Profis | 07.11.2019

Porträt im GeißbockEcho

Ellyes Skhiri: Kurzer Anlauf

Zum ersten Mal hat Ellyes Skhiri im Sommer seine Heimat verlassen. Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Montpellier, ist Köln die neue Heimat des 24-Jährigen. Der tunesische Nationalspieler brauchte nicht lange, um sich mit Anlauf in die Herzen der FC-Fans zu dribbeln.

Es läuft die Nachspielzeit der Bundesligapartie des 1. FC Köln in Freiburg am dritten Spieltag. Innerlich freundet sich ein Großteil der FC-Anhänger mit einem Remis an. Nach dem Spielverlauf, besonders der ­ersten Hälfte mit einem aberkannten Treffer und Rückstand durch Eigentor, ist der Punktgewinn in ­brütender Hitze ein relativ versöhnlicher Gedanke. Aber Ellyes Skhiri gefällt dieser Gedanke nicht. Er will mehr. In der Nähe der Mittellinie erobert er den Ball und behauptet ihn im Zweikampf gegen Nicolas Höfler. Nach einem energischen Dribbling über die halbrechte Seite ist Skhiri plötzlich im Strafraum. Die Freiburger Abwehrspieler spekulieren offenbar, dass er den Ball gleich querlegen wird. Doch der Mittelfeldmann des FC hat eine bessere Idee. Aus etwa elf Metern zieht er von halbrechts mit links ab und trifft ins kurze Eck. Zunge raus und jubeln. Dominick Drexler und Simon Terodde sind die ersten Gratulanten. Wenige Augenblicke später reiht sich das gesamte Team ein. Der FC holt auch dank der Energieleistung Skhiris den ersten Saisonsieg. „Das war ein tolles Gefühl. Obwohl ich im Mittelfeld zu Hause bin, suche ich gerne den Weg mit nach vorne.“

Ellyes Skhiri scheut keine neuen Wege und beweist in Köln von Beginn an Durchsetzungsvermögen. Das braucht er auch, denn beim FC findet der Franzose mit tunesischen Wurzeln eine neue Herausforderung. „Es war Zeit für eine Veränderung. Köln hat mir die Gelegenheit geboten, meine Komfortzone zu verlassen. Hier sehe ich die besten Voraussetzungen, um mich weiterzuentwickeln und zu wachsen.“ Ein ehema­liger Mitspieler hat ihm zudem zum Wechsel in die Bundes­liga geraten. „Ich hatte Kontakt zu Jerome ­Roussillon vom VfL Wolfsburg. Mit ihm habe ich in Montpellier zusammengespielt. Es hat meinen Wunsch, in die Bundes­liga zu wechseln, absolut bestätigt, indem er von den Stadien, der Stimmung und der Qualität ­geschwärmt hat. Die Bundesliga ist in Frankreich ­populär. Der FC steht zwar nicht permanent im Fokus, aber die Liga hat einen guten Ruf. Der FC ist ein großer Club mit großer Tradition. Das weiß man auch in Frankreich.“

WM und Afrika-Cup

Trotz neuer Umgebung sowie einer fremden Sprache hat sich Ellyes Skhiri schnell eingelebt. „Ich wurde vom ersten Tag an offen ins Team aufgenommen. Dass hier einige Jungs Französisch sprechen (Bournauw, Verstraete, Koziello, Modeste, Anm. d. Red.), hat sicher geholfen.“ Mit seiner Freundin Joanna hat Ellyes eine Wohnung im Süden Kölns gefunden. Ein kleiner Garten schließt sich an die Erdgeschosswohnung an, was nicht nur für den acht Monate jungen Mischlingshund komfortabel ist. Auch sportlich gelingt der Start. Am ersten Spieltag wird Skhiri eingewechselt und hat fortan jede Pflichtspielminute für den 1. FC Köln auf dem Platz gestanden. Davon war nach der Verpflichtung Ende Juli nicht auszugehen – schließlich hatte er im Sommer noch mit der Nationalmannschaft ­Tunesiens am Afrika-Cup teilgenommen. Auch bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland hatte Skhiri drei Vorrundenspiele absolviert und so schon im ­Vorjahr weniger Zeit für Regeneration gehabt.

In allen sieben Partien des Afrika-Cups 2019 hat der Mittelfeldmann mit Offensivdrang über die volle Spielzeit auf dem Platz gestanden. Durch drei Remis in der Gruppenphase erreichte Tunesien die K.o.-Runde. Im Achtelfinale setzte sich Skhiris Team im Elfmeterschießen gegen Ghana durch, im Viertelfinale gab es nach 90 Minuten ein 1:0 gegen Madagaskar. Im Halbfinale gegen den Senegal unterlag Tunesien mit 0:1 nach Verlängerung, auch das Spiel um Platz 3 verlor Skhiris Team mit 0:1. Bis Mitte Juli war Ellyes Skhiri also im Pflichtspielbetrieb und startete erst nach einem rund zweiwöchigen Sonderurlaub Mitte August in das FC-Mannschaftstraining. „Natürlich sind Erholungspausen wichtig", sagt Skhiri, "aber ich wollte auch schnell die Mannschaft und den FC kennenlernen.“

Das komplette Porträt von Ellyes Skhiri gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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