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Immer dabei: Allesfahrerin Silvia Krüger

17.06.2026
Seit fast vier Jahrzehnten verpasst Silvia Krüger kein Spiel des 1. FC Köln. In der neuen Ausgabe des GeißbockEcho erklärte Sie, wann Ihre Liebe zum FC entfachte und was hinter dem Leben einer Allesfahrerin steckt.
Wenn sie im Stadion ist, wird sie noch immer nervös. In spannenden Momenten hält sie sich die Hände vor das Gesicht und blinzelt zwischen den Fingern hervor. Dabei hat sie seit 1989 kein Spiel des 1. FC Köln mehr verpasst. Silvia Krüger ist immer da, egal wann, egal wo. Sie war elf Jahre alt, als sie das erste Mal ein Stadion betrat. Es war der 6. August 1977. Dieses Datum wird sie nie vergessen – es steht auf ihrem Arm tätowiert. Eigentlich war sie nur mitgekommen, um Zeit mit ihrem Vater und Cousin zu verbringen. Der FC spielte bei Fortuna Düsseldorf. Bevor die Partie angepfiffen wurde, sollte sie entscheiden, wem sie die Daumen drückt. Ihr Vater, der ebenfalls leidenschaftlicher FC Anhänger war, hielt ihr zwei Kappen hin. Sie wählte den Geißbock.
Es war eine Entscheidung, die ihr Leben prägen sollte. Mit ihrer FC-Kappe stellte sie sich in den Heimbereich. „Wenn es dir gefällt, gehen wir nächste Woche dahin, wo die Guten stehen“, sagte ihr Vater und zeigte auf den Gästeblock. Krüger gefiel es – noch am Abend musste sich ihre Mutter vor die Nähmaschine setzen und ihr eine FC-Fahne basteln. Fortan gingen sie häufiger ins Stadion.
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Mit 16 machte sie ihre erste Auswärtstour – allein. Um sich die Busfahrt zu finanzieren, putzte Krüger das Haus ihres Großvaters. „Ich habe da so oft geputzt, da war es blitzeblank“, erzählt sie und lacht. Vor ihrer ersten Fahrt hatten die Eltern Angst, sie allein losfahren zu lassen. Doch sie wollte es, auch wenn sie damals noch schüchtern war und sich in der Schule nur selten meldete. In den noch stark männergeprägten Fußballstadien lernte sie sich schließlich durch zusetzen. Die Erlebnisse prägten und machten sie zu der Frau, die sie heute ist.
Silvia Krüger kommt aus Langenfeld und arbeitet bis heute auf der anderen Rheinseite. Seit sie 16 ist, hat sie den gleichen Arbeitgeber. Dass man ihr die Freiheiten für die Touren ermöglicht, weiß sie sehr zu schätzen. Sie verdient gut. Für FC-Spiele putzen, muss sie längst nicht mehr. Dass sie zur Allesfahrerin wurde, war kein Entschluss. Es entwickelte sich über die Jahre. Sie war halt immer da. Früher nervte sie die Fanbeauftragten, weil sie sich immer nach den neuesten Auswärtsfahrten erkundigt hatte. Als der FC als erster Bundesligist eine Auswärtsdauerkarte ein führte, war sie eine der ersten Menschen, die eine besaß. Die Karte musste sie bis heute nicht abgeben.
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Krüger ist in der Regel mit einer sieben köpfigen Gruppe unterwegs. Meist fährt sie mit dem Zug und bleibt das ganze Wochenende. Von der DFL würde sie sich wünschen, dass die Spiele früher terminiert werden. Sobald der Spielplan im Sommer veröffentlicht wird, herrscht Hektik in der Gruppe. Es werden mehrere Hotels und Fahrten gebucht, die je nach Terminierung später wieder storniert werden. „Wir haben einen Spezialisten, der sich um die Buchungen kümmert“, erklärt Krüger. Nervös bleibt sie allerdings trotzdem: „Ich war die Einzige von uns, die selbst in Paderborn übernachtet hat. Ich wollte das Spiel damals auf keinen Fall verpassen.“
Die einzigen Partien, die sie verpasste, waren die Geisterspiele während der Corona-Pandemie. Die Spiele gemütlich auf der Couch zu schauen, habe durchaus seinen Reiz gehabt, gab Krüger zu. Als die Stadiontore einige Monate später öffneten, war sie trotzdem wieder dabei. „Das ist wie eine Sucht“, sagt sie. Es gibt keinen Grund, ein FC-Spiel zu verpassen. Das weiß auch ihre Familie. „Meine ganze Familie ist darauf eingerichtet. Niemand würde eine wichtige Feier auf einen Spieltag legen.“ Ihr 60. Geburtstag fiel in diesem Jahr auf das Auswärtsspiel in Frankfurt. Die große Geburtstagsfete musste ausfallen, stattdessen feierte sie im Waldstadion.
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Silvia Krüger (rechts) bei einer Auswärtsfahrt.
Krüger war nie verheiratet. „Da habe ich keine Zeit für“, erklärt sie und schiebt gleich hinterher: „Bei so einem Hobby brauchst du jemanden, der genauso bekloppt ist wie du.“ Mit 18 Jahren war sie tatsächlich mal verlobt, ausgerechnet mit einem Düsseldorfer. „Er war der Meinung, Mädchen hätten beim Fußball nichts verloren, ich sollte mir lieber ein Pferd kaufen. Das hat nicht funktioniert.“
Sie ist zufrieden mit ihrem Leben. Sie hat viele Freunde, eine enge Familie, Patenkinder – und ihren FC. Mit ihrem Verein hat sie schon alles erlebt. Sie war international unterwegs, stand im Pokalfinale und hat Titel gewonnen. „Ich bin in meiner ersten Saison Meister geworden. Ich war nicht in der Champions League, das muss ich aber nicht unbedingt haben. Ansonsten habe ich alles erlebt und bin glücklich, wie es gerade ist.“ Ihre einzige Angst ist, dass sie irgendwann nicht mehr fit genug ist, um live im Stadion dabei zu sein. Bis dahin sei aber noch Zeit, sagt sie. Jetzt ist erst einmal Sommerpause – und Zeit für ihre Freunde, die nichts mit Fußball am Hut haben. Pünktlich zur neuen Saison ist sie dann aber wieder unterwegs.
Dieser Text ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 4, Saison 2025/26) erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich.
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