Sie sind hier:
News

Paul Okon-Engstler: Fünf Sprachen, ein Fußball

28.09.2026
Australien und Europa: Paul Okon-Engstler pendelte schon von klein auf zwischen den beiden Welten. In diesem Sommer hat er erst für Australien an der Weltmeisterschaft teilgenommen und ist später zurück nach Europa gewechselt. Beim 1. FC Köln will er die nächsten Schritte seiner Entwicklung machen und in einer europäischen Top-Liga Fuß fassen.
Und dann waren da plötzlich die Hubschrauber in der Luft. Drei von ihnen flogen über das Stadion in Seattle, während Paul Okon-Engstler auf dem Rasen stand. Er im Trikot der australischen Nationalmannschaft, auf der anderen Seite die USA. Die Nationalhymnen liefen. Es war das erste WM-Spiel seiner Karriere. „Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Film“, sagt Okon-Engstler heute. Es wirkte nicht real. Es war die größte Fußballbühne.
Auf dem Weg bis zu diesem Highlight hat Okon Engstler einige Grenzen überschritten, und seine sportlichen Grenzen dabei immer weiter nach oben verschoben. Sein Vater war selbst Fußballprofi, spielte in Italien, England – und in Belgien, wo Sohn Paul 2005 geboren wurde. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Paul Okon-Engstler schon in jungen Jahren auf eine internationale Reise zurückblicken kann. Australien, Belgien, Portugal, wieder Australien. Und nun Köln. Fünf Sprachen spricht der 21-Jährige, Deutsch als sechste wird nun dazukommen.
Wer viel rumkommt, für den ist auch die Frage nach Heimat keine ganz einfache. Doch Okon-Engstler hat darauf eine Antwort: Brügge. Dort lebt seine Familie, dort verbrachte er einen Teil seiner Kindheit. Und er ist froh, dass er nach einem Jahr Australien nun nur noch ein paar Autostunden von der Familie entfernt ist. Seine drei jüngeren Brüder hatte er während der Saison in Australien ein Jahr lang nicht gesehen, nur die Eltern waren zu Besuch gekommen. Dennoch ist der Kontakt immer sehr eng gewesen. Täglich telefoniert er abends mit der Mutter. Dann war es fast so, als wäre er beim Abendessen mit am Tisch gesessen.

Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Film.

Paul Okon-Engstler

Okon-Engstler musste sich schon im jungen Alter selbst zurechtfinden. Als Kind zog er mit dem Vater zu dessen Stationen, dann ging es mit der Familie erst nach Australien und später zurück nach Europa, nach Brügge. Mit 17 wechselte er in die Akademie von Benfica Lissabon, weg von der Familie in ein neues Land und ein neues Umfeld. „Das hat mich schnell reifen lassen“, sagt er heute.
Fußball war dabei die Konstante. Nach der Schule ging es auf den Platz. Draußen, drinnen, mit seinen Brüdern. Vier Jungs, vier Fußballer. Die drei Brüder spielen heute in der Akademie des FC Brügge. Früher wurde im Garten gespielt, schon da nicht nur zum Spaß. Denn bei vier Brüdern war eigentlich jedes kleine Spiel ein Wettbewerb. „Wir haben um alles gekämpft“, sagt Okon-Engstler.
Sein Vater war dabei mehr als nur ein Vater. Er war Fußballer, später auch Trainer und ist heute sogar Assistenztrainer der australischen Nationalmannschaft. Als Okon-Engstler jünger war, war diese Verbindung allerdings nicht immer einfach. Andere sagten, er sei nur deshalb da, weil sein Vater Fußball spiele.
Heute sieht er es anders. Er sei glücklich, einen Vater zu haben, der Fußball versteht, der all das erlebt hat, was er selbst erlebt – und noch erleben wird. Als Okon-Engstler mit 16, 17 Jahren eine schwierige Phase durchmachte und kaum spielte, war es sein Vater, der ihm mitgab: Niemand wird Dir helfen, außer Du selbst. Mach weiter und warte auf Deine Chance. Jammern wird nichts verändern.
Diese Einstellung begleitet Okon-Engstler bis heute. Er sagt nicht über sich selbst, eine außergewöhnliche Mentalität zu haben. Er versuche einfach, positiv zu bleiben. „Manchmal ist es sehr schwer“, gibt er zu. Dann gehe es darum, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man selbst kontrollieren kann.  
Das Jahr in Australien war deshalb wichtig. Nach Jahren in Europa ging er zurück, spielte eine komplette Saison Männerfußball und konnte sich zeigen. „Das Jahr hat mir sehr geholfen, zu reifen“, sagt er. Das Jahr in Australien sollte kein Rückschritt sein. Es war ein Schritt, um danach wieder nach Europa zurückzukehren. Das war von Anfang an sein Plan.
Und dann kam die Weltmeisterschaft.
Mit 21 Jahren stand Okon-Engstler plötzlich auf der größten Bühne des Weltfußballs. Als Kind hat er die Weltmeisterschaften im Fernsehen geschaut. Die ersten richtigen Erinnerungen hat er an das Turnier 2014. Er war neun Jahre, als Deutschland den Titel in Brasilien holte. Durch die Zeitverschiebung schaute er die Spiele am Morgen, vor der Schule. Auch das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien, an das er sich erinnert. Sein Großvater kommt aus Freiburg, deshalb hielt er auch ein Stück weit zur deutschen Mannschaft von Jogi Löw.
Dass er nun selbst Teil dieses Turniers war: kaum in Worte zu fassen. Er hatte nicht damit gerechnet, als er zwar im erweiterten Kader war, aber noch Spieler gestrichen wurden. Dann kam eine Nachricht vom Teammanager, dass er dabei ist. „Du freust Dich wie ein kleines Kind“, sagt er.
Im ersten Spiel durfte er von Beginn an ran, damit hatte er nicht gerechnet. Es wurde, sagt er, das schönste Spiel seines Lebens. Und dann dieses Spiel gegen die USA. Seine Familie war dabei. Und außerhalb der Spiele erlebte er das besondere Gefühl einer Weltmeisterschaft: die Stimmung auf den Straßen, die Fans, den ganzen Trubel. „Man muss es erleben, um es wirklich zu verstehen“, sagt er.
Australien schied im Sechzehntelfinale nach Elfmeterschießen gegen Ägypten aus. Die Enttäuschung war da, klar. Okon-Engstler glaubt, dass Australien ein oder zwei Spiele mehr hätte gewinnen können. Viel leicht wäre sogar das Duell mit Argentinien möglich gewesen. „Aber so ist der Fußball“, sagt er erstaunlich abgeklärt.
Jetzt beginnt ein neues Kapitel.
Der FC ist für ihn der Schritt zurück nach Europa. Ein großer Verein, eine große Geschichte, viele Fans. Und ein Verein, der jungen Spielern wie Okon-Engstler Chancen gibt. Genau das suchte er. Er möchte spielen. So viel wie möglich, auf dem höchsten Niveau. Ein konkretes Saisonziel formuliert er trotzdem nicht. Er möchte sich auf die tägliche Arbeit fokussieren, sich sportlich und persönlich weiterentwickeln.
Die Größe des FC hat er schnell gespürt. Bei der Saisoneröffnung waren rund 40.000 Menschen da, ohne dass ein Spiel stattfand. Vor seinem Wechsel hatten ihm viele erzählt, wie groß der Verein sei. Erst als er selbst hier war, habe er es verstanden. In Köln, sagt er, sei fast jeder FC-Fan.

Niemand wird Dir helfen, außer Du selbst. Mach weiter und warte auf Deine Chance.

Paul Okon-Engstler Sr.

Sportlich ist es das nächste Level. Das Tempo und die Intensität sind höher als in Australien. Doch Okon Engstler hat schnell adaptiert, stand in den ersten Ligaspielen gleich in der Startelf. Der nächste Traum, der in Erfüllung ging. Die Bundesliga kannte er bislang vor allem aus dem Fernsehen. Als Kind stand er dafür sogar früh auf, um Spiele zu schauen. Auch in Australien liefen die Bayern oder Dortmund.
Köln ist nun der nächste Ort auf der spannenden Reise des Paul Okon Engstler. Der in Australien aufwuchs, in Europa reifte und schon viel gesehen hat für einen gerade einmal 21 Jahre jungen Mann. Und wenn er nicht gerade selbst Fußball spielt, dann unternimmt er etwas mit Mitspielern oder spielt PlayStation. Wobei diese aktuell noch in Belgien ist und er sie erst noch nach Köln holen muss. Ein guter Grund, um die Familie zu besuchen.
Diser Text ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 1, Saison 2026/27) erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich. Falls Ihr die neue Ausgabe in gedruckter Form lesen wollt, könnt Ihr Euch das GeißbockEcho hier im Fanshop bestellen.

Das könnte dich interessieren

  • Ford active
  • Ford active