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Markus Pröll: „Dann wäre ich wohl nie vom FC weggegangen“

15.10.2026
Markus Pröll stand als 19-jähriger Torhüter beim 1. FC Köln zwischen den Pfosten. Später spielte er sieben Jahre für Eintracht Frankfurt. Vor dem Duell seiner beiden Ex-Clubs am Freitagabend (20.30 Uhr, FC-Liveticker) spricht der heute 47-Jährige über seine Zeit bei beiden Clubs, Distanz zum Geschäft und sein heutiges Leben.
Markus, am Freitagabend treffen mit Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln die beiden Clubs aufeinander, die Deine Karriere geprägt haben. Wie wirst Du das Spiel verfolgen? 
Markus Pröll: Manchmal verschlägt es mich schon noch nach Frankfurt ins Stadion. Weil am Freitag aber meine Tochter bei mir ist, werde ich nicht vor Ort sein und das Spiel zu Hause auf der Couch verfolgen. Ich bin mittlerweile auch nicht mehr so tief in der Materie drin und schon zu lange aus dem Geschäft raus. Ich verfolge beide Vereine und mich freut es, wenn sie erfolgreich sind. Für Freitag wünsche ich mir einfach ein schönes Spiel. 
Zum FC bist Du als Jugendlicher gewechselt, hast mit 19 unter Bernd Schuster debütiert. Wie blickst du darauf zurück? 
Ich bin damals als Nummer drei in die Saison gestartet und wurde am zwölften Spieltag ins kalte Wasser geworfen. Ich weiß gar nicht, wann ein eigentlich dritter Torhüter schon mal so früh die Chance bekommen hat. Für mich war es Glück und ein Gefühl von Stolz, als Torhüter aus der FC-Jugend für die Profis spielen zu dürfen. Durch den regionalen Bezug war der FC schon als Kind mein Verein.
Im zweiten Jahr folgte der Aufstieg und damit die Reparatur des ersten FC-Abstiegs der Geschichte. Wie hast Du diese Phase in Erinnerung? 
Das war ein extrem prägendes Jahr für mich, weil ich am ersten FC-Aufstieg mitwirken konnte. Wir hatten damals mit Dirk Lottner, Carsten Cullmann, Alexander Voigt oder Markus Kurth viele Jungs aus der Region. Und auch die Aufstiegsfeier bleibt unvergessen. Während der Saison hatten wir viele Auflagen in Bezug auf die Ernährung. Aber da hat sogar unser damaliger Trainer Ewald Lienen zum Bier gegriffen (lacht). 
Du kamst in der Phase nach dem ersten Abstieg ins Team. Wie war die Situation damals? 
Wir hatten keinen Megastar. Dirk Lottner als Kapitän hat es sehr gut gemacht, unsere große Stärke war der Zusammenhalt. Dieser und die harte Arbeit haben uns ausgemacht. 
Du hast nach dem Abstieg auch noch den zweiten FC-Abstieg mitgemacht. Warum hat sich der FC in dieser Zeit ein Stück weit zur Fahrstuhlmannschaft entwickelt? 
Das ist rückblickend schwierig zu beurteilen. Man weiß, wie schwer es bei einem solchen Traditionsverein sein kann, wenn es sportlich nicht läuft. Dann kommen die Medien dazu, der Druck steigt. Wir sind damals ein Stück weit an der Erwartungshaltung gescheitert und haben keine Mittel gefunden, die Klasse zu halten. 
2003 bist Du dann zu Eintracht Frankfurt gewechselt… 
Wenn sich meine Situation nicht verändert hätte, wäre ich wohl nie vom FC weggegangen. Aber ich wollte mein Dasein als Ersatztorhüter nicht weiter fortführen. So kam es zum Wechsel zur Eintracht, was rückblickend genau richtig war für mich. 
Einen Abstieg und den sofortigen Wiederaufstieg hast Du dann auch mit Eintracht Frankfurt erlebt. Inwieweit sind die beiden Clubs vergleichbar? 
Beide Fanlager sind durch die Auf- und Abstiege leidgeprüft, bei beiden Clubs ist der Support auf den Rängen so gut wie bei wenigen anderen Mannschaften in der Bundesliga. Köln ist ein bisschen lustiger und karnevalistischer. Beim Wechsel nach Frankfurt dachte ich anfangs, ich wechsle in eine Bankenstadt, da wird es nicht so emotional wie beim FC. Aber was von den Rängen kam, war zum Teil sehr aggressiv.
Du bezeichnest den Wechsel rückblickend als richtig. Warum? 
Für mich lief es sportlich einfach besser als in Köln. Ich war erfahrener. Wir waren im Pokalfinale, in der Europa League, wir haben 14-mal in einer Saison zu null gespielt. Ich habe einmal drei Elfmeter in Folge gehalten, das müsste nun 20 Jahre her sein. 
Bei beiden Clubs hast Du unter Friedhelm Funkel gespielt, ohnehin der Trainer, unter dem du am häufigsten gespielt hast. Was hat ihn ausgemacht? 
Friedhelms allergrößte Stärke ist, dass er nie die Ruhe verliert. Wir hatten auch in Frankfurt schwierige Zeiten. Dann einer Mannschaft zu vermitteln, dass man dennoch einen privilegierten Job hat, Gas geben muss und mit Leidenschaft Fußball spielen soll, das hat er richtig gut gemacht. 
Der Fußball hat Dein Leben bestimmt, als Jugendlicher, als Profi, als Berater, als Torwarttrainer. Fehlt er Dir im Alltag? 
Ich musste leider relativ früh aufhören, weil ich mit 31 gemerkt hatte, dass mein Körper nicht mehr so mitgemacht hat. Und ich war immer ein Perfektionist. Ich hätte gerne länger gespielt, wenn man sieht, dass Manuel Neuer heute mit 40 Jahren noch auf diesem Level spielt. Aber es ging nicht mehr, mein Körper war für diese Belastungen nicht mehr gemacht. 
Wie verfolgst Du heute den Fußball? 
Der Fußball ist nicht mehr mein Leben. Es gibt jeden Tag Spiele – hier noch eine Liga, dort noch ein Wettbewerb, nochmal mehr Teams bei der WM. Mittlerweile braucht man einige Abos, um alle Spiele gucken zu können. Das läuft für mich in die falsche Richtung. Auch die Spieler brauchen einmal eine Pause. 
Wie sieht Dein Leben heute aus? 
Ich bin in Euskirchen zu Hause, vermiete ein paar Wohnungen in Köln, wo ich mich um alles selbst kümmere. Und ich habe vor Jahren eine Trikothülle entworfen, mit der man Trikots zu Hause aufhängen kann. Ich habe mal ein Trikot in einem riesigen Rahmen überreicht bekommen und dachte: Das passt nicht. Da muss es eine bessere Möglichkeit geben, um die Trikots zu schützen, einen sportlicheren Look. Daran hatte ich ein Jahr getüftelt, bis ich gemerkt habe: Das funktioniert wirklich. Es steckt immer noch Handarbeit in jeder Hülle. Wenn man so etwas geschaffen hat, ist man am Ende auch stolz darauf. Darüber hinaus spiele ich gerne Padel, verbringe Zeit mit meiner Tochter und kümmere mich um meinen Hund. 
Was ist denn das wertvollste Trikot, das bei Dir zu Hause hängt? 
Als die Flut in Euskirchen war, habe ich für hilfsbedürftige Menschen meine wertvollsten Trikots versteigert. Mein wertvollstes war ein getragenes Trikot von Oliver Kahn. Es gibt auch ein Bild, als wir gemeinsam vom Platz gehen. Ich weiß heute noch, was wir damals gesprochen haben. Gegen uns hatte Kahn immer einen Ball, den man eigentlich gar nicht halten kann, so auch in diesem Spiel. Und er sagte dann ganz trocken zu mir: Ihr liegt mir einfach. Ein weiteres besonderes Stück ist ein T-Shirt von Hermann Rieger, dem langjährigen Kult-Physio des Hamburger SV.
Zurück zur Aktualität: Wie schätzt Du die Lage in Frankfurt und Köln vor dem Duell am Freitag ein? 
Der FC hat natürlich Rückenwind aufgrund des Derbysiegs, wobei man das Spiel auch realistisch einordnen und auf dem Boden bleiben muss. Frankfurt ist gerade wie ein taumelnder Boxer in der zehnten Runde mit einer Flut an Gegentoren und teilweise haarsträubenden Fehlern. Dazu gibt es sehr viel Unruhe. Wenn es also einen günstigen Zeitpunkt gibt, auf die Eintracht zu treffen, ist es wahrscheinlich dieser. Ich bin selbst gespannt auf das Spiel und es ist schwer einzuschätzen, wie das Spiel wird. 
Zum Abschluss: Hast Du einen Tipp für das Spiel? 
Ich tippe auf ein 2:2.

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