
Wagner im Interview: „Diesen Geist wollen wir entwickeln“
22.08.2026
René Wagner führt den 1. FC Köln zum ersten Mal als Cheftrainer in eine neue Saison. Im ersten Teil des Interviews spricht er über den Umgang mit Testspielen, sein Fazit zur Vorbereitung und den Austausch mit den Spielern.
René, Ihr habt die letzten beiden Testspiele gegen den SC Paderborn verloren. Wie geht es Dir nach solchen Spielen? Schläfst Du auch mal schlecht?
René Wagner: Es hat uns auf jeden Fall ein paar Tage beschäftigt. Aber wir müssen es als das nehmen, was es war: ein Testspiel gegen einen guten Gegner. Wir haben in beiden Spielen eine gute erste Halbzeit gespielt, hatten aber auch Phasen, mit denen wir nicht zufrieden sind. Darüber sprechen wir mit der Mannschaft. Und wir machen uns mit dem Trainerteam viele Gedanken dazu. Es ist nach jedem Spiel so, dass es Dinge gibt, mit denen man nicht so zufrieden ist. Daraus ziehen wir unsere Lehren und passen die Dinge immer wieder an. Genauso wichtig ist es, zu sehen, was gut war.
Bei Fans, die nur die Ergebnisse lesen, kommt gerade im emotionalen kölner Umfeld schnell Nervosität auf. Hast Du dafür Verständnis?
Na klar, unsere Fans verfolgen alles rund um den FC ganz genau. Gerade an einem emotionalen Standort wie Köln sollten wir trotzdem versuchen, die Entwicklung unserer Mannschaft in den Fokus zu stellen und ihr Zeit zu geben. Wir haben eine neue Konstellation mit einem neuen Trainerteam und vielen neuen Spielern. Und wir haben in der Vorbereitung viele gute Leistungen gezeigt. Während gegen Paderborn nicht alles schlecht war, war auch zum Beispiel bei den Siegen gegen San Sebastian nicht alles gut. Wir werden auch in der Bundesliga nicht jedes Spiel gewinnen. Wenn wir dann jedes Mal nervös werden, wird es schwierig, an diesem Standort erfolgreich zu arbeiten. Wir brauchen Ruhe und ein gutes Gefühl, damit wir unter der Woche an genau diesen Themen arbeiten können.
Du hast die Entwicklung angesprochen. Wie zufrieden bist Du mit diesem nach der Vorbereitung?
Wir haben nun etwas mehr als fünf Wochen in dieser Konstellation zusammengearbeitet und viele Themen angestoßen, die wir verbessern wollen. Aber das braucht Zeit. Die neuen Jungs sind gut integriert, die U21-Jungs haben es richtig gut gemacht und wir haben intensiv gearbeitet. Die Jungs sind fit. Wir haben in vielen Bereichen den Grundstein gelegt. Jetzt gilt es für uns, da weiterzumachen. Nach fünf Wochen Vorbereitung ist bei keiner Mannschaft der Welt alles perfekt.
Kannst Du Beispiele nennen, die Ihr angestoßen habt?
Wir wollen die Kultur verbessern und jeden Tag hart arbeiten. Anders kann es nicht funktionieren. Wir haben nicht den größten Etat und können nicht die teuersten Spieler kaufen. Deshalb wollen wir aus unseren Jungs das Maximale herausholen. Diesen Geist wollen wir am Geißbockheim entwickeln und festigen.
Was genau möchtest Du von den Spielern sehen?
Dass sie jeden Tag besser werden wollen. Dazu gehört das Verhalten auf dem Platz und neben dem Platz. Dass man sich verhält, wie es sich in einer Mannschaft gehört, dass man versucht anzutreiben, aber auch mal dazwischenhaut, wenn es sein muss. Und dass die Jungs diesen Anspruch auch untereinander haben und versuchen, sich jeden Tag gemeinsam zu verbessern, und dabei diesen Beruf, den wir ausüben dürfen, als etwas ganz Besonderes sehen.

Woran habt Ihr im Sportlichen insbesondere gearbeitet?
Wir wollten unserem Spiel zum Beispiel mehr Kontrolle geben, wollen kontrolliert ins letzte Drittel kommen und unter Druck nicht immer sofort den schnellsten Weg suchen. Das hat gegen Paderborn in den ersten Halbzeiten beider Spiele gut funktioniert, da müssen wir weitermachen. Und es gibt ganz viele kleine Themen, an denen wir auch intensiv gearbeitet haben.
Ihr habt oft zwei Stunden und länger trainiert. Ist es das Ziel, die fitteste Mannschaft der Bundesliga zu sein?
Es wäre gut, wenn wir das wären – aber dieses Ziel hat jede andere Mannschaft auch (lacht). Wir arbeiten so, wie es sich für uns richtig anfühlt. Dabei verfolgen wir einen klaren Plan und wollen die Jungs so ans Maximum bringen. Es gibt Einheiten, da sind wir zwei Stunden auf dem Platz, genauso wichtig ist es auch, zum richtigen Zeitpunkt runterzufahren.
Schon als Interimstrainer hast Du betont, wie wichtig Dir der direkte Austausch mit den Spielern ist. Wie gehst Du dabei vor?
Ich versuche, regelmäßig mit jedem Spieler persönlich zu sprechen. Das geht natürlich nicht jeden Tag, aber ich möchte mit jedem im Austausch sein. Bisher habe ich mit allen schon mal länger zusammengesessen. Die Jungs sollen wissen, woran sie sind. Alle geben Gas und haben im Laufe der Vorbereitung Rollen eingenommen. Aber alles ist noch im Fluss, es sind noch Spieler dazu gekommen, es gibt die ein oder andere Verletzung, dadurch verändern sich die Dinge permanent. Deshalb versuche ich, mit jedem immer so offen und ehrlich wie möglich zu sein. Und mir ist es wichtig, die Jungs zu verstehen. Wenn beispielsweise ein Spieler aus einem anderen Land und einer anderen Kultur kommt und andere Perspektiven hat. Das heißt nicht, dass für denjenigen andere Regeln gelten, aber es geht auch darum, Verständnis zu haben und eine diverse Gruppe zusammenzuführen. Wie eng wir wirklich sind, wird sich dann unter Stress zeigen.
Der Kader ist noch einmal internationaler geworden. Was kann die Stärke dieser Diversität und Internationalität sein?
Dass wir Menschen aus verschiedenen Regionen und mit verschiedenen Lösungswegen haben. Wenn man eine sehr diverse Gruppe hat, kann es in zwei Richtungen gehen. Entweder findet die Gruppe gut zusammen, dann kann es ein massiver Vorteil sein. Oder das Gegenteil ist der Fall. Deswegen werden wir alles dafür tun, dass die Mannschaft das versteht und über allem steht, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Da sind wir auf dem richtigen Weg, aber wir sind noch nicht fertig. Es braucht Erfolgserlebnisse – die werden uns auf jeden Fall stärken.
Teil 2 des Interviews mit René Wagner lest Ihr am Sonntag auf fc.de















