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Vor 125 Jahren: Fünf „Rebellen“ gründen den Kölner Ballspiel-Club

12.06.2026
Hätte der FC die „Jubiläums-Feier-Traditionen“ der 1950er und 1960er Jahre beibehalten, würde am heutigen 12. Juni sicherlich groß gefeiert, jährt sich doch die Gründung des ältesten FC-Vorgängervereins Kölner Ballspiel-Club (KBC) zum 125. Mal. Denn sowohl 1951 als auch 1961 zelebrierte der FC diesen Jahrestag jeweils als sein 50. bzw. 60. Clubjubiläum – inklusive Festempfang, Jubiläumsspiel und einer opulenten Festschrift. Erst in den folgenden Jahrzehnten legte man den 13. Februar 1948, also die Fusion von KBC und Spielvereinigung Sülz 07, sozusagen als „Jubiläumsdatum“ des 1. FC Köln fest.

FC-Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1899

Eigentlich reichen die ältesten FC-Wurzeln sogar noch weiter zurück, als bis ins Jahr 1901, wurde der KBC doch von abtrünnigen Mitgliedern des bereits im Mai 1899 gegründeten „Kölner Fußball Club Borussia“ ins Leben gerufen. Entsprechend lautete die erste Eintragung im „Protokollbuch“ des KBC: „Infolge Differenzen trennten sich von dem Kölner Fußballclub Borussia in dessen Generalversammlung am 12. Juni 1901 die Herren Wilhelm Balzer, Ludwig Müller, Moritz Kobbe, E. Nowack und Karl Heyermann. Dieselben traten noch am gleichen Abend zusammen, um einen neuen Verein zu gründen, der den Namen ‚Kölner Ballspiel-Club‘ erhielt.“
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1901 lagen Köln und das Rheinland bei der Entwicklung des jungen und längst noch nicht überall etablierten Fußballsports hinter anderen deutschen Metropolen zurück. Der vorherrschende Sport im gesamten damaligen Deutschen Reich war das Turnen. Das aus England importierte Fußballspiel war den konservativen Turnern zu „undeutsch“ und vor allem zu roh, weshalb sie abwertend von „Fußlümmelei“ sprachen. Die Gründungsmitglieder des Kölner Ballspiel-Clubs waren allesamt Schüler und in den Augen von Turnern, Lehrpersonen und Eltern „Rebellen“, die, um sich auch optisch abzuheben, zunächst während des Spiels Mützen trugen. Sie besaßen lediglich einen Ball, hatten aber zumindest nicht lange als „wilder Verein“ den von Elternhaus und Schule drohenden Fußballverboten zu trotzen, sondern fanden noch 1901 Aufnahme in den Rheinischen Spielverband (später Rheinisch-Westfälischer Spielverband, bzw. Westdeutscher Spielverband, ab 1948 Westdeutscher Fußballverband).

Mit Spaten, Brecheisen und Bandmaß aufs Spielfeld

Die Austragung der ersten Pflichtspiele gestaltete sich allerdings zuweilen schwierig, denn oftmals bekam man nicht einmal elf Feldspieler zusammen und musste in Unterzahl beim Gegner antreten. Der KBC spielte zunächst in der Nähe der alten Schiffbrücke auf der in Riehl gelegenen Mülheimer Heide. Das Spielfeld musste von den Aktiven selbst hergerichtet werden. Ausgerüstet mit hölzernen Torstangen, Spaten, Brecheisen, Bandmaß und Gips zog man lange vor Spielbeginn auf das Gelände, um dieses in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen. Nicht selten gab es dabei Hohn und Spott von Passanten. 1902 wurde der KBC Gründungsmitglied der höchsten Spielklasse des 1. Bezirks des Rheinisch-Westfälischen Spielverbandes und schaffte in der Saison 1902/03 auf Anhieb einen starken 3. Platz. Nur anderthalb Jahre später bezog man an der Vitalisstraße den ersten eigenen umzäunten Platz was den Vorteil hatte, mit Eintrittsgeldern zusätzliche Mittel neben den Mitgliedsbeiträgen generieren zu können.

Westdeutscher Meister 1912

Ab den 1910er Jahren ging es sportlich bergauf, Robert Hense wurde am 16. Oktober 1910 als erster KBC-Spieler in die deutsche A-Nationalmannschaft berufen. Ihm sollte mit Karl Flink (1922) nur noch ein weiterer Nationalspieler folgen. Nicht einmal 24 Monate danach dann der erste Titelgewinn: die Westdeutsche Meisterschaft 1912 – ausgerechnet nach einem 4:2-Endspielerfolg über Borussia München-Gladbach, zu der seinerzeit jedoch noch nicht die ausgeprägte Rivalität von heute bestand. Dank dieses Erfolgs stand der KBC erstmals in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft, wo man jedoch gegen den Karlsruher FV keine Chance hatte.
Auch die Zuschauerzahlen stiegen – bei attraktiven Spielen wurden bis zu 10.000 Fans gezählt, die für den Stehplatz 50 und für den Sitzplatz 75 Pfennig bezahlten. Der erste Weltkrieg ließ den Spielbetrieb weitgehend ausfallen und auf ein regionales Mindestmaß schrumpfen. Zahlreiche KBC-Mitglieder kamen an den Kriegsfronten ums Leben. Unter dem Vorsitzenden Wilhelm Krischer „professionalisierte“ sich der KBC nach dem Krieg zusehends, hatte eine Geschäftsstelle auf der Luxemburger Straße, knapp 2.000 Mitglieder und sogar einen eigenen Fernsprecher.
Prägende Akteure wie Mittelstürmer Walter Binder, der Niederländer Manes Wynperle, Karl Flink, der Schotte William McGregor oder Torwart „Matthes“ Roggendorf prägten diese Zeit mit dem Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft 1922, auf die der Club jedoch nach Ärger mit dem Verband verzichtete. Am 14. September 1924 weihte der KBC seinen neuen Platz an der Ecke Luxemburger Straße/Militärringstraße ein, wo er bis zur Fusion mit Sülz 07 blieb. Inzwischen auch über eine Leichtathletik-, eine Handball- sowie eine Tennis-Abteilung verfügend, blieb man ab Mitte der 1920er Jahre in Sachen Fußball meist hinter den Erwartungen zurück.

Gleichschaltung und Ausschluss jüdischer Mitglieder während der Zeit des Nationalsozialismus

Mit dem Beginn der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 waren auch der Sport und die Vereine tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Letztgenannte erhielten einheitliche Satzungen und wurden gleichgeschaltet. Die Vorstandsposten übernahmen nicht selten „linientreue“ NSDAP-Parteigenossen, sofern sich die Amtsinhaber nicht entsprechend anpassten. Jüdische Vereinsmitglieder wurden ausgeschlossen – auch beim KBC. Stellvertretend sei das Schicksal der Brüder Adolf und Otto Levy genannt, die beide seit 1902 dem Club angehörten und nicht nur lange in der 1. Mannschaft gespielt, sondern sich auch neben dem Platz intensiv für den KBC engagiert hatten. Adolf Levy wurde 1941 von Köln ins Ghetto Lodz deportiert, wo er 1942 verstarb. Otto Levy zog nach 1933 nach Berlin, wurde 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort wie seine Ehefrau ermordet.

Fusion mit der Spielvereinigung Sülz 07

Nach dem zweiten Weltkrieg war auch der KBC-Platz durch Kriegsfolgen stark zerstört und viele Mitglieder zu Tode gekommen. Die überlebenden Mitglieder begannen mit dem mühsamen Neuaufbau und schon im Herbst 1945 rollte erstmals wieder der Ball. Der letzte sportliche Erfolg der Schwarz-Roten war der Gauliga-Aufstieg 1937 gewesen, doch nach dem Krieg spielte der KBC nach zwei Abstiegen 1947 nur noch drittklassig – erstmals in der Clubhistorie. Kurz zuvor, am 8. Februar 1947, war Franz Kremer zum 1. Vorsitzenden gewählt worden. Er war es schließlich, der den Kölner BC nach der Idee der Spielausschussobmänner Franz Bolg (KBC) und Fritz Plate (Sülz 07) am 13. Februar 1948 zur Fusion mit der Spielvereinigung Sülz 07 führte. Die Ära des 1. FC Köln begann…
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