllen. Nach dem Abstieg hat sich der Verein für das Amt etwas Neues vorgestellt. Die Entscheidung musste ich akzeptieren.
Was waren Deine Highlights?
Das Derby gegen Gladbach mit zwei Elfmetertoren, mein Freistoßtor gegen Hamburg, der Einzug in die Conference League – da waren viele schöne Momente dabei.
Gibt es etwas, das Dich besonders beeindruckt hat über die Jahre?
Die Treue der Fans. Gerade in den letzten Jahren haben sie uns unglaublich unterstützt – auch nach dem Abstieg und in schwierigen Phasen. Das ist wirklich besonders.
Du bist auch für Deine lustige Art bekannt, in Österreich nennt man es wahrscheinlich Schmäh. Welche Rolle spielt Humor für Dich auch im Fußballgeschäft?
Eine große. Ich habe immer gerne Zeit mit Mitspielern verbracht, in der Kabine oder im Trainingslager. Das Zwischenmenschliche ist wichtig. Wir sind nicht nur Fußballer, sondern auch Menschen.
Wie haben Dich Deine verschiedenen Stationen geprägt?
Jede auf ihre Weise. Graz als Heimat, Wien als erste große Veränderung, Bremen als Schritt ins Ausland – jede Station hat mich weitergebracht.
Was hat Dir der Fußball insgesamt gegeben?
Freude, Emotionen, Freundschaften.
Was nimmst Du für Dein Leben nach der Karriere mit?
Viele Erfahrungen, viele Menschen, Freundschaften. Von jedem Trainer und Verantwortlichen kann man etwas lernen – Positives und Negatives.
Worauf freust du Dich jetzt, und was wirst Du vermissen?
Vermissen werde ich die Kabine, die Jungs, die Emotionen auf dem Platz. Worauf ich mich freue? Mehr Zeit mit der Familie, etwas Ruhe und weniger Druck.
Wie sehen Deine Zukunftspläne aus?
Erstmal Pause machen, schauen, was kommt. Ich muss herausfinden, was ich wirklich machen will. Wir ziehen zurück nach Graz, vorher geht’s noch in den Urlaub.
Kannst Du Dir vorstellen, im Fußball zu bleiben?
Ja, grundsätzlich schon. Aber in welcher Form, weiß ich noch nicht.
Das Interview mit Florian Kainz ist zuerst im aktuellen GeißbockEcho (Ausgabe 4, Saison 2025/26) erschienen. In der gedruckten und digitalen Ausgabe findet Ihr viele weitere Hintergrundgeschichten und exklusive Interviews.
