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Johannesson: „Liebe es, andere glänzen zu lassen“
Isak Johannesson hat am Sonntagnachmittag mit einer starken Leistung beim Heimsieg gegen den SV Werder Bremen überzeugt. Am dritten Treffer war der Isländer dann sogar entscheidend beteiligt, auch wenn es in der offiziellen Wertung nicht als sein Tor zählte. Im Interview spricht der Mittelfeldspieler über die Partie, Neuerungen unter Trainer René Wagner, seine Achterbahn-Saison und das Ankommen beim FC und in der Bundesliga.
Isak, wie hat sich der erlösende Sieg nach acht sieglosen Spielen am Sonntagabend angefühlt?
Isak Johannesson: Sehr, sehr gut natürlich. Es war für die Mannschaft und den Verein sehr wichtig, die drei Punkte zu holen. Jetzt liegt der Fokus aber auch bereits wieder auf Freitag, um erneut ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Ist auch Druck abgefallen?
Von außen war sicher Druck da. Ich kann aber nur für mich sprechen und habe ihn bei mir und auch in der Mannschaft nicht gespürt. Wir wollten einfach rausgehen und eine gute Leistung zeigen. Das haben wir getan. Mit dem Elfmeter und der Roten Karte lief dann vieles für uns, wir hatten in dieser Saison aber auch schon viele Entscheidungen gegen uns.
Was war ausschlaggebend für den Sieg?
Die Trainer haben uns einen sehr guten Matchplan mitgegeben, den wir gut umgesetzt haben. Wir wollten Energie ins Spiel bringen, früh ein Tor erzielen. Das Spiel hat sich durch die Rote Karte dann etwas verändert, wir hatten mehr Ballbesitz. Wir haben viele Torchancen kreiert, hatten einen hohen xG-Wert, ihr Torwart hat Bremen im Spiel gehalten. Deshalb können wir zufrieden sein mit unserer Leistung.

Würdest Du sagen, dass das dritte Tor Deines war?
(lacht) Ich habe es mir nochmal angesehen und denke, dass es nicht mein Tor war. In manchen Medien wird mir zumindest die Vorlage gutgeschrieben, das freut mich. Aber grundsätzlich ist mir das auch nicht wichtig. Ich will, dass die Mannschaft gewinnt, egal wer die Tore schießt. Ich möchte einfach der Mannschaft so gut wie möglich helfen und bin insgesamt mit meiner Leistung am Sonntag zufrieden.
Du spielst ohnehin auf einer Position, in der es vor allem darum geht, die Mitspieler in gute Situationen zu bringen. Was macht es mit Dir, wenn andere gut performen?
Das ist meine Lieblingsaufgabe als Fußballer, andere Spieler glänzen zu lassen. Das ist auch außerhalb des Platzes so, ich bin niemand, der immer im Vordergrund oder im Rampenlicht stehen muss. Ich will der Mannschaft helfen, mit Pässen, meiner Laufarbeit, Zweikämpfen. Ich liebe es, gute Pässe zu spielen und Spieler wie Said, Kuba oder Ragy in gute Positionen zu bringen.
Seit zwei Spielen ist René Wagner als Cheftrainer tätig. Was hat sich dadurch verändert?
Er macht einen unglaublichen Job. René ist ein positiver Typ, macht klare Ansagen und spricht offen mit mir. Er ist einerseits taktisch sehr gut und bereitet uns gut vor, er ist aber auch jemand, der die Mannschaft sehr gut führt. Obwohl René noch sehr jung ist, macht er das super und ich arbeite sehr gerne mit ihm.

Er scheint auch Dir zu vertrauen. Wie wichtig ist dieses Gefühl für Dich?
Das ist für jeden Spieler sehr wichtig. René kam zum Beispiel schon nach dem Frankfurt-Spiel zu mir und sagte, dass ich ein großer Grund war, dass wir die beiden Tore noch gemacht haben. Er ist sehr klar und gibt mir das Gefühl, dass er mich verbessern und mir helfen will. Das versuche ich ihm zu 100 Prozent zurück zu geben.
Hat sich für Dich positionsspezifisch etwas verändert?
Ja, ich und Kuba spielen nun eher als Achter, und Eric ist dahinter die alleinige Sechs. Dadurch können Kuba und ich weiter nach vorne gehen und kommen öfter in den Strafraum. René möchte, dass wir höher stehen, wenn wir den Ball haben, dass ich mehr Assists sammle und Chancen kreiere.
Am Freitagabend steht auf St. Pauli das nächste Spiel an, zwischen den beiden Partien liegen nur fünf Tage. Wie schafft Ihr es, dann wieder bei 100 Prozent zu sein?
Wir müssen gut regenerieren. Letztlich ist es aber genau das, was wir als Fußballer wollen, möglichst viele Spiele zu spielen. Wir sind nicht mehr im Pokal, spielen nicht international. Dadurch ist es schön, dass das nächste Spiel schnell kommt. Es kann ein guter Abend werden. Der Druck liegt bei St. Pauli. Für uns ist es ein Auswärtsspiel und wir gehen mit der Mentalität rein, dass wir gewinnen wollen. Wir freuen uns darauf.
Was für ein Spiel erwartest Du und was wird für Euch wichtig sein?
St. Pauli ist eine Mannschaft, die den Ball gut hält, wenn sie von hinten mit den Verteidigern aufbauen, sie sind zudem viel in Bewegung. Wenn wir sie vom Tor weghalten und verhindern, dass sie Chancen kreieren, bin ich überzeugt, dass wir mit unserer offensiven Qualität Tore machen werden.

Blicken wir auf Deine persönliche Saison. Du hast anfangs viel gespielt, zwischenzeitlich war es weniger, nun standest Du wieder in der Startelf. Wie hast Du diese Auf und Abs wahrgenommen?
Als isländischer Spieler, der zum ersten Mal in einer Top-fünf-Liga spielt, war mir klar, dass es eine Art Achterbahnfahrt sein wird. Es gab Höhen und Tiefen. Für mich ging es immer darum, den Kopf oben zu behalten und einfach weiter hart zu arbeiten. Ich habe zu Saisonbeginn gezeigt, dass ich auf Bundesliga-Niveau spielen kann. Es gibt Dinge, die man nicht immer kontrollieren kann. Ich habe einen klaren Kopf behalten und weitergemacht. Aktuell fühle ich mich wieder sehr gut, seit Ende März zeige ich wieder gute Leistungen, gegen Gladbach, Frankfurt, Bremen.
Was musstest Du lernen, um das Bundesliga-Niveau zu adaptieren?
Ich denke, ich hatte schon die Stärke für die Bundesliga, aber es geht darum, das konstant zu zeigen. Es gibt Aspekte, in denen man sich immer weiter verbessern kann. Ich versuche, immer gut zu regenerieren, gut auf mich zu achten. Damit kann man die letzten Prozentpunkte herausholen. Ich war schon immer ein guter Trainingsspieler, habe aber neben dem Platz auf noch mehr Aspekte geachtet.
Wie wohl fühlst Du Dich inzwischen beim FC?
Mir gefällt es sehr gut hier, der Verein, der Trainer. Wir arbeiten alle gut zusammen, alle sind positiv und jeder tut alles für den Mitspieler. Wir haben Qualität, das haben wir in der Saison gezeigt. Wenn wir nicht aufgeben und unangenehm sind, dann sind wir schwer zu schlagen.
