Profis | 05.04.2020

FC-Profi im Interview

Ein Anruf bei: Elvis Rexhbecaj

Auch die Spieler des 1. FC Köln verbringen momentan große Teile ihres Alltags zu Hause. Elvis Rexhbecaj berichtet, wie es bei ihm so läuft. Ein Gespräch über Home Training, Putzen und die Folgen der Corona-Krise.

Hallo Elvis, wobei stören wir dich?

Ich schaue gerade Serien, was soll ich denn machen? Orphan Black habe ich jetzt fast komplett durch, das ist sehr gut. Und jetzt fange ich mit der neuen Staffel von Haus des Geldes an. Darauf habe ich schon lange gewartet. Das werde ich durchsuchten.

Zur Überbrückung, bis die nächste Folge von 24/7 FC kommt?

Genau (lacht). Nach meinem Wechsel zum FC habe ich alle Folgen davon an einem Abend durchgebrettert, ohne Pause, bis ein Uhr nachts.

Wie sah dein bisheriger Tag aus?

Vorhin war ich laufen, habe schön meinen Laufplan absolviert. Danach ging’s auf die Terrasse zum Krafttraining. Davor habe ich gefrühstückt. Mehr ist nicht passiert. Mehr kann man ja aber auch nicht machen. Außer noch einkaufen und Essen kochen. Und putzen.

Die Putzfrau kommt ja momentan auch nicht.

Putzfrau? Ich habe keine Putzfrau. Das kann man selber machen. Hat Mama mir alles beigebracht.

Und wie klappt das bei dir mit dem Trainieren zu Hause? Ganz gut oder kriegst du durch das viele Zu-Hause-Sitzen langsam einen Bauchansatz?

(lacht) Ich darf keinen Bauchansatz kriegen! Unser Athletiktrainer hat einen guten Job gemacht, er hat uns ein hartes Programm zusammengestellt. Was muss, das muss. Und ich habe Glück: Mein Bruder ist vorübergehend bei mir eingezogen. Bis zu meinem Wechsel zum FC haben wir noch gemeinsam bei meinen Eltern gewohnt, in einem Zimmer. Er macht gerade eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, aber die ist gerade auch unterbrochen und deshalb ist er jetzt da. Er macht die ganzen Läufe und das Krafttraining mit. Das ist besser, als es alleine durchziehen zu müssen. 

Was beinhaltet euer Programm denn zum Beispiel?

Heute war ein Wendelauf auf dem Plan. In Intervallen. Zwölf Sekunden Belastung, zwölf Sekunden Pause. 15 Wiederholungen, drei Sätze. Morgen stehen Maximal-Läufe auf dem Programm. 20 Sekunden höchstes Tempo, dann zehn Sekunden Pause. Das dann zehnmal pro Satz. Mit Warmlaufen und Auslaufen ist man 50 Minuten beschäftigt. Und danach geht’s wie gesagt auf die Terrasse zum Krafttraining. Training für den Oberkörper und Unterkörper, immer abwechselnd. Wir haben Hanteln, Medizinbälle, Kettlebells und all so Zeugs mit nach Hause bekommen. Dazu kommt noch Mobilitätstraining, da ist man gut beschäftigt.

Bei dem ganzen Training fehlt aber was: der Ball.

Oh ja, die erste Woche fand ich das Athletikprogramm noch okay, ab der zweiten Woche hat es aber keinen Spaß mehr gemacht. Deshalb freue ich mich, dass wir nächste Woche wieder am Geißbockheim trainieren. Auch wenn es nur kleine Gruppen sind: Wenn du mit Ball trainierst, macht es viel mehr Spaß. 

Wie lange hast du keinen Fußball mehr berührt?

Puh, wann war das Spiel gegen Gladbach? Vor mehr als drei Wochen, oder? Kurz danach wurde ja dann auch das Training abgesagt und alle mussten nach Hause. Seitdem. 

Hast du in deinem Leben schon mal so lange nicht gekickt?

Nee, nie, nicht, seitdem ich denken kann. Selbst in der Sommer- oder Winterpause gehst du ja zwischendurch mal mit deinen Freunden kicken. Aber das kann man ja jetzt auch nicht mehr machen. Ich gehe jetzt auch nicht mit meinem Bruder im Park kicken, weil das ja nur Leute animieren würde, dazuzukommen. Obwohl es auch in den Parks deutlich leerer geworden ist. Vor ein paar Wochen war es bei schönem Wetter noch rappelvoll, aber jetzt chillt und grillt zum Glück niemand mehr.

Befasst du dich mit dem Corona-Virus und seinen Auswirkungen oder versuchst du, dich nicht zu viel damit zu konfrontieren?

Ich schaue immer morgens Nachrichtensendungen, um mich zu informieren, was über Nacht passiert ist, was am Tag noch passiert, wie die aktuellen Zahlen sind. Und ich schaue mir die Pressekonferenzen vom Robert-Koch-Institut und der Bundesregierung an. Ich beschäftige mich aber nicht von morgens bis abends mit dem Thema Corona. Da wird man ja verrückt.

Machst du dir Sorgen?

Klar, zum Beispiel um meine Eltern. Die sind 55 und 49, also noch nicht im Alter der Risikogruppen. Aber man liest ja auch von jüngeren Leuten, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen kann. Selbst ohne Vorerkrankungen. Und das Thema betrifft ja nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Wirtschaft. Ich wohne in der Kölner Innenstadt und war immer beeindruckt, wieviel hier los ist. Und jetzt ist es eine Geisterstadt. Die Geschäfte haben zu, die Hotels, die kleinen Betriebe. Mir als Fußballer geht es gut, ich brauche keine Existenzängste zu haben, auch wenn ich noch nicht so lange Profi bin. Aber was machen die Leute, die sich von Monat zu Monat hangeln müssen? Was macht jemand, der gerade seinen Laden eröffnet hat und jetzt vor dem Nichts steht? Das tut mir schon leid. Viele Freunde von mir sind in Kurzarbeit geschickt worden. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir das Thema Corona so schnell es geht in den Griff kriegen und sich die Lage bald wieder normalisiert. Nicht nur im Fußball, sondern grundsätzlich.
 

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PL.VereinPkt.
10Hertha BSC35
111. FC Köln34
12FC Augsburg31

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