
Kevin McKenna im Interview: „Köln ist mein Zuhause“
21.06.2026
Nach zwei Jahren kehrt Kevin McKenna als Co-Trainer zum 1. FC Köln zurück. fc.de hat ihn am Tag nach dem 6:0 Kanadas bei der WM gegen Katar im Urlaub erreicht. Ein Gespräch über die WM in seiner Heimat Kanada, seine Rückkehr zum FC, einen schwierigen Anruf und sein Verhältnis zu FC-Cheftrainer René Wagner.
Macka, wie und wo verfolgst Du die WM aktuell?
Kevin McKenna: Ich bin gerade auf Mallorca am Strand. Vergangene Nacht habe ich mir die erste Halbzeit von Kanada angeschaut, dann bin ich eingeschlafen. Aber da konnte ich mir schon sicher sein, dass sie den Sieg holen werden. Dass sie so hoch gewinnen, war schon besonders. Leider hat sich mit Ismael Koné ein wichtiger und guter Spieler schwer verletzt.
Schaust Du allgemein viele WM-Spiele oder versuchst Du, im Urlaub auch bewusst etwas Abstand zum Fußball zu bekommen?
Die frühen Spiele um 20 oder 22 Uhr schaue ich meistens. Bei den Spielen um 0 oder 3 Uhr nachts – da bin ich nicht mehr in dem Alter, um so lange aufzubleiben (lacht).
Was bekommst Du aus der Ferne von der Stimmung und Euphorie im eigenen Land mit?
Ich war vor rund drei Wochen in Kanada. Dort gibt es große Werbung mit den Spielern, das wäre zu meiner Zeit undenkbar gewesen. Man merkt, dass der Fußball in Kanada viel größer geworden ist. Wenn man auf die Nationalmannschaft blickt, ist dort auch eine gute Qualität vorhanden. Zu meiner Zeit haben zwar auch Spieler in Europa gespielt, aber nicht bei den Top-Vereinen. Inzwischen hast du viele Spieler auch bei den großen Vereinen.
Du hast 63 Spiele für die kanadische Nationalmannschaft bestritten. Was hat Dir das bedeutet?
Mir hat es immer sehr viel bedeutet. Leider verfolge ich den kanadischen Fußball nicht mehr so intensiv, weil ich in Deutschland lebe und mein Fokus auf der Bundesliga liegt. Aber ich fiebere natürlich mit und hoffe, dass sie weit kommen. Man merkt, dass die Mannschaft inzwischen wirklich konkurrenzfähig ist.
Wie schade ist es, dass Du nie mit Kanada an einer WM teilnehmen konntest?
Wenn ich sehe, was aktuell dort passiert, tut es schon ein bisschen weh. Ich bin stolz auf meine Einsätze, aber hätte das auch gerne erlebt. Aber auch die Qualifikation hat immer Spaß gemacht. Die Reisen waren zwar immer lang, aber ich bin auch bis heute noch mit Jungs von damals in Kontakt und diese Verbindungen werden nie abreißen.

Was hat sich im kanadischen Fußball konkret entwickelt?
Ich habe nicht die Einblicke vor Ort, aber man merkt, dass die Qualität, die durchkommt, viel größer ist. Es gibt die MLS als Profiliga, die Entwicklung hat allerdings vor allem mit der Jugend und dem Training zu tun. Es gibt inzwischen viele gute Jugendvereine, die gute Bedingungen bieten.
Welche Rolle spielen Spieler wie Thomas Müller, der seit einem Jahr in Kanada spielt?
Ich habe selbst noch gegen ihn gespielt und schätze ihn als Fußballer und Fußballfachmann. Ich glaube, dass er ganz oben im deutschen Fußball landen wird, er hat die Fachkompetenz dafür. Ich bin stolz, dass er in Kanada spielt, denn solche Spieler helfen dem Fußball dort natürlich weiter.
Zum Auftakt spielte Kanada 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina, dann 6:0 gegen Katar. Wie schätzt Du die Mannschaft ein?
Mit den vier Punkten nun sind sie schon so gut wie durch. Ich glaube, dass die Verletzung von Koné eine große Rolle spielt. Man hat gemerkt, dass er das Herzstück der Mannschaft ist. Ich hoffe, dass sie das nicht kaputt macht, sondern dass sie das vielleicht sogar noch mehr zusammenschweißt.
Hast Du einen Tipp, wer Weltmeister wird?
Ich denke, es war noch nie so offen wie in diesem Jahr. Es gibt kaum noch wirklich abgeschlagene Mannschaften. Wenn ich rein nach der Qualität gehe, würde ich auf Frankreich setzen. Ich bin aber ein Mensch, der sehr auf die Mannschaft und den Zusammenhalt steht. Bei Frankreich sehe ich die Qualität, aber nicht diesen großen Zusammenhalt. Argentinien hat auch sehr gut ausgesehen, Spanien wird noch kommen, Deutschland hat immer eine Chance. Das wird sich über die WM entwickeln, wer in der K.O.-Phase die beste Form hat und als Mannschaft zusammenwächst. Man darf nicht vergessen: Die Spieler in den Top-Nationen kommen aus einer Saison mit 50, 60 Spielen. Wer da noch einmal die Energie aufbringen kann, um den WM-Titel zu holen, wird auch eine große Rolle spielen.
Wie entsteht der von Dir angesprochene Teamgeist während eines Turniers?
Der entsteht nicht, weil es der Trainer sagt oder es in den Medien steht. Das entsteht bei den Jungs im Hotel, wenn die Spieler unter sich sind. Was machen sie dann? Sind sie allein auf dem Zimmer oder unternehmen sie zusammen etwas? Ein Trainer kann das anschieben, aber es muss vor allem von den Jungs kommen, sie müssen das leben. Dafür brauchst du Führungsspieler und verschiedene Charaktere. Ich glaube auch, dass die Mannschaften am Ende erfolgreich sein werden, die durch schwächere Phasen gut durchkommen.
Bei einer WM, heißt es oft, entstehen auch neue fußballerische Trends. Ist Dir schon etwas Besonderes an dieser WM aufgefallen?
Ich bin davon kein Freund. Natürlich gibt es verschiedene Taktiken, aber für mich ist immer das Wichtigste, wie eine Mannschaft zusammenwächst und dass sie alle Egos nach hinten stellt. Die Mannschaften mit wenig Ego werden erfolgreich sein. Wo schlechte Stimmung aufkommt, kann man nicht erfolgreich sein. Der einzige Trend, der gerade im Kommen ist, sind Standardsituationen. Die Teams setzen sich immer mehr damit auseinander, gefühlt jeder Außenverteidiger kann inzwischen einen langen Einwurf. Der Trend ist im Kommen, dass viele Spiele durch Standardsituationen entschieden werden.
Weg von der WM, hin zu Dir: Wie nutzt Du aktuell die freie Zeit, um den Akku aufzuladen?
Ich habe viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Nachdem ich allein in Berlin war, war es eine Umstellung, jeden Tag wieder meine Frau und meine Kinder zu sehen. Dann hatte ich wieder einen anderen täglichen Rhythmus, an den ich mich gewöhnen musste. Aber ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich wieder zu Hause bin. Und dass ich wieder beim FC bin. Wir wohnen einen Kilometer vom Geißbockheim entfernt. Ich will einfach Gas und alles für den Verein geben. Wir werden jeden Tag ackern, damit wir erfolgreich sind. Köln gehört für mich zu den größten Vereinen in Deutschland. Ich wünsche mir für diesen Riesenverein, der über die Jahre immer wieder Schwankungen hatte, dass wir Konstanz reinbekommen. Wenn wir das schaffen, hat der Verein eine enorme Wucht mit einer super Fanbase.
Wir hören raus, dass Dir die Entscheidung nicht schwergefallen ist, zurück zum FC zu kommen. Wie war der Weg zur Entscheidung?
René und ich waren immer sehr eng zusammen. Für mich war es dennoch nicht einfach, weil mir Steffen Baumgart sehr viel gegeben hat in meinem Leben in den letzten Jahren. Er hat mich zurück zum FC geholt, hat mich mit nach Hamburg und zu Union genommen. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein und werde das nie vergessen. Ich war in Kontakt mit Baumi und ich schätze seine Meinung. Das war ein schweres Telefonat, als ich ihm gesagt habe, dass ich wieder nach Köln gehe. Aber er hatte absolutes Verständnis und auch dafür bin ich ihm dankbar. Es ist nicht einfach, so eine Entscheidung zu treffen, wenn man über Jahre fast jeden Tag zusammengearbeitet hat.
Auch René kennst Du schon viele Jahre. Wie würdest Du Dein Verhältnis zu ihm beschreiben?
Wir sind verschiedene Typen, aber fast wie zwei Brüder, die einfach gut miteinander klarkommen. Wir können uns ehrlich sagen, wenn etwas gut, aber auch wenn etwas nicht gut ist. So muss das sein.

Früher wart ihr zusammen Co-Trainer, nun ist René der Chef. Was wird sich dadurch verändern?
Das werden wir sehen (lacht). Nach drei Wochen Zusammenarbeit habe ich schon gewusst, dass René einmal Cheftrainer wird. Er hat diese Art. Er kann sehr gut führen, hat sehr gute Ideen. René kann auch emotional sein, hat aber eine Struktur, die nicht emotional ist. In absoluten Stresssituationen hat er die Ruhe weg. Das ist etwas, was ich vielleicht noch lernen muss. Er will immer etwas lernen, ist nicht zufrieden damit, in der Entwicklung stehen zu bleiben. Das ist wichtig für einen Trainer.
Was hast Du von Deinen zwischenzeitlichen Stationen in Hamburg und Berlin mitgenommen?
Ich habe gelernt, dass nicht jeder Mensch den Ehrgeiz oder den Teamgedanken in sich haben kann. Das muss ich akzeptieren. Meine Vorstellung einer Mannschaft muss nicht die gleiche sein wie von anderen Leuten. Wichtig ist: Es gibt eine Straße und als Trainerteam entscheiden wir, wie breit die Straße ist und wie weit sich die Jungs links und rechts bewegen können. Es gibt verschiedene Charaktere, das muss man akzeptieren, genauso wie es verschiedene Fußballer gibt. Ich werde leider niemals so Fußball spielen wie Lionel Messi.
Wie hast Du den FC in den vergangenen beiden Jahren verfolgt?
Ich habe jedes Spiel verfolgt und war sehr glücklich, dass sie in der Liga geblieben sind. Ich habe so viele Jahre im Verein verbracht, er wird immer einen ganz großen Teil in meinem Herzen haben. Ich sage: Ich komme aus Kanada, aber Köln ist mein Zuhause.
Und worauf freust Du Dich am meisten?
Alle wieder zu sehen. Denn das sind alles richtig gute Menschen, die beim FC arbeiten.
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