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„Wir wären weitergekommen“: Das Elferdrama gegen Real Sociedad
07.08.2026
Und plötzlich zappelte der Ball im Netz. Die rund 40.000 Fans im Müngersdorfer Stadion riss es von ihren Plätzen. Bereits zum zweiten Mal nach nur 28 Minuten. Stephan Engels hatte das Leder aus 15 Metern mit links humorlos im Tor versenkt – 2:0 für den FC. „Ich kann mich noch sehr gut an das Spiel erinnern“, sagt Engels heute – knapp 38 Jahre später. Das Achtelfinalrückspiel im UEFA-Cup 1988 war das erste und bislang einzige Gastspiel des baskischen Traditionsclubs Real Sociedad San Sebastian in Köln. Der FC brauchte nach der 0:1-Niederlage einen Sieg und lag nach dem Treffer von Engels überraschend früh auf Viertelfinalkurs.
Der FC war zu jener Zeit eine große Nummer – auch international. „Wir haben damals nahezu jede Saison unter den ersten fünf abgeschlossen und waren damit mindestens für den UEFA-Cup qualifiziert“, erinnert sich Engels. Genau diesen Wettbewerb wollte der FC auch 1988/89 aufmischen und setzte sich in den ersten beiden Runden gegen Royal Antwerpen und die Glasgow Rangers durch. Es folgte das Duell mit Real Sociedad, das vom Waliser John Toshack trainiert wurde. „Man musste den 1,90 Meter großen Toshack nur anschauen, dann wusste man, wie die Basken spielen“, erzählt Engels. „Die hatten einige Jungs, die richtig hinlangen konnten. Das waren keine Kinder von Traurigkeit.“

So überraschte es nicht, dass die Basken im Rückspiel gleich sechs gelbe Karten sahen. Doch der FC hielt dagegen. Es entwickelte sich ein echtes 50:50-Spiel. Noch vor der Pause gelang Real Sociedad der Anschlusstreffer. Der FC benötigte wieder ein Tor. In der 70. Minute wurde Engels erneut im Strafraum angespielt und konnte diesmal nur mit einem Foul gestoppt werden. Elfmeter! Als er aufstand und sich als designierter Elfmeterschütze nach dem Ball umschaute, sah er, dass Thomas Allofs ihn bereits in der Hand hielt. „Jedem anderen hätte ich den Ball wieder weggenommen, doch Thomas und ich sind bis heute sehr gut befreundet“, erzählt Engels. Er ließ seinen Freund schießen und so kam es, wie es kommen musste: Allofs verschoss. „Vielleicht dachte Thomas, ich sei verletzt, denn eigentlich war ich ein guter Schütze. Normalerweise habe ich zu den anderen gesagt, dass sie schon hinter die Mittellinie gehen können, wenn ich einen Elfmeter schieße“, sagt Engels und lacht.
Der damalige FC-Cheftrainer Christoph Daum hatte eine mit Stars gespickte Mannschaft zur Verfügung. „Wir haben uns auch abseits des Feldes gut verstanden. Das waren alles super Typen“, erzählt Engels und führt aus: „Wenn ich die Aufstellung durchgehe, lese ich acht Nationalspieler. Wir hatten eine wirklich starke Truppe.“ Daum ließ offensiv spielen. Engels agierte auf der alleinigen Sechs. Vor ihm zauberten Pierre Littbarski und Thomas Häßler. Neben Allofs stürmte der dänische Nationalspieler Flemming Povlsen, während hinten unter anderem Jürgen Kohler und Bodo Illgner den Laden dichthielten.

Die Mannschaft bescherte den Fans in Müngersdorf viele magische Europapokalnächte. „Wir haben vor bis zu 60.000 Zuschauern gespielt – das waren besondere Abende unter Flutlicht“, blickt Engels zurück. „Trotzdem hätte ich gerne einmal im heutigen RheinEnergieSTADION gespielt. In einem reinen Fußballstadion, das jede Woche ausverkauft ist und diese Wucht entwickeln kann, wären wir vielleicht noch besser gewesen.“
An diesem Mittwochabend im Dezember 1988 sollte es nicht reichen. Trotz Heimvorteil gelang dem FC kein weiterer Treffer mehr. Real Sociedad verteidigte die Kölner Angriffe konsequent weg und entschied die Partie in der Schlussminute mit dem 2:2. Die Europapokalreise des FC endete im Achtelfinale. Es blieb die Frage, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn der Elfmeter verwandelt worden wäre. Engels ist sich sicher: „Wenn wir das 3:1 geschossen hätten, wären wir mit Sicherheit weitergekommen.“ Trotz des bitteren Aus stürmte der FC im weiteren Saisonverlauf zur Vizemeisterschaft und durfte damit in der folgenden Saison ein neues Abenteuer im UEFA-Cup beginnen.















