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Salih Özcan: Mister Rheinderby

09.10.2026
Immer wenn er im Rheinderby auf dem Platz stand, hat er auch gewonnen. Die Brisanz, der Kampf, die Emotionen – Derbys lagen Salih Özcan schon immer. Als gebürtiger Kölner wusste er von klein auf, was diese Spiele den Menschen bedeuten. Denn das Derby geht weit über die 90 Minuten hinaus.
Seine Premiere im Derby war gleich besonders. Als 18-Jähriger kam er in der Schlussphase in Mönchengladbach zu seinem ersten Einsatz. 1:1 – das Spiel stand auf der Kippe. In der Nachspielzeit holte der FC einen letzten Freistoß heraus. Özcan und Marcel Risse machten sich bereit. Der Youngster tippte den Ball an und Risse schoss aufs Tor. Der Ball rauschte über Torwart Yann Sommer hinweg und schlug hinter ihm im Winkel ein – das Tor des Monats und später auch das Tor des Jahres bei der Abstimmung des Sportschau-Publikums. Im Gästeblock gab es kein Halten mehr, auch wenn dort niemand so recht realisierte, was gerade passiert war.
„Marcel Risse hat eine wirklich verrückte Schusstechnik. Das werde ich niemals vergessen, weil ich genau richtig stand und die Flugkurve perfekt gesehen habe“, erzählt Özcan heute, rund zehn Jahre nach dem Tor. „Wir waren damals keine normale Truppe. Wir waren eine Familie. Jeder hat dem anderen gegönnt, erfolgreich zu sein“, erinnert er sich an jene Mannschaft, die wenige Monate später erstmals seit 25 Jahren wieder in den Europapokal einzog.
Özcan spielte insgesamt fünf Derbys, die er allesamt gewann. Die Statistik war ihm schon damals bekannt und spornte ihn an, weitere Siege zu holen – für Köln und seinen FC. „Ich war vor diesen Spielen immer sehr motiviert. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht – gerade auch nach den Siegen, um diese Statistik weiter aufrechtzuerhalten“, erklärt Özcan.
Sein schönster Derby-Moment? „Das 4:1 im Heimspiel im November 2021. Das war eines der schönsten Spiele – auch wegen der Stimmung.“ In der Hinrunde der Saison 2021/22 spielte der FC nach der Corona-Hochphase das erste Mal wieder vor ausverkauftem Haus – und feierte seinen höchsten Sieg gegen die Fohlen seit 30 Jahren. Das Fachmagazin kicker kürte Özcan nach der Partie zum Mann des Tages und schrieb: „Der gebürtige Kölner zeigte dem Gegner, wie man ein Derby spielt.“
Derbys zu gewinnen, kann insbesondere in der Türkei nicht schaden. Der mittlerweile 28-jährige Özcan ist im Sommer zu Besiktas Istanbul gewechselt. „Mir geht es hier sehr gut“, erzählt er. „Das Leben in Istanbul ist wirklich schön. Wir hatten einen Top-Saisonstart.“ Besiktas rangiert in der Süper Lig aktuell auf dem dritten Platz und hat nur einen Punkt Rückstand auf die Tabellenspitze.
In der Türkei dreht sich alles um den Fußball. Frei durch die Stadt zu gehen, ist für den türkischen Nationalspieler kaum mehr möglich. Zu häufig wird er auf der Straße oder in Restaurants angesprochen. „‚Häufiger‘ ist schon fast untertrieben. Gefühlt kannst du hier gar nicht mehr rausgehen.“ Doch genau das macht ihm auch Spaß. „Das Land lebt von diesen Emotionen und vom Fußball. Ich genieße es gerade sehr. Es macht richtig Bock.“

Köln ist meine Heimat. Das wird für immer bleiben.

Salih Özcan

Trotz seines neuen Lebensmittelpunkts kommt Özcan regelmäßig nach Köln zurück. Hier hat er sich schon vor längerer Zeit ein eigenes Haus gekauft. „Köln ist meine Heimat. Da bin ich aufgewachsen und groß geworden. Und das wird für immer bleiben.“ Der FC ist immer bei ihm – auch in der Türkei verfolgt er die Spiele. „Ich schaue tatsächlich alle Spiele, wenn es zeitlich mit meinen eigenen Spielen passt. Ich bin da noch immer sehr dabei.“ Am Sonntag ist Özcan allerdings selbst im Einsatz. Die Daumen werden trotzdem gedrückt sein, wenn andere in seine Derby-Fußstapfen treten.

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