
Kevin Vogt: „Der FC hat mich geprägt“
28.08.2026
Im vergangenen Sommer hat Kevin Vogt nach 17 Jahren in der Bundesliga seine aktive Karriere beendet. Er absolvierte 353 Spiele und lief unter anderem für den 1. FC Köln und die TSG Hoffenheim auf. Im Interview mit fc.de spricht der 34-Jährige über seinen neuen Alltag, seine prägende Zeit beim FC, den Positionswechsel unter Julian Nagelsmann – und verrät, warum er heute sogar FC-Neuzugang Paul Okon-Engstler seinen Wohnungsschlüssel überreicht hat.
Kevin, wie geht es Dir, nachdem Deine Fußballschuhe jetzt am Nagel hängen?
Kevin Vogt: Mir geht es sehr gut. Ich habe aktuell viel zu tun, weil ich in verschiedene Projekte eingebunden bin. Damit hatte ich schon während meiner aktiven Karriere begonnen, da absehbar war, dass der Tag X irgendwann kommen wird. Es macht mir aber viel Spaß. Deswegen bin ich nach der Karriere auch in kein Loch gefallen. Ich hatte gleich einen strukturierten Tag. Da ist mir die Umstellung ziemlich leichtgefallen und ich kann sagen, dass ich gut vorbereitet war.
Wann hast Du gemerkt, dass es nicht mehr weitergehen wird?
Nach meiner Operation am Knie habe ich in meiner letzten Saison nur schwer zurückgefunden. Dann hat sich die Entscheidung im Laufe des Jahres schon abgezeichnet.
Hattest Du Respekt vor Deinem nächsten Abschnitt?
Du weißt natürlich nicht, was genau auf dich zukommt. Ich war 17 Jahre in der Bundesliga. Plötzlich wurde dir dann nicht mehr gesagt, welches Polo du anzuziehen hast, und es gab auch nicht mehr Hähnchen mit Lachs an jedem Wochenende (lacht). Das war schon neu, aber auch kein großer Akt. Ich war von Anfang an in unser Familienleben eingebunden. Ich bringe meine Tochter jeden Tag zur Kita. Das genieße ich gerade sehr.

Wir haben heute ein Bild mit Dir und FC-Neuzugang Paul Okon-Engstler in den sozialen Medien gesehen. Was hat es damit auf sich?
Paul ist mein neuer Mieter. Die Wohnung war zuvor schon an einen FC-Spieler vermietet. Nun hat der nächste seinen Schlüssel überreicht bekommen. Ich bin vor 13 Jahren ins Immobiliengeschäft eingestiegen und habe es seitdem sukzessive verfolgt. Das macht mir Spaß. Mittlerweile kann ich auch vorsichtig behaupten, dass ich eine gewisse Routine und Erfahrung in diesem Bereich habe.
Wie viel Fußball schaust Du noch?
Ich war noch nie der Typ, der sich alle Spiele anschauen muss. Das hat sich dementsprechend nicht groß verändert. Das Einzige, was sich verändern wird, ist, dass ich jetzt die Zeit habe, in die Stadien zu fahren, um mir die Spiele anzuschauen. Da habe ich auch Bock drauf.
Versuchst Du trotzdem, bei Deinen ehemaligen Vereinen weiterhin auf dem neuesten Stand zu bleiben?
Gut, ich hatte natürlich ein paar Vereine (lacht). Mit einigen Clubs und Spielern pflege ich noch einen engeren Kontakt. Da fragt man natürlich schon mal nach, wie der Stand ist. Da bin ich schon im Austausch.
Der FC ist einer dieser Vereine. Wie blickst Du heute auf Deine Zeit in Köln zurück?
Die Zeit beim FC war ganz wichtig für mich. Hier bin ich das erste Mal Teil eines großen Fußballclubs geworden. Der FC hat mich für meine weitere Laufbahn geprägt. Ich bin mit einer gebürtigen Kölnerin verheiratet und habe meinen Lebensmittelpunkt in Köln. Dementsprechend weiß ich, was der FC den Menschen bedeutet. Ich hatte auch zu meiner aktiven Zeit schnell verstanden, weshalb der Club den FC-Fans so wichtig ist. Heute kann ich sagen, dass diese Verbindung zum FC – auch über die Bundesliga hinaus – sehr speziell und besonders ist.

Viele FC-Fans erinnern sich selbstverständlich an Dein Tor gegen Dortmund. War das eines der besonderen Spiele in Deiner Karriere?
Jedes Spiel, in dem ich ein Tor geschossen habe, war erstmal besonders für mich, weil ich davon nicht viele hatte (lacht). An dieser Stelle darf man auch mal Selbstkritik äußern. Aber klar, an das Tor kann ich mich noch gut erinnern. Die Dortmunder waren damals stark besetzt, wir haben aber trotzdem 2:1 gewonnen. Das war definitiv ein besonderer Moment.
Gab es sonst noch andere Momente im FC-Trikot, die Dir im Kopf geblieben sind?
Die Derbysiege fand ich großartig. Wir haben gegen Leverkusen und Gladbach gewonnen. Das war unglaublich, was danach in der Stadt los war. Genauso kann sich das Blatt aber auch wenden, wenn du mal ein paar Spiele am Stück nicht gewinnst. Das macht es so speziell. Daran hast du gemerkt, wie wichtig den Leuten der FC ist. Davon leben die Stadt und der Club.
Beim FC hast Du im defensiven Mittelfeld gespielt. Später dann als Innenverteidiger. Was waren die Gründe für diesen Positionswechsel?
Die Idee hatte damals Julian Nagelsmann, der mich nach Hoffenheim geholt hat. Er hatte die Fantasie, dass ich mein Spiel auch aus einer Dreierkette aufziehen kann. Auf der Sechs kam mein Tempo gar nicht so zur Geltung. Da waren einige sicher überrascht, dass ich die tiefen Läufe hinter die Kette häufig gut verteidigen konnte. Die Umstellung hat meiner Karriere auf jeden Fall einen Boost gegeben. Aus der Verteidigung konnte ich meine Stärken einfach besser ausspielen.
In Hoffenheim hast Du die längste Zeit Deiner Karriere verbracht. Weshalb hat es Dir dort so gut gefallen?
Die TSG war schon damals sehr professionell aufgestellt. Die Infrastruktur dort ist einfach top. Fußballerisch waren die Jahre in Hoffenheim sicher die erfolgreichsten. Wir haben zweimal in der Champions League und dreimal in der Europa League gespielt. Wir hatten viele sehr gute Mannschaften. Ich habe währenddessen acht Jahre in Heidelberg gewohnt, dort war die Lebensqualität sehr hoch. Das hat alles dazu geführt, dass ich so lange dortgeblieben bin.

Die Zuschauer- und Mitgliederzahlen der TSG werden häufig belächelt. Wie hast Du das als Spieler erlebt? Kann das sogar ein Vorteil für den Standort sein?
Hoffenheim ist medial ein ruhigerer Standort als der FC oder Werder und Union. Das kann vielen Spielern gut gefallen. Es kommt immer darauf an, was du für ein Typ bist. Ob du ein dickeres Fell hast und damit klarkommst, wenn du mal kritisiert wirst. Damit hatte ich nie ein Problem. Aus Spielersicht kann ich dem Belächeln nicht viel abgewinnen, da ich während meiner Zeit viele Menschen kennengelernt habe, die den Verein genauso lieben wie Fans anderer Vereine. Fest steht aber auch, dass der FC mit der Stadt und dem Stadion natürlich eine ganz andere Power hat. Dort kann eine Wucht kreiert werden, dass der Gegner richtig ins Schwimmen kommt. In Hoffenheim haben wir die Heimspiele eher über die individuelle Qualität gewonnen. Das gehört schon zur Wahrheit.
Hoffenheim hat sich nach einigen durchwachsenen Jahren wieder richtig gefangen. Was macht sie aktuell so stark?
Im vergangenen Transfersommer hat vieles gepasst. Da wurden einige richtig gute Jungs dazugeholt, die sofort eingeschlagen sind. Die Performance war letztlich das Ergebnis der guten Scoutingarbeit. Sie sind völlig zu Recht international vertreten. In diesem Jahr gilt es, diese Leistungen zu bestätigen.
Wirst Du Dir das Spiel am Samstag im Stadion anschauen?
Ja, ich werde auf jeden Fall vor Ort sein.
Dann brauchen wir noch einen Tipp von Dir.
Puh, das ist echt schwierig. Als Gegner fährst du nicht gerne nach Köln. Das Stadion ist natürlich geil, kann dich aber auch einschnüren. Ich würde zum Start mal auf ein Unentschieden tippen.















