
Tom Krauß: „Dann kommt die emotionale Seite heraus“
21.10.2026
Tom Krauß hat in den vergangenen Spielen im zentralen Mittelfeld überzeugt. Im Interview blickt er auf die Niederlage in Frankfurt, spricht über Konstanz, seine Schalke-Vergangenheit und warum es ihm so viel bedeutet, für den FC aufzulaufen.
Tom, mit etwas Abstand zum Freitagabend: Wie blickst Du auf die Niederlage in Frankfurt?
Tom Krauß: Wir haben in der ersten Halbzeit ein ordentliches Spiel gemacht, wenig zugelassen und hätten ein Tor machen können. Nach der Pause haben wir es 25 Minuten nicht mehr geschafft, die Bälle richtig zu klären und haben Frankfurt mehr ins Spiel kommen lassen. Als wir das Spiel eigentlich wieder besser neutralisiert hatten, ist das Gegentor gefallen. Nach vorne haben wir nicht mehr so viel kreiert. Weil wir in der zweiten Halbzeit nicht an unsere Leistung der ersten anknüpfen konnten, war es dann vielleicht auch eine verdiente Niederlage.
Ihr habt das erste Mal in dieser Saison mit Dreier- bzw. Fünferkette gespielt. René Wagner erklärte, dass das ein Schritt zu mehr Flexibilität ist. Was ändert sich dadurch insbesondere auf Deiner Position?
In meinem Spiel ändert sich nicht so viel. Ich bin genauso aggressiv, aber mit drei Verteidigern dahinter kann ich noch ein bisschen weiter vorverteidigen und im Spielaufbau muss ich mich nicht hinten reinfallen lassen. Wir wollen ein bisschen flexibler werden, das tut dir immer gut. Und es hat auch lange Zeit gut geklappt.
Du hast zu Beginn der Saison an der Seite von Ellyes Skhiri gespielt und hast ihn dann nach der Verletzung im Derby ersetzt. Was verändert sich für Dich, wenn Du statt neben Ellyes neben einem noch offensiver denkenden Nebenmann agierst?
Es tut mir natürlich unfassbar leid für Ellyes. Für mich ist es die Chance, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. In diese Rolle kann und will ich hineinwachsen. Und natürlich in erster Linie meine Leistung bringen – da ist es auch im ersten Moment nicht entscheidend, wer neben mir spielt. In den letzten beiden Spielen bin ich in Form gekommen, möchte das Woche für Woche bestätigen und mit der Mannschaft Siege feiern.
Es gibt verschiedene Arten, Führung und Verantwortung zu übernehmen. Siehst Du Dich hier auch ein Stück weit als Emotional Leader, der auf dem Platz die Emotionen rauslässt und das Stadion und die Mannschaft mitnehmen möchte, so wie Du von außen wirkst?
Ich bin ein Typ, der die Spiele einfach mit aller Macht gewinnen und dabei die Fans und die Mannschaft mitziehen möchte. Es gab Spiele, wo das gut funktioniert hat, daran will ich anknüpfen und noch mehr machen. Aber erst einmal muss man selbst Leistung bringen. Wenn diese stimmt, kommt auch die emotionale Seite von mir heraus.
Wir haben schon über Ellyes‘ Ausfall gesprochen, mit Ragnar und Thijs fallen auch die beiden Stürmer aus. Weckt das ein Jetzt-erst-Recht-Gefühl in der Mannschaft?
Natürlich. Im Fußball passiert das leider und ich habe noch keine Saison ohne Verletzungen in einem Team erlebt. Dafür haben wir einen breiten Kader. Wir sind alle Bundesligaspieler und haben Qualität. Wir müssen das jetzt als Team auffangen.

Der FC will einen intensiven Fußball spielen. Mit dem Blick auf die Statistiken fällt auf: Du läufst am meisten Kilometer, machst die meisten Sprints und gewinnst die meisten Zweikämpfe. Passt dieser Stil perfekt zu Dir?
Absolut. Das ist meine Spielweise und so habe ich es auch zum Profi geschafft. Dafür habe ich bei anderen Themen noch ein paar Entwicklungsfelder. Ich will mich immer weiterentwickeln und bin noch nicht am Ende.
Die bisherige Saison war ein Auf und Ab. Auf ein Unentschieden oder einen Sieg folgte stets eine Niederlage. Wie könnt Ihr hier mehr Konstanz reinbekommen?
Wir haben leider seit einem Jahr auswärts nicht mehr gewonnen. Für die Konstanz müssen wir auswärts mehr punkten. Das wissen wir und wollen diese Statistik nicht auf uns sitzen lassen, sondern den Bock schnellstmöglich umstoßen. Es stehen sehr wichtige Spiele für uns an, da müssen wir auswärts wie zu Hause gewappnet sein.
Ist es durch dieses Auf und Ab schwer, eine wirkliche Gefühlslage nach dem Saisonstart zu beschreiben?
Es ist ein Up und Down. Wenn du den Derbysieg holst, willst du diesen natürlich mit etwas Zählbarem in Frankfurt vergolden. Wie gesagt, müssen wir da konstanter werden, um über die ganze Saison ein gutes Gefühl zu entwickeln und die Klasse zu halten. Das ist ganz klar das Ziel Nummer eins.

Am Samstag geht es zu Hause gegen Schalke. Wie besonders ist dieses Spiel für Dich?
Es ist das besonderste Spiel der Saison für mich. Ich habe dort ein Jahr gespielt. Aber das blende ich am Samstag komplett aus. Ich freue mich auf das Spiel und mag es immer, wenn zwei Fanlager für extrem gute Stimmung sorgen.
Du bist damals so richtig in der Bundesliga angekommen. Welche Erinnerungen hast Du an Dein Jahr auf Schalke?
Ich bin dankbar, dass ich dieses Jahr erleben durfte – obwohl wir abgestiegen sind. Ich konnte fast jedes Spiel bestreiten und Erfahrungen sammeln in einem jungen Alter. Nach einer schlechten Hinrunde haben wir eine gute Rückrunde gespielt, haben uns aber nicht dafür belohnt. Trotzdem blicke ich positiv zurück, weil ich viel lernen und für meine weitere Karriere mitnehmen konnte.
Gerade in einem Abstiegsjahr ist es auf Schalke sicherlich sehr emotional. Ist diese Emotionalität an den beiden Standorten vergleichbar?
Weil wir nach der schlechten Hinrunde eine gute Rückrunde gespielt hatten, hatten die Fans auf Schalke damals ein gutes Gespür für die Situation. Obwohl wir beispielsweise einmal 1:6 gegen Leipzig verloren hatten, sind die Fans wieder gekommen. Das ist auf jeden Fall vergleichbar zu hier. Ich liebe es, für Köln zu spielen. Wenn man sieht, wie die Stadt jedes Wochenende bebt und die Fans auch in schwierigen Phasen, obwohl sie wegen des FC das eine oder andere graue Haar mehr kriegen, immer ins Stadion kommen. Deshalb bin ich sehr stolz, für diesen Club spielen zu dürfen.
Wie blickst Du aktuell auf Schalke?
Sie haben es hinbekommen, den Verein wieder in die richtigen Bahnen zu leiten. Nach dem Abstieg ging es schon bergab und hätte auch in eine andere Richtung gehen können. Aber nun wirkt es so, als hätten sie sich wieder stabilisiert. Wir wissen, was auf uns zukommt. Das ist eine gute Mannschaft, die vor allem defensiv sehr gut ist. Aber wir brauchen keine Angst vor Schalke haben, müssen unsere Stärken ausspielen, zu Hause aggressiv auftreten und die Fans von der ersten Sekunde an mitnehmen. Das wollen wir ohnehin in jedem Heimspiel zeigen, dass wir der Herr im Haus sind und das Spiel gewinnen wollen. Wenn wir das über 90 Minuten zeigen, bin ich davon überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen werden. Schalke ist eine aggressive Mannschaft, kommt viel über zweite Bälle. Da gilt es für uns da zu sein.
Ihr spielt am Samstag im Ostermann-Sondertrikot, mit dem auch dieses besondere Kölsche Jeföhl ausgedrückt wird. Wie viel Verbindung spürst Du in Deinem zweiten Jahr in Köln schon?
Das war auch im ersten Jahr schon da. Du spürst sehr schnell, was das für ein Verein ist. Man hat das Gefühl, die ganze Stadt lebt und alle lieben diesen Verein. Ich liebe es, wenn du mittwochs beim Bäcker bist und der dir schon viel Erfolg für Samstag wünscht. Ich spiele extrem gerne für den FC. Und auch wenn es mal schwierigere Phasen gibt, will ich mich dagegen stemmen und die Menschen glücklich machen. Das ist auch das Ziel für Samstag, dass die Menschen mit einem guten Gefühl und glücklich nach Hause gehen. Dafür werden das ganze Team und ich alles geben.
















