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Kölns Straßen werden nie vergessen: Zoran Tosic

02.08.2026
Jeder Club hat seine Legenden. Spieler, die Titel gewannen, Rekorde brachen und die erfolgreichsten Mannschaften der Vereinsgeschichte prägten. Doch was ist mit denen, die keine großen Erfolge feierten und sich trotzdem in die Herzen der Fans spielten? Im Englischen gibt es für sie einen eigenen Ausdruck: The Streets Won't Forget. Gemeint sind Fußballer, die nicht wegen ihrer Trophäen in Erinnerung bleiben, sondern wegen ihrer Art oder eines Moments, der für immer bleibt. In diesem Sommer blickt fc.de auf eine Handvoll dieser besonderen Akteure zurück. Die Straßen Kölns werden Dich nicht vergessen: Zoran Tosic.
Es ist ein kalter Januartag in Frankfurt. Das Spiel passt zunächst perfekt zum Wetter an diesem verschneiten Nachmittag: wenig Tempo, kaum Chancen, 0:0. FC-Neuzugang Zoran Tosic schaut sich das Geschehen von der Bank an. Der Serbe war erst drei Tage zuvor von Manchester United an den FC ausgeliehen worden. Er läuft sich warm, bis ihn FC-Cheftrainer Zvonimir Soldo in der 54. Minute zu sich ruft. Wechsel. Tosic gibt sein Debüt. Der damals 22-jährige Flügelspieler verändert prompt das Spiel. Er lässt seine Gegenspieler stehen, als wären sie Slalomstangen. Nach zwei Beinschüssen geht ein Raunen durch den Auswärtsblock. Der FC gewinnt am Ende mit 2:1. Und auch wenn er an keinem der Tore direkt beteiligt war, schien ganz Köln nur noch über den neuen serbischen Dribbelkönig zu sprechen.
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Die damalige Generation junger FC-Fans kannte ihren Verein vor allem als Fahrstuhlmannschaft. Sie jubelte über Tore von Poldi und Nova. Doch plötzlich war da dieser Flügelspieler, der den Ball behandelte wie die Stars aus dem Fernsehen. „Ich denke, dass man mich schon als Straßenfußballer bezeichnen kann“, erzählt Tosic am Telefon. Als wir ihn vor einigen Tagen für ein Interview angefragt hatten, dauerte es nur wenige Minuten, bis er zusagte. Seine Skills habe er vom Futsal, sagt er. In seiner Jugend hat er viel auf dem Bolzplatz gespielt. Fünf-gegen-Fünf – meist gegen Ältere. „Von klein auf hatte ich immer einen Ball bei mir. Vor jedem Frühstück, Mittag- und Abendessen habe ich Übersteiger gemacht. Das war meine tägliche Routine.“

Durchbruch in Köln

Doch Tosic dribbelte nicht nur, er schoss auch Tore. Seinen ersten Treffer für den FC erzielte er am 28. Spieltag in Hannover. Es lief die 12. Minute, als der Serbe den Ball an der rechten Außenlinie annahm. Er ließ seinen ersten Gegenspieler stehen, zog nach innen, umkurvte den zweiten Abwehrspieler und schloss von der Strafraumkante humorlos ins linke Eck ab. Später schnürte er sogar noch einen Doppelpack. Der FC gewann mit 4:1 und nahm drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt mit nach Köln.
Knapp einen Monat später legte er im Heimspiel gegen Bochum zwei weitere Tore nach. Dank seines zweiten Doppelpacks binnen weniger Wochen schob sich der FC auf den elften Tabellenplatz und befreite sich frühzeitig aller Abstiegssorgen. Nach dem Schlusspfiff feierte Tosic den Sieg auf dem Zaun der Südkurve – eine Ehre, die nur wenigen Spielern zuteilwird.
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Für ihn war die Leihe nach Köln genau das, was er gebraucht hatte: „In Manchester gab es für mich nur wenige Chancen zu spielen. Ich war sehr glücklich, dass die Leihe zum FC zustande kam und sie dann auch so erfolgreich war. Wir haben die Klasse gehalten und ich durfte Erfahrungen in der Bundesliga sammeln. Das war perfekt“, erklärt Tosic. Insgesamt bestritt Tosic 14 Pflichtspiele für den FC, in denen er fünf Tore und zwei Vorlagen verbuchte. Er hinterließ Eindruck und weckte bei vielen FC-Fans den Wunsch, ihn länger in Köln spielen zu sehen.
„Wenn ich durch die Stadt gelaufen bin, sind die Menschen zu mir gekommen und haben gebeten, dass ich in Köln bleibe“, erinnert sich Tosic. „Das waren Kinder, Menschen in meinem Alter, selbst Omas haben mich angesprochen. Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Ich fühlte mich sehr wohl.“ Doch zu einem permanenten Wechsel sollte es nicht kommen, auch wenn er sich einen Verbleib gut hätte vorstellen können. Tosic kehrte zunächst nach Manchester zurück und wechselte von dort aus zum russischen Rekordmeister ZSKA Moskau. „Das Angebot aus Moskau kam sehr schnell. Ich musste mich entscheiden, ob ich es annehme oder noch warte“, erklärt der Serbe. Bei ZSKA blieb er sieben Jahre, gewann drei Meisterschaften und absolvierte 241 Pflichtspiele. Es folgten Stationen bei Partizan Belgrad sowie in China, Kasachstan und Griechenland, wo er seine Karriere beendete.

Den FC im Herzen

Heute lebt Tosic wieder in Serbien. Vor kurzem hat er seine A-Trainerlizenz gemacht. Als nächstes ist die Pro-Lizenz dran. Irgendwann will er eine Mannschaft übernehmen. Der Fußball wird ihn wohl sein Leben lang begleiten. „Ich bin bis hierhin zufrieden mit meiner Karriere. Ich habe um Titel und in der Champions League gegen die größten Teams der Welt gespielt.“

Die sechs Monate in Köln gehörten zu den besten meiner gesamten Laufbahn.

Zoran Tosic

Nach einer kurzen Pause fügt er jedoch hinzu: „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich manchmal darüber nachdenke, wie meine Karriere verlaufen wäre, wenn ich in Köln geblieben wäre. Die sechs Monate gehörten zu den besten meiner gesamten Laufbahn.“ Vor allem die FC-Fans hinterließen einen Eindruck – bis heute: „Ich erinnere mich an eine 1:5-Niederlage zuhause gegen Stuttgart. Wir haben furchtbar gespielt, doch die Fans haben uns selbst nach dem Abpfiff noch angefeuert. Das habe ich nirgendwo anders erlebt und war so beeindruckend, dass ich heute immer noch davon erzähle.“
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Was geblieben ist, ist die Frage, wie seine Geschichte beim FC hätte weitergehen können. Sie beschäftigt nicht nur Tosic selbst, sondern bis heute auch viele FC-Fans. Wann immer der Serbe den Ball am Fuß hatte, hielt das Stadion den Atem an. Man wusste nie, was als nächstes passieren würde. Für viele FC-Anhängern wurde Zoran Tosic damit zur personifizierten Fußballweisheit: Verlieb dich nie in einen Leihspieler. Doch da war es im Fall des serbischen Dribbelkönigs für viele schon zu spät.

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