Profis | 26.11.2021

Interview im GeißbockEcho

Hübers: „Auf das Gefühl hinarbeiten“

Timo Hübers ist im vergangenen Sommer nach fünf Jahren ans ­Geißbockheim zurückgekehrt. Nach einer Saison in der U21 des FC kehrte er zu seinem Heimatverein Hannover 96 zurück, hat sich dort zum Profi entwickelt und will sich nun beim 1. FC Köln in der ­Bundesliga durchsetzen. Nach schweren Rückschlägen weiß der ­Abwehrspieler, dass es im Fußball keine Garantien gibt. Umso mehr liegt sein Fokus auf der täglichen Arbeit – sowohl auf dem Platz als auch am Schreibtisch.

Timo, weißt du, welcher weitere Suchbegriff vorgeschlagen wird, wenn man bei Google deinen Namen eingibt?
„Nein, das weiß ich nicht (lacht).“

Aber du bist doch jung und kennst die Funktionsweise von Google-Suchen.
„Schon, aber tatsächlich googele ich mich nicht jeden Tag. Ich vermute, dass Corona vorgeschlagen wird.“

Volltreffer. Dass du deinen Namen nicht googelst, spricht für dich. Wie gehst du mit der Tatsache um, dass du der erste Corona-Infizierte im Profifußball warst?
„Es ist ja mittlerweile auch schon anderthalb Jahre her. Damals war es schon sehr krass und surreal. Ich war der achte Mensch im gesamten Raum Hannover, der positiv getestet wurde. Aber eben der erste Profifußballer. Dennoch werde ich eigentlich kaum noch auf das Thema angesprochen. Es war letztes Jahr ein gewisser Medientrubel, aber heute berührt mich das nicht mehr.“

Im Magazin „Spiegel“ bist du als „Patient null“ ­bezeichnet worden.
„Und heute bin ich einer von fünf Millionen in Deutschland.“

Die gesamte Lage spitzt sich in diesem Herbst ­allgemein wieder sehr zu. Wie siehst du die Entwicklung?
„Es ist insgesamt schon besorgniserregend. Im Sommer hatte man durch die steigende Zahl der Impfungen und die niedrigen Zahlen den Eindruck, dass etwas Normalität einkehren würde. Aber jetzt ist definitiv große Vorsicht gefragt, denn die Zahlen sind ja so hoch wie nie. Jetzt ist jeder Einzelne gefragt und jeder sollte sich an die vorgegeben Regeln halten. Jeder muss mitmachen, nur so kann es klappen.“

Zwangsläufig werden im Fußball auch die Zuschauer­zahlen zum Thema. Wie stehst du zu der Debatte?
„Zunächst sind wir Fußballer natürlich froh, dass ­wieder Fans im Stadion sein dürfen. Für uns auf dem Platz ist das ein riesiger Unterschied. Auch der Schritt von 16.000 über 25.000 und dann volles Haus war bei der Stimmung enorm. Deswegen schauen wir natürlich besorgt auf die Entwicklung. Wir haben es nicht in der Hand und können nur sagen, dass es weitaus mehr Spaß macht mit Fans im Stadion. Aber die ­Entscheidungen treffen andere.“

Im Sommer hast du die Entscheidung getroffen, nach Köln zurückzukehren. Während der Saison 2015/16 hast du bereits ein Jahr in der U21 den Geißbock auf der Brust getragen. Wie bewertest du die ersten Monate bei den FC-Profis bislang?
„Ich würde mich als Halb-Neuzugang bezeichnen und kannte hier ja schon vieles. Deswegen fiel mir der Einstieg relativ leicht. Trotzdem waren es zu Beginn eine neue Mannschaft und viele neue Gesichter im Umfeld, an die ich mich gewöhnen musste. Die Vorbereitung lief für mich persönlich sehr gut und ich habe das Gefühl, dass ich einen guten Anschluss ans Team habe – sportlich und auch insgesamt. In der ersten ­Pokalrunde und am ersten Bundesligaspieltag habe ich in der Startelf gestanden. Dann habe ich mich ­leider verletzt und bin vier Wochen ausgefallen. Die anderen Jungs haben ihre Sache dann auch sehr gut gemacht und dann gibt es für den Trainer meist ­wenige Gründe, etwas zu verändern.“

In der zweiten Pokalrunde sowie beim Heimspiel ­gegen Union Berlin hast du wieder in der Startelf bei den Profis gestanden. Warum dann nicht in Mainz?
„In Stuttgart und gegen Union lief es eigentlich ganz gut für mich. Aber wir sind in der Innenverteidigung einfach sehr gut aufgestellt. Der Trainer hat es intern und in Interviews schon oft betont, dass er manche Aufstellung nicht zwangsläufig von der Form oder Leistung abhängig macht, sondern alle Faktoren einfließen lässt – dabei spielen auch der Gegner und die taktische Idee eine große Rolle. Wir alle im Kader ­wissen, dass wir gebraucht werden. Deswegen gebe ich im Training alles, um Woche für Woche eine ­Option für den Trainer zu sein.“

Du hast nach deiner Verletzung sogar eine Partie in der U21 bestritten. War das ein kleiner Flashback für dich?
„Ein Pflichtspiel im Franz-Kremer-Stadion war schon etwas länger her, das stimmt. Ich bin sogar von einem Mitspieler gefragt worden, ob es das erste Spiel in der Regionalliga für mich sei (lacht). In der U21 sind ja auch ganz junge Spieler dabei und ich habe nur gesagt, dass ich vielleicht sogar mehr Regionalligaspiele gemacht habe als ein Großteil des Teams. Aber es war super für mich, um nach der Verletzung wieder reinzukommen. Man kann so viel trainieren, wie man will – ein Spiel kann man nie ganz ersetzen. Und das Spiel hat auch vom Ergebnis gepasst (Anm. d. Red.: 4:0-Heimsieg gegen Lotte).“

Ist aus deiner FC-Zeit vor sechs Jahren noch jemand im Team?
„Nur Marius Laux. Wobei ich damals schon dachte, Lauxi macht sein letztes Spiel mit mir zusammen (lacht). Aber er hat noch ein paar Jahre drangehängt.“

Welche Eindrücke aus der U21-Saison 2015/16 ­waren maßgeblich für deine Rückkehr nach Köln?
„Auf jeden Fall die Strahlkraft, die der Club in der Stadt hat. Ich kenne es zwar aus Hannover, wo ja auch europäisch gespielt wurde und 96 sehr präsent ist. Aber keine andere Stadt als Köln kann behaupten, dass der Club auf diese Art ins Stadtbild und ins Selbstverständnis integriert ist. Das hat mir schon als U21-Spieler imponiert und ich habe es im Rhein­EnergieSTADION von der Tribüne aus erlebt. Umso größer war der Ansporn, das irgendwann mal selbst auf dem Platz erleben zu können. Diese Identifikation der Menschen mit dem FC ist sicher einzigartig. Wenn man aus dem Spielertunnel auf den Platz läuft und die Hymne bis über den Anstoß hinaus gesungen wird – das kann man nicht in Worte fassen und davon ist selbst der Gegner beeindruckt.“

Das komplette Interview mit Timo Hübers gibt es hier oder in der GeißbockEcho-App für Apple und Android.

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Gesamttabelle
PL.VereinPkt.
8Eintracht Frankfurt28
91. FC Köln28
101. FSV Mainz 0527

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