
Pauline Bremer: Alles ist gut, solange du wild bist
13.06.2026
Pauline Bremer hat in ihrer bisherigen Karriere schon einige der größten Titel gewonnen. Bereits zweimal hielt die 30-jährige Stürmerin die Champions-League-Trophäe in ihren Händen. Fußball bedeutet für sie Leidenschaft, die sie schon als kleines Mädchen packte. Den Startschuss dieser Fußball-Liebe erlebte sie aber nicht auf dem Platz, sondern in einem Kinosaal.
„Ich war mit meinen beiden Schwestern im Kino und wir haben uns die wilden Kerle angeschaut. Danach hatte ich nur noch Fußball im Kopf. Ich wollte jede Sekunde kicken. Da hatte mich das Fußballfieber richtig gepackt“, erinnert sich Bremer. Die Wilden Kerle ist ein Film über eine Gruppe fußballspielender Jungs. Nachdem sie ihren Bolzplatz an die Gruppe der „Unbesiegbaren Sieger“ verloren haben, müssen die Jungs ein Team werden, um den Platz wieder zurückzubekommen. Dabei hilft auch ein Mädchen, das mittrainieren will und später in die Mannschaft aufgenommen wird. Für Bremer bedeutete der Film zu dem Zeitpunkt nicht nur Unterhaltung, sondern auch Inspiration. „Ich hatte in meinem Kinderzimmer Poster von den Wilden Kerlen und ich hatte einen Fußball davon. Man kann gar nicht zählen, wie oft ich die Filme geschaut habe“, sagt Bremer. „Ich habe mit meinen Schwestern oft zu Hause oder im Garten gekickt. Da ist im Haus auch schon mal etwas zu Bruch gegangen. Zudem haben wir auf Bolzplätzen gespielt und sind bei jedem Wetter rausgegangen, um zu kicken“, erzählt sie.
Doch nicht nur auf dem Platz spielte bei Bremer fortan die Musik. Jeder aus ihrer musikalischen Familie spielte ein Instrument und Pauline Bremer hatte sich das Cello ausgesucht – ein feines Streichinstrument aus Holz. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ich regelmäßig übe, also habe ich häufig Cello gespielt und bin danach raus auf den Bolzplatz“, erzählt Bremer. „Für mich war das Cello spielen über die Jahre ein schöner Ausgleich zum Sport. Man taucht dann in eine ganz andere Welt ab.“
Spaß und Talent
Auf dem Fußballplatz ging es dagegen rustikaler zu als beim Musizieren. Der SVG Göttingen 07 in Niedersachsen wurde ihr erster Verein. Bremer merkte zunehmend, dass sie nicht nur einen riesigen Spaß am Fußball hatte, sondern auch sehr talentiert war. Sie durchlief sämtliche Auswahlmannschaften und wechselte schließlich zu Turbine Potsdam, einem absoluten Aushängeschild des Frauenfußballs. Als U17-Spielerin trainierte sie in Potsdam bereits in der zweiten Mannschaft mit und schaffte ein halbes Jahr später den Sprung ins Bundesliga-Team. „Das war für mich der Moment, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich im Fußball viel erreichen kann“, erinnert sich Bremer.
Mit 19 Jahren wagte sie zum ersten Mal den Sprung ins Ausland. Zur Saison 2015/16 schloss sie sich dem französischen Topclub Olympique Lyon an. „Mir ist es nicht leicht gefallen, Potsdam zu verlassen. Turbine war damals für mich wie eine Familie, ich fühlte mich wohl und hätte mir gut vorstellen können, dort zu bleiben. Aber ich wollte fußballerisch den nächsten Schritt machen“, erzählt Bremer. Ihr Mut zahlte sich aus: In den zwei Jahren in Lyon hätte sie nicht erfolgreicher sein können. Sie holte mit Lyon jeweils das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal und wurde zweimal Champions-League-Siegerin. 2016 siegte Lyon im Finale im Elfmeterschießen gegen den VfL Wolfsburg, ein Jahr später im Elfmeterschießen gegen Paris. „Ich würde sagen, dass besonders der erste Champions-League-Titel für mich ganz besonders war“, erzählt Bremer. „Ich war noch jung, habe im Finale fast durchgespielt und dann den Pokal zu gewinnen, von dem man immer schon geträumt hatte, war einfach das Größte.“
Mit 19 Jahren wagte sie zum ersten Mal den Sprung ins Ausland. Zur Saison 2015/16 schloss sie sich dem französischen Topclub Olympique Lyon an. „Mir ist es nicht leicht gefallen, Potsdam zu verlassen. Turbine war damals für mich wie eine Familie, ich fühlte mich wohl und hätte mir gut vorstellen können, dort zu bleiben. Aber ich wollte fußballerisch den nächsten Schritt machen“, erzählt Bremer. Ihr Mut zahlte sich aus: In den zwei Jahren in Lyon hätte sie nicht erfolgreicher sein können. Sie holte mit Lyon jeweils das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal und wurde zweimal Champions-League-Siegerin. 2016 siegte Lyon im Finale im Elfmeterschießen gegen den VfL Wolfsburg, ein Jahr später im Elfmeterschießen gegen Paris. „Ich würde sagen, dass besonders der erste Champions-League-Titel für mich ganz besonders war“, erzählt Bremer. „Ich war noch jung, habe im Finale fast durchgespielt und dann den Pokal zu gewinnen, von dem man immer schon geträumt hatte, war einfach das Größte.“
Manchester-Zeit: Zwischen Verletzung und Erfolgen
Als zweifache Champions-League-Siegerin wechselte Bremer anschließend zum englischen Topclub Manchester City W.F.C.. In England verletzte sie sich allerdings früh und schwer, sie brach sich das Schien- und Wadenbein. Bremer fiel über ein Jahr aus. „Das war damals brutal für mich“, erzählt Bremer. „Ich war in einem neuen Land, in einer neuen Mannschaft und im zweiten Ligaspiel habe ich mich dann so schwer verletzt. Dann ist man erstmal unter Schock, stellt sich viele Fragen: Wie oft muss ich operiert werden? Wann kann ich wieder gehen? Anfangs konnte ich nicht viel an Fußball denken. Aber mein Umfeld hat mich direkt aufgefangen. Meine Freunde und Familie waren für mich da, unterstützend aus der Ferne. Durch den Kontakt zu meiner Mannschaft habe ich nie das Ziel aus den Augen verloren: wieder Fußball zu spielen. Sie hat mich immer spüren lassen, dass ich zum Team gehöre. Das hat mir in dieser Zeit sehr geholfen.“

Drei Jahre blieb sie bei Manchester, wurde zweimal englische Pokalsiegerin. „Jede Verletzung ist schwierig, gerade wenn sie lange dauert und einen zurückwirft. Dann fehlt einem der Fußball. Für mich war das Wichtigste, zu lernen, dass man im Leistungssport Verletzungen akzeptieren muss. Ich bin ein sehr positiver Mensch und bin gerne gutgelaunt. Aber man muss sich eingestehen können, dass es in Verletzungsphasen auch mal schlechte Tage geben darf. In England habe ich mit einer Teampsychologin gearbeitet. Es ging vor allem darum, das Trauma zu verarbeiten, das meine Verletzung ausgelöst hatte. Ich konnte nach meinem Zusammenprall erstmal keine Fußballspiele anschauen, weil ich Sorgen hatte, gleich passiert irgendetwas Schlimmes“, sagt Bremer. Manchmal feiert man die wichtigsten Siege neben dem Platz – und auch Bremer half die psychologisch orientierte Arbeit, um ihre Leichtigkeit wiederzugewinnen, die wichtig für ihr Fußballspiel ist.
Im Jahr 2020 kehrte Pauline Bremer nach Deutschland zurück und wechselte zum VfL Wolfsburg. Verletzungsbedingt gab es allerdings wieder einen großen Rückschlag, eine schwere Knieverletzung stoppte sie. Bremer kannte die Situation, mit einer Verletzung umgehen zu müssen und biss sich in der Phase wieder durch. Immer mit dem Fokus auf ihr Comeback und mit ihrem Team wieder erfolgreich zu sein. Bremer kam zurück – und wie. Sie wurde mit Wolfsburg einmal Deutsche Meisterin und dreimal DFB-Pokalsiegerin. In der Saison 2022/23 stand sie mit den Wölfinnen im Halbfinale der Champions League gegen den FC Arsenal. Zwei spannende Partien im Hin- und Rückspiel entschieden über den Finaleinzug. „Ich habe selten ein Stadion erlebt, das so laut war wie das Emirates an diesem Tag“, erinnert sich Bremer. In der 119. Minute der Verlängerung erzielte sie in London den entscheidenden Treffer und ließ das Emirates erstummen. „Das gehört zu meinen prägendsten Erlebnissen. Auf einmal hat man im Stadion nichts mehr gehört und wir standen im Finale.“ Im Endspiel unterlag der VfL in Eindhoven aber dem spanischen Spitzenclub FC Barcelona mit 2:3.
An ihre Duelle mit Barca denkt Bremer auch trotz der Niederlage noch gerne zurück. „Wenn man im Camp Nou vor über 90.000 Fans antritt, ist das total beeindruckend. Da muss man dann richtig aufpassen, dass man als Gegner von der sportlichen Qualität und der Wucht der Kulisse nicht überrollt wird“, sagt Bremer.
Erfahrung hilft
Im Sommer 2023 zog es sie zurück nach England und sie ging für Brighton & Hove Albion auf Torejagd. In der Saison 2024/25 erreichte sie mit ihrem Team den fünften Platz in Englands höchster Liga und damit zu dem Zeitpunkt die erfolgreichste Platzierung seit dem Wiederaufstieg des Clubs. „Ich habe in den verschiedenen Ländern und bei den Clubs meiner Karriere Erfahrungen gesammelt und mir so eine Art Baukasten zusammengesetzt. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu achten, besonders in Rehaphasen. Als junge Spielerin war ich sehr verbissen, habe gedacht, dass ich immer mehr machen muss, um immer mehr zu schaffen. Mit der Zeit bekommt man dann ein Gefühl, was für einen gut und effektiv ist. Manchmal ist es erfolgreicher, gezielter zu arbeiten und sich körperlich und mental auch mal Pausen zu gönnen“, erklärt Bremer.
In ihr wuchs in dieser Zeit der Herzenswunsch, wieder nach Deutschland und in die Bundesliga zurückzukehren. Es entstand der Kontakt zum 1. FC Köln und seit Sommer 2025 stürmt Bremer für die Kölsche Mädche. „Der FC ist ein ganz besonderer Verein mit großen Ambitionen. Man spürt den Zusammenhalt jeden Tag im Club und in der Stadt. Wir entwickeln uns immer weiter und es ist großartig, ein Teil davon zu sein“, sagt Bremer. Sechs Tore in 21 Spielen erzielte Bremer bisher beim FC und hatte damit großen Anteil daran, dass die FC-Frauen ihre historisch beste Saison in der Bundesliga spielten. 37 Punkte und Tabellenplatz sieben standen am Saisonende zu Buche, eine Spielzeit völlig ohne Abstiegssorgen nach zuvor herausfordernden Jahren. Bremer ist aber nicht nur Vollstreckerin, sondern bereitet Tore mit ihrer wuchtigen Spielweise vor, wie beim 2:1-Last-Minute-Sieg gegen den Hamburger SV.
Erfolgreich im DFB-Trikot
Beim Deutschen Fußball-Bund kennen sie Bremers Qualitäten ebenfalls. Sie durchlief die Teams der Juniorinnen bis hin zur A-Nationalmannschaft. Mit der U19 des DFB wurde sie Torschützenkönigin bei der Europameisterschaft 2013 in Wales. Mit der U20 wurde sie Weltmeisterin 2014 in Kanada und erzielte dabei fünf Tore im Turnier. 2014 wurde sie mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet, ein Jahr später sogar in Gold. Eine Auszeichnung, die die größten Talente Deutschlands erhalten. An ihrem 18. Geburtstag debütierte sie in der A-Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien, Deutschland gewann die Partie mit 4:0. Im Jahr 2015 stand sie im Kader der DFB-Frauen für die Weltmeisterschaft in Kanada. 21 Länderspiele bestritt sie für Deutschland, erzielte dabei vier Treffer.

An ihrer Torquote für den FC wird sie auch in der neuen Saison weiter schrauben, ihr Vertrag läuft noch bis Sommer 2028. Bremer sagt: „Natürlich freue ich mich über jeden Treffer, aber vor allem geht es mir immer um den gemeinsamen Sieg. Wer am Ende die Tore schießt, spielt dann keine große Rolle. Ich finde es eine Bereicherung, dass ich immer mit so vielen verschiedenen und spannenden Charakteren in einem Team spiele. Und mit diesem Team möchte ich immer das Bestmögliche erreichen.“ Im Herzen blieb Pauline Bremer dabei immer das Mädchen, das damals im Kinosaal so begeistert von Fußball war und gar nicht erwarten konnte, auf den Fußballplatz zu gehen und zu kicken. Mit Leidenschaft für den Fußball und getreu dem Motto der Wilden Kerle: Alles ist gut, solange du wild bist!
Das Porträt über Pauline Bremer ist zuerst im aktuellen GeißbockEcho (Ausgabe 4, Saison 2025/26) erschienen. In der gedruckten und digitalen Ausgabe findet Ihr viele weitere Hintergrundgeschichten und exklusive Interviews.















