
Revolutionäre Ideen bei der neuen Frauen-Bundesliga
30.09.2026
Der Frauen-Bundesliga FBL e.V. startet das Verfahren zur Vergabe der nationalen Medienrechte an den Spielen der Frauen-Bundesliga (FBL) und des Supercups der Frauen ab der Saison 2027/28. Die Vergabe ist für die Spielzeiten 2027/28 und 2028/29 vorgesehen.
Mit der Neuvergabe strukturiert die Frauen-Bundesliga den Spieltag grundlegend neu: Statt bislang sieben unterschiedlichen Anstoßzeiten an vier Tagen finden die Spiele künftig an drei festen Spielterminen von Freitag bis Sonntag statt. Zugleich soll die Präsenz der Frauen-Bundesliga auf frei empfangbaren Plattformen ausgebaut werden. Für die künftige Wettbewerbsstruktur geht die FBL zudem mit zwei möglichen Szenarien in die Gespräche mit den Medienunternehmen.
„Wir stellen die Frauen-Bundesliga neu auf – und der Spieltag ist ein zentraler Teil davon“, sagt Katharina Kiel, Präsidentin des Frauen-Bundesliga FBL e.V. „Wir wollen neue Impulse setzen und zugleich stärker auf das eingehen, was unseren Fans wichtig ist. Die Frauen-Bundesliga erreicht ein junges Publikum, viele Familien und Zielgruppen, die auch für Medienpartner und Marken interessant sind. Diese Stärken wollen wir nutzen, um die Liga sichtbarer zu machen und mehr Menschen dauerhaft für sie zu gewinnen.“
Drei feste Spieltermine und bewusster Verzicht auf Montagsspiele
Ab der Saison 2027/28 werden sich die sieben Spiele eines regulären Spieltags auf drei feste Anstoßzeiten verteilen: ein Einzelspiel am Freitagabend, ein Einzelspiel am Samstagmittag und fünf Parallelspiele mit Konferenz am Sonntagnachmittag. Der Sonntag wird somit zum Kernspieltag der FBL. Die konkreten Anstoßzeiten sind Gegenstand der Verhandlungen mit den Medienunternehmen. In den bisherigen Marktgesprächen hat sich eine Tendenz zu Freitag, 19 Uhr, Samstag, 13 Uhr, und Sonntag, 14 Uhr, ergeben.
Der Montag bleibt künftig spielfrei. Damit gibt die FBL bewusst ein bisheriges mediales Alleinstellungsmerkmal auf. Mit der Entscheidung für drei Spieltage von Freitag bis Sonntag will die FBL den Stadionbesuch stärken und insbesondere jungen Fans und Familien den Besuch der Spiele ermöglichen. Zugleich greift die FBL damit einen ausdrücklichen Wunsch aus der Fanszene auf.
Sonntag wird Kernspieltag mit Konferenz
Mit den fünf Parallelspielen am Sonntag erhält die Frauen-Bundesliga erstmals ein Konferenzformat mit festem Sendeplatz. Die neue Struktur schafft mehr Planbarkeit für Fans, Clubs und Medienpartner.
Die Ausrichtung trägt zugleich dem Publikum der Frauen-Bundesliga Rechnung. Die Liga erreicht eine jüngere und kaufkräftige Zielgruppe sowie einen höheren Anteil an Familien als der Männerfußball. Verlässliche Anstoßzeiten, frei empfangbare Angebote und wiederkehrende Formate sollen diese Zielgruppen noch stärker an die Liga binden.
Mehr Free-TV und vier Leuchtturmspieltage
Die FBL will mit der neuen Rechtearchitektur die frei empfangbare Präsenz der Liga deutlich ausbauen. Im vorgesehenen Modell können Zuschauerinnen und Zuschauer pro Saison 37 Spiele live im Free-TV verfolgen – als Einzelspiel oder im Rahmen einer Konferenz.
Neben Supercup der Frauen und Saisoneröffnung sind pro Saison vier Leuchtturmspieltage vorgesehen. Sie werden gezielt in den Abstellperioden des Männerfußballs angesetzt, in denen keine Spiele der Bundesliga, der 2. Bundesliga oder des DFB-Pokals stattfinden. Damit erhält die Frauen-Bundesliga an diesen Wochenenden eine besondere mediale Bühne. An den Leuchtturmspieltagen sollen jeweils ein Einzelspiel und die Konferenz frei empfangbar übertragen werden. Hinzu kommt der Spieltag am 1. Mai. Die genaue Terminierung erfolgt im Rahmenterminkalender.
Darüber hinaus ist das Freitagsspiel am frühen Abend als weiteres mögliches Free-TV-Angebot Teil der Rechtekonfiguration. Im Pay-Bereich können sämtliche Spiele der Frauen-Bundesliga und des Supercups der Frauen angeboten werden – 183 Spiele im evolutionären beziehungsweise 190 Spiele im revolutionären Szenario, jeweils als Einzelspiele und Konferenzen.
Auch die zeitversetzte Berichterstattung soll ausgeweitet werden. Vorgesehen sind Kurzzusammenfassungen aller Spiele von bis zu sechs Minuten unmittelbar nach Spielende sowie ausführlichere Spielberichte und Formate für Free- und Pay-Angebote.
Evolutionär oder revolutionär: zwei Szenarien für den künftigen Spielmodus
Das evolutionäre Szenario setzt den bisherigen Wettbewerbsmodus fort und umfasst einschließlich des Supercups der Frauen 183 Spiele pro Saison.
Das revolutionäre Szenario würde die Saison um sieben Entscheidungsspiele ohne Rückspiel ergänzen. In drei Play-In-Spielen wird ein weiterer Auf- und Abstiegsplatz zwischen der Frauen-Bundesliga und der 2. Frauen-Bundesliga ausgespielt. In vier Play-off-Spielen ermitteln die vier Bestplatzierten der Frauen-Bundesliga die Deutsche Meisterin – in zwei Halbfinals, einem Finale und einem Spiel um Platz drei, der zur Teilnahme an der UEFA Women's Champions League berechtigen kann. Damit stiege die Zahl auf 190 Spiele pro Saison. Die Rechte an den Entscheidungsspielen sollen für eine frei empfangbare Übertragung angeboten werden. Die konkrete Verwertung ist Gegenstand der Verhandlungen mit den Medienunternehmen.
Beide Szenarien werden in die Gespräche mit den Medienunternehmen einbezogen. Die Ergebnisse fließen gemeinsam mit der sportlichen und strategischen Bewertung der Clubs in die Entscheidung über die künftige Wettbewerbsstruktur ein. Die Mitgliederversammlung des FBL e.V. entscheidet nach Abschluss der Verhandlungen über das Wettbewerbsformat. Dabei betrachten die Clubs die Gesamtangebote und berücksichtigen wirtschaftliche Konditionen ebenso wie mediale, sportliche und weitere für die langfristige Entwicklung der Liga relevante Aspekte.
„Bei der Frage nach dem künftigen Spielmodus betrachten wir das Gesamtbild“, sagt Katharina Kiel. „Dazu gehören sportliche Attraktivität, mediale Wirkung, die Höhe der Gebote und der Einfluss auf die Entwicklung der Liga. Die Gespräche mit den Medienunternehmen liefern uns dafür wichtige Erkenntnisse. Auf dieser Grundlage entscheiden die Clubs gemeinsam in der Mitgliederversammlung, welches Szenario wir umsetzen.“
Langfristige Entwicklung vor kurzfristiger Erlösoptimierung
Die Medienerlöse der Frauen-Bundesliga liegen derzeit bei rund 5,2 Millionen Euro pro Saison und waren bei der vergangenen Rechtevergabe deutlich gestiegen. Mit rund zehn Prozent machen die Medieneinnahmen einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesamterlöse der Clubs aus. Das eröffnet der FBL Spielraum, bei der anstehenden Vergabe neben dem wirtschaftlichen Wert auch Reichweite, Sichtbarkeit und die strategische Qualität der Medienpartnerschaften stark zu gewichten.
„Diese Rechtevergabe ist für uns eine strategische Weichenstellung“, sagt Katharina Kiel. „Der wirtschaftliche Wert der Rechte ist dabei ein wichtiger Faktor. Ebenso wichtig sind Reichweite, Sichtbarkeit und Medienpartner, die die Entwicklung der Frauen-Bundesliga langfristig unterstützen. Wir wollen mit der Vergabe die Grundlage dafür legen, die Frauen-Bundesliga langfristig weiterzuentwickeln und ihre Reichweite und Relevanz zu erhöhen.“
Bilaterale Verhandlungen mit interessierten Medienunternehmen
Die Vergabe erfolgt in einem strukturierten Verhandlungs- und Vertragsschlussverfahren mit separaten bilateralen und vertraulichen Gesprächen. Die vorgestellten Rechtepakete bilden die Grundlage für die Verhandlungen, legen deren Ergebnis aber nicht vorab fest. Medienunternehmen können einzelne, mehrere oder alle Pakete erwerben. Die Vergabe ist für zwei Spielzeiten vorgesehen.
Interessierte Medienunternehmen können ihre Teilnahme bis zum 6. Oktober 2026 beim Präsidium des FBL e. V. anzeigen. Die bilateralen Gespräche beginnen ab dem 7. Oktober. Im November sollen verbindliche Angebote vorgelegt werden. Die Entscheidung über die Vergabe der Medienrechte ist im Rahmen der Mitgliederversammlung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. am 30. November 2026 vorgesehen.
Nächstes Heimspiel der FC-Frauen
Aktuell läuft die Google Pixel Frauen-Bundesliga noch in der Struktur des DFB. Die FC-Frauen bestreiten am kommenden Wochenende den sechsten Spieltag. Nach drei Siegen aus fünf Spielen ist am Samstag, 3. Oktober 2026, 16 Uhr, der SC Freiburg im Franz-Kremer-Stadion zu Gast. Tickets gibt es noch im FC-Onlineshop.