
Heiner Lauterbach: So wurde ich FC-Fan
27.09.2026
Heiner Lauterbach ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands – und seit Kindertagen leidenschaftlicher Fußballfan. Sein Herz schlug dabei schon immer für den 1. FC Köln. Im Interview mit dem GeißbockEcho erzählt Lauterbach, wie seine Liebe zum FC begann, welche FC-Helden ihn als Kind begeisterten und wie er selbst einst am Geißbockheim gegen den Ball trat.
Heiner, was bedeutet Dir der 1. FC Köln?
Heiner Lauterbach: Der Fußball ist mein lebensbegleitendes Hobby und der 1. FC Köln ist meine Mannschaft. Der normalsterbliche Fußballfan hat ja nur einen Club. Ich habe das Gefühl, dass viele heute nur noch für das Event ins Stadion gehen. Das mache ich nicht. Freunde von mir schauen sich Liverpool gegen Manchester City an. Das sind sicher auch schöne Spiele, sie interessieren mich nur überhaupt nicht. Für mich ist der entscheidende Reiz beim Fußball, dass man parteiisch ist. Das macht ein Spiel für mich spannend. Deswegen habe ich nur den 1. FC Köln und die deutsche Nationalmannschaft.
Wer oder was hat Dich zum FC-Fan gemacht?
Ich bin in der Friedrich-Schmidt-Straße in Lindenthal geboren und aufgewachsen. Das ist anderthalb Kilometer vom Stadion entfernt. Dazu habe ich beim FC in der Jugend gespielt. Mit sechs oder sieben Jahren war ich mit meinem Vater das erste Mal im Stadion. Was soll man da anderes werden? Schalke-Fan? Da hast du keine andere Chance und das ist auch in Ordnung. Ich liebe den Verein und die Stadt.
Du warst früher also oft im Stadion?
Als Kind war ich immer, wenn ich konnte, in der Südkurve. Und ich konnte meistens.
Kannst Du Dich noch an ein besonderes Spiel erinnern?
Als wir 1978 Meister geworden sind, haben wir im darauffolgenden Jahr im Europapokal der Landesmeister gespielt. Wir sind dann auf Nottingham Forrest getroffen und haben im Hinspiel in England 3:3 gespielt. Damals war ich mit Freunden in Italien im Urlaub. Ich hatte das Ergebnis in den Nachrichten gesehen und habe mich unheimlich auf das Rückspiel gefreut. Da war ich dann im Stadion und wir haben 0:1 verloren. Ich weiß noch, dass Heinz Flohe die Latte getroffen hat. Seit diesen Tagen bin ich FC-Fan und das wird sich nicht mehr ändern, auch wenn mir der FC hin und wieder tierisch auf den Geist geht.

Hast Du deshalb mal gesagt, dass Du hoffst, hypnotisiert zu werden, um als Bayern-Fan wachzuwerden?
Nein, nein, hoffen tu ich das nicht (lacht). Ich habe mal gesagt, dass ich darüber nachgedacht habe, mich hypnotisieren zu lassen, um Bayern-Fan zu werden. Da würde ich mich wesentlich leichter tun. Dafür muss man wissen, dass ich die FC-Spiele zuhause meistens mit einem Freund über eine Standleitung schaue. Wenn wir dann nervtötend spielen und so typische FC-Dinge passieren, fragen wir uns, was wir eigentlich für ein unglaublich beschissenes Hobby haben. Da habe ich dann auch mal drüber nachgedacht, mich hypnotisieren zu lassen. Die Bayern verlieren ja höchstens dreimal im Jahr.
Wäre das nicht langweilig?
Nein, nein, nein! Das wäre wunderbar! Ich würde das lieben. Es würde mir auch nie langweilig werden.
Du bist also doch auch ein Genießer von attraktivem Fußball.
Ja, wenn es deutscher Fußball ist. Wenn ein deutscher Club gegen Real Madrid spielt, bin ich immer für einen deutschen Sieg. Da bin ich schon patriotisch.
Selbst wenn es Gladbach oder Leverkusen sind?
Ja, definitiv. Da bin ich nicht so. Auch wenn ich viele Vereine lieber habe als Gladbach, Leverkusen und Düsseldorf (lacht). Die Gladbacher haben uns auch einige tolle internationale Spiele geschenkt und ich mag den Günter Netzer zu gerne. Das ist ein ganz feiner Mensch.
Du hast eben Deine Jahre im FC-Nachwuchs erwähnt. Woran hat es gelegen, dass Heiner Lauterbach nie im Müngersdorfer Stadion aufgelaufen ist?
Ich habe nur anderthalb Jahre beim FC gespielt und bin zu der Zeit immer wieder umgezogen und später auch auf ein Internat gegangen. Man muss aber nicht traurig sein, dass ich meine Fußballerkarriere nicht fortgesetzt habe. Eine große Leuchte wäre ich wohl nicht geworden. Beim FC habe ich relativ schnell gemerkt, dass es auch bessere Spieler als mich gibt.
Auf welcher Position hast Du gespielt?
Ich habe halbrechts mit der Rückennummer acht gespielt. Damals waren die Positionen etwas anders und man hat oft mit fünf Stürmern agiert.
Hattest Du damals Vorbilder?
Für uns Kinder in Köln war Wolfgang Overath natürlich das Vorbild. Dann Heinz Flohe, der ein unglaublich guter Fußballer war. Ich finde aber auch, dass Franz Beckenbauer fußballerisch Großartiges geleistet hat – für unser ganzes Land. Als ich 1976 in Paris auf der Zirkusschule war und gefragt wurde, woher ich komme, haben die Franzosen nur ‚Beckenbauer, Beckenbauer‘ gerufen. Sie kannten niemanden aus Deutschland, außer Beckenbauer. Diese Strahlkraft war schon enorm.

Hast Du Dich zu der Zeit auch schon der Schauspielerei gewidmet?
So richtig fing das erst später an. Am Internat habe ich als Kind schon Laienspiel gemacht, was mich dazu bewogen hat, Schauspieler werden zu wollen. Danach gab es eine längere Pause, bis ich mit 18 Jahren auf die Schauspielschule gegangen bin.
Wann wusstest Du, dass Du ein guter Schauspieler bist?
Wir hatten Aufführungen in der Schule, in denen ich mich hervor getan habe. Dafür habe ich damals auch einen Preis bekommen. Das lag mir irgendwie, auch wenn ich da bei weitem noch kein guter Schauspieler war. Ich habe aber gemerkt, dass ich große Freude daran habe, was unglaublich wichtig ist im Leben. Zum anderen wusste ich, dass ich ein gewisses Talent habe.
Gibt es jemanden aus der FC-Historie, den man gut vor der Kamera spielen könnte?
Einer der interessantesten FC-Spieler überhaupt ist für mich Jonas Hector. Weil er diesen wunderbaren Satz gesagt hat: ‚Ich bin zufrieden mit meinem Leben.‘ Das hatte er damals gesagt, als er nicht nach England gewechselt ist. Das ist einfach herrlich und philosophisch – nicht nur für einen Fußballer, sondern für alle Menschen. Davon könnte sich unsere ganze Gesellschaft eine Scheibe abschneiden. Mit der Aussage hat er voll in mein Herz getroffen. Einen Jonas-Hector-Film könnte man durchaus machen, weil er über den Fußball hinaus geht. Nicht nur wegen der Aussage, auch aufgrund seines Handelns. Er hat viel mehr gehandelt als gesprochen. Er war einfach ein vorbildlicher Capitano. Das hat mir sehr gefallen.
Was zeichnet einen guten Schauspieler für Dich aus?
Natürlichkeit. Eine wirkliche, überzeugende Wahrhaftigkeit. Das ist eine große Herausforderung und offensichtlich nicht so einfach, weil ich es bei vielen Schauspielern vermisse. Zum einen, weil sie nicht natürlich sprechen, was man bei weniger hochwertigen Formaten häufiger sieht oder sie spielen, als ob sie bei sich auf der Schulter sitzen und sich selbst großartig finden. Die Figur wahrhaftig darzustellen, darin liegt unsere Kunst.
Max von der Groeben glaubt, dass ihm die kölsche Art in der Schauspielbranche geholfen hat. Siehst Du das ähnlich?
Das kann schon sein. Der Kölner ist gesellig, offen und tolerant. Das sind für mich die schönen kölschen Eigenschaften. Wir haben in der Hinsicht schon eine gewisse Begabung. Das sieht man zum Beispiel an den Bütten reden. Ich denke da an Marc Metzger oder Hans Süper – das waren auch Schauspieler.
Was an Dir ist typisch Kölsch?
Da habe ich einige Attitüden in mir. Das sind sicher die, die ich gerade genannt habe. In das Miteinander wird man einfach reingeboren. Früher war ich immer mit meiner Mutter und Tante im Glöckchen schunkeln. Das sind einfach schöne Eigenschaften. Ich bin ein sehr toleranter Mensch. Für mich gibt es keine Menschen anderer Klassen, geschweige denn Haut farben oder sexueller Interessen. Für mich gibt es nur nette Menschen und Arschgeigen – und viele, die sich dazwischen bewegen (lacht). Leben und leben lassen, das gehört einfach zu Köln. Dafür bin ich auch froh, Kölner zu sein.

Du wohnst nun schon länger in Bayern. Vermisst Du Köln manchmal?
Sagen wir es so: Ich freue mich jedes Mal, wenn ich nach Köln komme. Ich kann hier von meinem Haus auf den Starnberger See schauen. Da würde ich lügen, wenn ich sage, dass mir die Tränen herunterkullern, weil ich den Dom gerade vermisse (lacht). Dafür bin ich auch zu oft in Köln. Die Stadt ist einfach in meinem Herzen. Wenn ich komme, fahre ich immer über die Deutzer- oder Severinsbrücke, um einen guten Blick auf das Dom-Panorama zu haben.
Du stehst viel vor der Kamera. Wie viel Zeit bleibt Dir da, Deinem Hobby nachzugehen und Fußball zu schauen?
Früher war das ein größeres Problem. Heute, wo alles übertragen wird, ist es das nicht mehr. Ich richte meine Termine oft auch nach den Spielen. Am Samstag habe ich die Probe für meine kommende Tour extra so gelegt, dass ich beim ersten Heimspiel gegen Hoffenheim im Stadion sein kann. Bei Welt- und Europameisterschaften ist das schwieriger, doch auch da versuche ich mich zu wehren. Da kann ein Spiel auch schon mal auf einen Drehtag fallen. Ich habe aber auch schon gesagt, dass ich an den Tagen, an denen Deutschland spielt, nicht drehe. Da saßen die Produktionsleiter dann und haben die kommenden Tage wild geplant, je nachdem, wievielter Deutschland in der Gruppe werden würde (lacht).
Bist Du eher ein emotionaler oder ruhiger Zuschauer?
Ich bin zuhause wesentlich lauter als im Stadion. Meine Frau bekommt immer einen Anfall, wenn ich hier schaue. Dann muss ich alle Türen dazwischen schließen, weil es gut sein kann, dass ich mich aufrege. Leider meistens über den FC, manchmal auch über den Schiedsrichter. Wenn der FC spielt, weiß jeder, dass er mich in Ruhe lassen sollte. Da musst Du schon ein Volltrottel sein, wenn du mich versuchst anzurufen (lacht).
Du warst beim ersten Heimspiel gegen Hoffenheim im Stadion. Worauf freust Du Dich bei Stadionbesuchen am meisten?
Ich setze mich im Business Bereich am liebsten zu den ehemaligen FC-Profis wie Wolfgang Weber. Das sind die Helden meiner Kindheit, die ich im Laufe der Jahre alle kennenlernen durfte. Das war unheimlich schön für mich. Wir sitzen dann zusammen und unterhalten uns über alle möglichen Themen.
Was wünscht Du dem FC für diese Saison?
Ein anderes Mindset. Da gab es unter dem neuen Vorstand und auch Thomas Kessler schon ein Umdenken. Ich würde mir wünschen, dass wir die Spieler, die in einer Saison gut spielen, auch langfristig vom FC überzeugen können. Das hat mir in den letzten Jahren oft gefehlt. Die El-Mala-Verlängerung war für mich nochmal ein Schritt in die richtige Richtung. Ein besseres Stadion? Bessere Fans? Eine schönere Stadt? Das gibt’s sowieso nirgendwo anders. Jetzt müssen wir dahin kommen, dass wir auch sportlich eine Top-Adresse sind. Andere Vereine haben es vorgemacht, dass es mit ein paar mutigen Entscheidungen auch schnell wieder in andere Regionen gehen kann. Das wünsche ich mir für die Zukunft.
Das Interview ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 1, Saison 2026/27) erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich. Falls Ihr die neue Ausgabe in gedruckter Form lesen wollt, könnt Ihr Euch das GeißbockEcho hier im Fanshop bestellen.















