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Kölns Straßen werden nie vergessen: Fabrice Ehret

19.07.2026
Jeder Club hat seine Legenden. Spieler, die Titel gewannen, Rekorde brachen und die erfolgreichsten Mannschaften der Vereinsgeschichte prägten. Doch was ist mit denen, die keine großen Erfolge feierten und sich trotzdem in die Herzen der Fans spielten? Im Englischen gibt es für sie einen eigenen Ausdruck: The Streets Won't Forget. Gemeint sind Fußballer, die nicht wegen ihrer Trophäen in Erinnerung bleiben, sondern wegen ihrer Art oder eines Moments, der für immer bleibt. In diesem Sommer blickt fc.de auf eine Handvoll dieser besonderen Akteure zurück. Die Straßen Kölns werden Dich nicht vergessen: Fabrice Ehret.
Es ist der 7. Spieltag der Saison 2008/09. Alle Blicke richten sich auf den Gladbacher Borussia Park, wo wieder einmal der 1. FC Köln zu Gast ist. Das Rheinderby elektrisiert die Region. Beide Fankurven liefern sich vom Anpfiff an ein lautstarkes Duell. Und auch auf dem Feld geht es schnell heiß her. Die ersten Minuten sind von hart geführten Zweikämpfen geprägt, ehe der FC aus der Distanz ein erstes Mal aufs Tor schießt. Borussias Torwart Christopher Heimeroth kann den Distanzschuss nur nach vorne abwehren. Der Ball springt direkt vor die Füße von Fabrice Ehret. Der Franzose reagiert blitzschnell und lupft ihn über den herauseilenden Keeper ins Tor. Ehret dreht ab und läuft vor den wild jubelnden Gästeblock. In diesem Moment weiß er es noch nicht, aber dieser Tag wird ihm für immer in Erinnerung bleiben.
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Fast zwei Jahrzehnte später klingelt am Geißbockheim das Telefon. Fabrice Ehret ruft an – wir waren verabredet. Der heute 46-Jährige entschuldigt sich für sein eingerostetes Deutsch, obwohl man ihn problemlos versteht. Immer wieder betont er, wie sehr er sich auf das Gespräch gefreut hat. Auf die erste Frage, was ihm in den Kopf kommt, wenn er an den FC denkt, nennt er sofort sein Derbytor. „Ich habe das Tor geschossen und wir haben in Gladbach gewonnen. Das war einfach geil“, erinnert er sich. Derbytore verbinden Verein, Fans und Spieler – oft für die Ewigkeit. Doch in den FC verliebt hatte sich der Franzose schon lange zuvor. Im Sommer 2006. „Als ich mir die Stadt, das Stadion und das Geißbockheim angeschaut habe, wusste ich, dass ich nach Köln möchte. Es war wie eine große Familie“, erzählt er.
Vor seinem Wechsel nach Köln hatte der in der Schweiz geborene Franzose lange für Straßburg und Anderlecht gespielt. Für den FC nahm er sogar den Schritt in die 2. Bundesliga in Kauf – und half zwei Jahre später dabei, den Wiederaufstieg perfekt zu machen. „Wenn mich die Leute fragen, wo ich meine beste Zeit hatte, sage ich immer: in Köln.“ Ach, Fabrice!

Ich wollte nicht aus Köln weg.

Fabrice Ehret

Insgesamt absolvierte Ehret 137 Pflichtspiele für den FC und sammelte 21 Scorerpunkte. Ob als Linksverteidiger oder im linken Mittelfeld: Er stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft. Selbst als ihm während einer Sommervorbereitung ein Wechsel nahegelegt wurde, blieb er und biss sich durch. „So ist Fußball. Es kann nicht immer nur nach oben gehen. Ich habe aber immer um meinen Platz gekämpft. Ich wollte nicht aus Köln weg.“ Ehret kämpfte sich zurück. Am 6. Spieltag stand er erstmals wieder im Kader und direkt in der Startelf. Eine Woche später folgte dann sein Derbytor in Mönchengladbach.
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Sie lieben den DJ

Ein weiterer großer Moment, den viele FC-Fans mit Ehret verbinden, folgte: Am 21. Februar 2009 gastierte der FC beim FC Bayern München. In der 22. Minute wurde Ehret von Nemanja Vucicevic steil geschickt. Der aufgerückte Linksverteidiger enteilte der Bayern-Abwehr und schob den Ball an Michael Rensing vorbei zur Führung ins Tor. Der FC gewann am Karnevalssamstag mit 2:1 – bis heute der letzte Kölner Auswärtssieg beim FC Bayern. Seinen Treffer feierte Ehret wie so oft: Eine Hand am Ohr, mit der anderen imitierte er den Scratch eines DJs. Schließlich gehörte das Auflegen schon damals zu seiner großen Leidenschaft. „Der Jubel entstand, nachdem ich mit einem Kölner DJ gesprochen und ihm versprochen hatte, dass ich die Bewegung nach meinem nächsten Tor machen werde“, erzählt er.

Ich war einfach der normale, coole Typ.

Fabrice Ehret

Der Jubel wurde zu seinem Markenzeichen – bis heute. „Vor einiger Zeit lag ich auf Mallorca am Strand. Da kam plötzlich ein Mann zu mir und meinte: ’Dich kenne ich.’ Dann hat er den DJ-Jubel gemacht und wir haben gelacht.“ Und die FC-Fans blieben nicht die einzigen Nachahmer. Mittlerweile lässt FC-Profi Jan Thielmann den Jubel nach seinen Toren neuaufleben. „Ich habe den Jubel erneut vor einem Spiel gegen die Bayern in den Sozialen Medien gesehen. Sein legendäres Tor mit anschließendem DJ-Jubel hat mir sehr imponiert. Zudem mag ich einzigartige Jubel und habe ihn davor und nachher nirgends gesehen“, erklärt Thielmann. „Ich hätte nie gedacht, dass sich die Menschen in Köln noch heute an mich erinnern und mein Jubel sogar von Jan übernommen wurde. Das macht mich sehr stolz“, freut sich Ehret.
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Das alles zeige ihm, dass er in Köln vieles richtig gemacht habe. „Ich habe mich nie verstellt. Ich war einfach der normale, coole Typ, der auf dem Platz alles für den FC gegeben hat, mit dem man aber auch ein Bier trinken konnte.“ Das haben die Fans honoriert. Mindestens genauso positiv spricht Ehret über die Kölner Anhänger: „Die Fans sind immer da. Egal, ob du gewinnst oder verlierst – sie stehen hinter dir. Sie machen Köln zu einem besonderen Ort.“

Zurück in der Heimat

Heute lebt Ehret wieder in Mulhouse, unweit der deutsch-französischen Grenze. Dort war er aufgewachsen, hatte das Fußballspielen gelernt und 1998 für den FC Mulhouse sein Profidebüt gefeiert. Mittlerweile kümmert er sich um seine Immobilien und arbeitet zusätzlich als Co-Trainer im Nachwuchsbereich seines Heimatvereins. „Ich möchte etwas zurückgeben. Das ist mir wichtig“, sagt er. Dem Profifußball hat er den Rücken gekehrt. Nach 20 Jahren als Spieler hatte er eine Veränderung gebraucht. Dafür steht er immer noch am DJ-Pult, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher. „Ab und zu mache ich noch Musik, aber nur noch privat.“
In Köln war Ehret zuletzt vor drei Jahren. „Es wird mal wieder Zeit, Euch besuchen zu kommen“, sagt er zum Abschluss des Gesprächs. Zur kommenden Saison möchte er wieder ins RheinEnergieSTADION reisen. Ein Trikot will er ebenfalls mitbringen – um es anschließend mit Jan Thielmann zu tauschen.

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